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Einmal Susdal – Moskau mit dem „Wanderfalken“

Multi Tasking finde ich gut! Die Fest-Zelte zwischen unserem und dem Nachbarhaus konnten das ganz toll. Auf der Rasenfläche stand ein rechteckiges Zelt, so Zwischending zwischen Modell „Baumarkt“ und Modell „Unopiu“, recht groß, mit Seitenwänden zum Zuziehen und Fliegengardinen dazwischen. Etwas entfernt davon stand ein kleineres kuppelförmiges Zelt, Modell „Stadtorchester im Kurpark“. Als wir am Montag hier ankamen war das große Zelt geschmückt mit einem riesigen Plakat. Darauf waren strahlende Veteranen zu sehen, denen von noch strahlenderen Kindern Blumensträuße überreicht wurden, dazu eine Friedenstaube und die Jahreszahlen 1945 – 2015. War ja wohl klar, welche Veranstaltung dort stattgefunden hatte.

p2015_05_21_19h03_23Am Donnerstag gab es einen sogenannten Grillabend für die Konferenzteilnehmer. Dafür hatte man die Veteranen abgehängt und Tische und Stühle in das große Zelt gestellt. In der kleinen Kuppel wurden auf Tischen die Getränke bereitgestellt. Eigentlich ist es ja positiv, wenn man vorausschauend plant und handelt. Aber den Weißwein für eine Feier um 19 Uhr schon um 17 Uhr in die Sonne zu stellen, ist dann eher kontraproduktiv. Also wurde um 19 Uhr ein großer Kübel mit Eiswürfeln herbeigeschafft für diejenigen unter den Gästen, die weder lauwarmen Weißwein trinken noch auf Wodka ausweichen wollten. Mit Einbruch der Dämmerung wurde dann auch die Wichtigkeit der Fliegengardinen ersichtlich. Stechmücken, groß wie Kampfhubschrauber (naja, fast) und genauso aggressiv, setzten zum Angriff an. Und der Physiker, der zu Beginn der Party die Sitzgelegenheiten im Zelt mit den bewusst provokativen Worten: „Das ist was für Frauen und sonstige Behinderte“ abgetan hatte, bekam (zum zweiten Mal) ganz schön was zu hören.

Heute Morgen sind alle Spuren der Grillparty verschwunden, Zelt und Kuppel sind mit festlichen Tüllrosetten in Weiß und „Royalblue“ geschmückt, ein Blumenbogen in den gleichen Farben ist vor dem Zelt aufgestellt, davor einige Reihen mit Stühlen. Während wir uns auf die Abreise vorbereiten, huschen Brautjungfern in Royalblue umher.

p2015_05_21_18h52_15Unsere Abreise ist für 15:00 geplant, erstmal bis Vladimir, dessen Bahnhof auf der Schnellzug-Strecke Nowgorod-Moskau-St. Petersburg liegt. Gestern morgen habe ich ein ganzes Konferenzbüro ungefähr genauso lange, wie wir heute Zug fahren werden, mit der Reservierung der Karten beschäftigt. Auf einer internationalen Seite war es zwar problemlos möglich, Karten und Sitzplätze zu reservieren, aber dann wurden die Passnummern der Fahrgäste verlangt. Also ging es rüber ins Konferenzbüro, die diese Unterlagen ja haben müssten.

Im Büro wurde dann die russische Seite aufgerufen und siehe da, plötzlich kosteten die Karte etwa ein Drittel weniger. Die Passnummern für Monsieur und Kollege hatte das Büro aber auch nicht, beide waren nicht erreichbar. Also runter in die Rezeption, wo Kopien der Pässe aller Gäste gemacht worden waren. Da die Englischkenntnisse der Rezeptionistin ungefähr meinen Russischkenntnissen entsprachen, dauerte es eine Weile, bis mein Anliegen klar und die Kopien gefunden waren.

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Nicht der „Falke“, eher die „Ente“

Im Bahnhof von Vladimir gab es dann erstmal das Problem herauszufinden, auf welchem Gleis der „Sapsan“, der „Wanderfalke“ abfuhr. Mehrere Spalten mit Informationen standen zur Verfügung und anhand der Abfahrzeiten konnten wir unseren Falken schnell identifizieren, dahinter die Zahl 2. Mein Vorschlag war also Gleis 2. Bis Monsieur uns darauf aufmerksam machte, dass andere Züge in dieser Spalte Zahlen von 18 bis 25 stehen hatte, der Vladimierer Bahnhof aber nur über zwei Gleise verfügt. Es wurde beschlossen, dass diese Zahl die Aufenthaltsdauer der Züge hier in Vladimir wiedergibt.

Schließlich haben wir einen sehr grimmig dreinschauenden, schlagstoffbewaffnetem Bahnpolizisten unsere Tickets unter die Nase gehalten und er hat uns sehr freundlich nicht nur das Gleis, sondern auch den Abschnitt unseres Waggons gezeigt.

p2015_05_22_18h42_25Der Falke flog mit uns durch fast unberührte Wälder. Ab und an tauchten ein paar Holzhäuser entlang der Bahnstrecke auf, gelegentlich sah man eine größere Ansammlung von Gebäuden in der Ferne, aber der vorherrschende Eindruck war unbewohnte Weite. Auf die im Prospekt angekündigten 300km/h kam der Falke auf dieser Strecke allerdings nicht. Die Anzeige schwankte zwischen 130 und 160 km/h. Was die Tafel aber auch anzeigte, war ein Sturz der Temperatur. Von 27° in Susdal auf 17° in Moskau. Als wir in die Vororte Moskaus kamen, ging ein sintflutartiger Sturzregen nieder. Wir fuhren über Bahnunterführungen, in denen das Wasser so hoch stand, dass sich die Autos davor und dahinter stauten, weil sie sich nicht hindurch zu fahren trauten.

Ich hatte in Susdal unsere Metrofahrt vorbereitet, alle Haltestellen in Blockschrift auf Kyrillisch und Latein herausgeschrieben und die Zwischenstopps abgezählt. An der richtigen Haltestelle auszusteigen, war dann nicht schwierig. Im strömenden Regen das Hotel zu finden dann schon etwas mehr.

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Kaufhaus Gum auf dem Roten Platz

Abends sind wir dann noch über den Roten Platz geschlendert, begleitet von Gruppen von jungen Menschen, die anscheinend Schuljahresende oder bestandene Prüfungen feierten.

Im Café des Kaufhauses Gum haben wir uns einen Drink gegönnt. Zu Preisen, für die ich in Susdal gleich einen ganzen Schwarm Fellforellen bekommen hätte.


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