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Über sieben Brücken musst du geh’n

Muss ich? Na, dapest1s wollen wir mal sehen. Anfangen werde ich erst Mal mit einer, der berühmte Kettenbrücke, erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts von Herrn Clark Adams, dem dafür die zweifelhafte Ehre zuteilwurde, einen sehr verkehrsreichen Kreisel nach sich benannt zu sehen.

Über diese Brücke mit ihren genauso grimmig drein- wie aussehenden Löwen und Ketten geht es nach Pest, mit Sonnenbrille und nicht mit Regenschirm. Pest ist im alten Teil sehr touristenfreundlich gestaltet. Die Originalbauten des 19. Jahrhunderts sind vier- bis fünfstöckig, so dass die Hauptattraktionen, wie die Stephanskathedrale oder die große Synagoge einfach oben rausschauen und die Orientierung auch ohne Kartenlesen ermöglichen.

Allerdings schläft Pest um neun Uhr früh noch: die Kirchen, die Läden, die Synagoge, alles noch zu. Auch auf den Straßen ist kaum Verkehr. So bin ich recht schnell am Ausgangspunkt der „Jewish Quarter Walking Tour“, der noch geschlossenen „Großen Dohany Synagoge“. Aber ein paar Spest2traßenecken weiter hat die Rumbach-Synagoge auf. Hier gibt es dann ein anderes Problem: der Geldautomat am Flughafen hat 10000er und 20000er Scheine ausgespuckt und der gute Mann an der Kasse will mir nicht so früh am Morgen sein ganzes Wechselgeld auszahlen. Die Lösung liegt zwei Häuser weiter in Gestalt eines Büros der Budapester Verkehrsbetriebe. Für umgerechnet 10 Euro bekomme ich zwei Tageskarten für alle Transportmittel und das Wechselgeld für meinen Eintritt.

Die Rumbach-Synagoge schließt in zwei Wochen für immer ihre Tore, da keine Mittel mehr für Erhalt und Betrieb vorhanden sind. Mich faszinierte diese kleine Synagoge mit ihren Gusseisen-Säulen und verblichenen Wandmalerepest3ien in ihrer halb zerfallenen Schönheit viel mehr als ihre große Schwester. Dafür ist die Dohany Synagoge ein sehr eindrückliches Mahnmal, mit ihrem Garten, der in der Zeit des Ghettos die Massengräber aufnehmen musste und heute Gedenkstätte ist, sowie der stählernen Trauerweide, deren einzelne Blätter jeweils den Namen eines ermordeten Juden tragen.

Mit der Tram ging es zum Ausgangspunkt der Millenium-Linie. Warum diese U-Bahn Linie diesen Namen trägt, weiß ich nicht, sie wurde nicht 2000 eingeweiht, sondern 1896, als erste U-Bahn auf dem europäischen Festland. Der Kaiser höchstpersönlich kam zur Einweihung dieses coolsten Fortbewegungsmittels seiner Zeit, im zweit-coolsten Mittel: seiner kaiserlichen Prunkkutsche, die in der U-Bahn-Station ausgestellt ist. Mein nächster ausgedruckter Plan, der „Millenium Walk“ sah vor, dass man die Andrassy-Prachtstraße entlangläuft, die „Champs-Elysées“ Budapests. Bei ihrer Eröffnung galt sie als die schönpest5ste Straße ihrer Zeit, so schön und prachtvoll, dass der öffentliche Verkehr mit der U-Bahn den Blicken entzogen wurde, um die Schönheit nicht zu stören. Irgendwann in den letzten 130 Jahren wurde dieser grandiose Gedanke dann leider wieder aufgegeben und so braust der – inzwischen ebenfalls erwachte – Verkehr vierspurig an internationalen Nobel-Geschäften vorbei. Das war der Moment, in dem meine Füße meinen Kopf an das Tagesticket erinnerten und so lernte ich ein gutes halbes Dutzend der Jugendstil-Metro-Stationen kennen. Szechenyi fürdö, für die pompöse Badeanstalt, wo man mondänem Badeleben wie vor 120 Jahren frönen kann. Hösök tere, für den Heldenplatz, den ich ausgiebig bewundern konnte, da ein großes Polizeiaufgebot jeden Auto- und Fußgängerverkehr zum Erliegen brachte, um einen lautstark hupenden Protestzug durchzulassen. Auch die Pester Burg liegt an dieser Haltestelle. Und von da ging es zum Oktogon, von wo es nur ein paar Schritte zum Liszt-Platz mit seinen Cafés und Restaurants ist. Während meiner ungarischen Gulaschsuppe kam mir die Idee zum idealen Abschluss dieses Tages: mit der 105 und der 16 bequem dorthin, wohin wir gestern mühsam zpest4u Fuß hochgeklettert sind. Und dann im Café Ruszwurm mit einem schönen Stück Kuchen den Sightseeing-Teil des Tages beenden.

Ausgesucht habe ich mir eine Torte, die auf den aufrührerischen Namen Solmoi revolucio hörte und – wenn ich das richtig verstanden habe – Ungarns Torte des Jahres 2014 war. Was kam, war ein Gebilde aus einem dünnen Biskuitboden, darauf eine Schicht Schoko-Buttercreme, darüber eine Schicht Nusskrokant-Creme. Das Ganze zusammengehalten von einem Schokoladenguss und gekrönt von einem Tupfer Schlagsahne. Den Revoluzzer möchte ich sehen, der mit dieser Torte im Bauch noch die Barrikaden erklettern kann. Ich jedenfalls habe danach beschlossen auf die freundliche Unterstützung der Budapester Verkehrsbetriebe zu verzichten und meine revolutionären Kalorien treppensteigender Weise abzubauen.

Guten Abend aus Buda

Achja, Philipp, ich habe versucht, die Kaffeefilter zu fotografieren. Wollten sie aber nicht. Deshalb diese – wie auch alle anderen – Bilder ohne Filter.


2 Kommentare

  1. Quitte sagt:

    Huhu Paonia,
    lese grad mit großem Vergnügen deine Berichte.
    Mir tun beim lesen schon die Füße weh!
    Bin ich noch auf deiner postcardlist?
    Hab noch viel Spaß in Buda und Pest und iss nicht zuviel Kuchen.
    LG Quitte

    Gefällt mir

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