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Ein kleines Rätsel

Ein kleines Rätsel: fällt Euch etwas auf?

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Richtig! Und hier?

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5sus3Genau! Sieht alles besser aus im Sonnenschein!

P1130110Der Eintritt in den Klosterkomplex kostete etwas mehr als meine Fellforelle. Dafür sollte es mehr als zehn Museen in den Mauern der einzelnen Gebäude geben. Nun, es gibt Museen und Museen. Und mit mittelalterlichen Schwertern und ähnlichem hatte man mich ja schon gestern gelangweilt. Das erste Museum, im Verkündigungsturm, war dann auch schnell abgehakt. Mein Plan, mir den großen Erlöser-Euthymios-Kloster-Komplex mit Ruhe anzuschauen, scheitert erst mal an zwei Museumsmitarbeitern, die mit ihren Pürierstäben dem sogenannten Rasen ( 90% Löwenzahn) zu Leibe rücken. Statt beschaulicher Stille das hohe Gesirre dieser Maschinen. Aber hinter den meterdicken Mauern der Abtbehausung ist davon dann nichts mehr zu hören. Hier hängt, was mich noch mal nach unserer kurzen Exkursion am Dienstag in dieses Kloster bringt: Ikonen aus mehreren Jahrhunderten. Der Ikonenmaler galt in seiner Zeit nicht als Künstler, eher als Handwerker. Er erlernte ein Standardrepertoire an Heiligendarstellungen, die er dann genauso wiederzugeben hatte. Diese Standardisierung erleichtert heute z.B. bei der Rekonstruktion von Fresken die Arbeit: eine bestimmte Körper- oder Handhaltung identifiziert den Heiligen und der Restaurator weiß, wie das Bild ausgesehen haben muss. In der Darstellung also gab es nicht viele Variationen. Obwohl man schon deutlich sah, dass es mehr oder weniger begabte Darsteller gab. Ich erinnere mich an ein Jesuskind, dass eher wie ein Zwerg mit mörderischen Gedanken aussah. Was natürlich immer anders gestaltet wird, sind die prachtvollen Silberrahmen oder das Geschmeide, dass man z.B. Maria um Haar oder Hals legt. 5sus4

Und dann kam eine Ikone, bei der ich das Fotografierverbot sehr bedauerte. Stellt euch ein Querformat vor, etwa 120 auf 60 cm. Am oberen Bildrand in der Mitte ein UFO. Ja, genau, ein schwarzes Gebilde mit dieser typischen Untertassenform, etwas kompakter, etwas gestauchter, aber eindeutig eine Mischung aus Todesstern und Raumschiff Orion. Am unteren Bildrand rechts und links fliegen entwurzelte Bäume im Sog des startenden Raumschiffes nach oben, in den Zweigen russische Bauern, die sich verzweifelt festhalten und doch weggerissen werden. In der Bildmitte unten eine Gruppe Edelleute auf Pferden. Die Pferde scheuen, weil sie den Boden unter den Füßen verlieren, die Reiter wissen nicht, ob sie sich festhalten oder abspringen sollen, aber der Sog ist stärker, alles ist in Bewegung. Was eigentlich nur noch fehlt, ist die Raumschiff Enterprise-Musik und jener unsinnige Huiiihuiii-Wusch-Laut, den ja laut dieser Serie Raumschiffe im Weltall machen. Ich habe lange vor dem Bild gestanden und die Dynamik dieses spätmittelalterlichen Raumschiffstarts bewundert. Die Dame vom Museum bestand natürlich darauf, dass das Noahs Arche sei. Aber ich glaube, sie hat nur noch nicht richtig hingeschaut.

5sus1Nach diesem Erlebnis war das Museum der naiven Bauernmalerei in dieser Kirche dann doch ein Antiklimax, aber auf dem Weg zwischen den Gebäuden fiel mir plötzlich die wohltuende Stille auf. Die Sonne schien, die Vögel gingen ihrem Job nach, alles duftete nach frisch gemähten nunja Grünzeug, es war richtig meditativ. Da kam die nächste Ausstellung, zum Schicksal deutscher und italienischer Kriegsgefangener, wie ein Faustschlag in den Magen.

Zum guten Schluss bin ich dann im Dormitorium hochgestiegen bis unters Dach. Dort hatte man Zellen der besonderen Art eingerichtet, mit großen Glasfenstern zum Gang hin. Wieder das Fotografierverbotsschild und einige Linien in Russisch, wahrscheinlich etwas im Stil von: Bitte nicht füttern und Nicht an die Scheiben klopfen. Hier saßen die Restauratoren bei der Arbeit. Man konnte zusehen, wie sie an Ikonen oder einem Gewand arbeiteten. An den Wänden hingen Bilder zu den einzelnen Schritten vom halbzerstörten zum restaurierten Kunstwerk. Es roch nach Kleber oder Lösungsmitteln. Mir hat es da richtig gut gefallen.


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