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Kleine Änderung der Pläne

a-tainan3  Homestays, B&B oder wie man es nennen mag, finde ich sehr gut. Machen wir bei jeder Reise mindestens einmal. Das beruhigt etwas dieses ganz kleine Restchen schlechtes Gewissen, das ich gelegentlich beim Reisen habe, besonders in weniger touristischen Ländern, dieses Gefühl, ich bekomme so viel geschenkt: Erlebnisse, Erinnerungen, Bilder – und was gebe ich zurück? In den meisten Fällen ganz banal: Geld. Aber beim Homestay geht das Geld dann wirklich direkt an die Bevölkerung des besuchten Landes und nicht an eine anonyme Hotelkette. Gut, meist ist es auch deutlich preiswerter als ein Hotelzimmer, aber das ist nur ein Nebeneffekt.

a-tainan4So weit der Hintergrund. Gestern hatten wir allerdings das Gefühl gehabt, einer Mogelpackung aufgesessen zu sein. Gebucht hatten wir den recht teuren Homestay für zwei Tage, aber das Preisleistungsverhältnis war hier doch arg in Schieflage geraten. Von außen sah das Haus sehr schön aus, japanischer Garten, japanisch, d.h weitgehend kitschfrei gestalteter Essraum, sehr stilvoll. Dafür das Zimmer winzig klein, mit Waschbecken im Raum. Und leider voller Schimmelecken. Dusche und Toilette waren im identischen winzigen Räumchen untergebracht, so dass einem bei der Erledigung gewisser Dinge der Duschvorhang im Gesicht hing. Um das Papier, das ja beim Duschen trocken bleiben sollte, zu erreichen, musste man schon die Gelenkigkeit einer russischen Bodenturnerin besitzen. Der Regen – und die Tierwelt – trommelten nachts auf’s Blechdach, draußen donnerten die Touristenbusse vorbei, alles ziemlich anders als wir uns das vorgestellt hatten. Monsieur schaute nach der ersten Nacht hinaus in Nebel und Regen, dann über den Raum und schließlich zu mir und fragte: „Willst du?“ und ich sagte von ganzem Herzen und ohne zu Zögern: „Ja, ich will!“

a-tainan2Fünf Minuten später hatte er ein Hotel gebucht und zwei Stunden später waren wir in Tainan. Das Hotel, ein Kunst-Hotel mit Konzept, aber das stört uns nicht :), gab uns einen sehr schönen großen Raum in der 6. Etage mit Wohnbereich und einem kleinen Büro in einem Erker über eine bunte Seitenstraße. Zum gleichen Preis wie unser Homestay.

Einziges Problem hier: Parken ist unmöglich auf der Straße, aber Monsieur bekommt die Angaben zum nächsten Parkhaus, mit dem das Hotel einen Vertrag hat. Dort musste er völlig perplex mit ansehen, wie sein Auto, nachdem er es auf einen bestimmten Platz gestellt hatte, sich wegdreht, in einer Box verschwindet und in die Tiefe abtaucht. Hoffentlich bekommen wir das morgen wieder.

a-tainan1Auf geht es, Tainan entdecken. In der alten Hauptstadt herrscht eine derartig hohe Tempeldichte, dass man an jeder Straßenecke vor einem anderen steht. Zuerst interessieren uns aber eher die Fressgassen als die Kultur, schließlich ist es längst Mittag. Wir biegen in ein paar Gassen ab, bis wir finden, was wir gesucht haben: offene Töpfe zum Reinschauen und Stühle zum Sitzen. Unser „Chef“ lässt uns auswählen, rechnet dann an allen Fingern die Summe aus und hält vier hoch. Chinesische Zahlzeichen sind anders als unsere, trotzem halten wir mal vier Scheine hin, er schüttelt den Kopf, wir nehmen Schein um Schein weg, bis er nickt. Und uns noch Wechselgeld herausgibt.

Dann geht es weiter mit der etwas ungenauen Karte aus dem Reiseführer. Aber wie gesagt: Wenn du nicht den Tempel finden kannst, den du besichtigen willst, besichtige halt den, den du gefunden hast.

Letzten Endes – ihr erinnert euch? Stur und so? – finden wir sie alle, Tempel, die Kriegs- und Muttergottheiten gewidmet sind, einen (geöffneten! )Konfuzius-Tempel und eine alte Portugieser-Festung, die von den siegreichen Chinesen zum Tempel des Meeresgottes umfunktioniert wurde.

Der Rückweg läuft gefährlich nah an mehreren Teeläden vorbei. Tja…, wie sagt Oscar Wilde: Ich kann allem widerstehen. Außer der Versuchung.a-tainan5

Dafür komme ich völlig ungefährdet an den Schmuckauslagen in den Juweliergassen vorbei.

Abends suchen und finden wir ein japanisches Restaurant und gönnen uns Sashimi und Meeresfrüchte-Sushi.

Life is good. Und dass wir von Alishan nichts gesehen haben, ein Teil davon.


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