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Sag mir, wo die Blumen sind (Les Pléiades, 1365 m)

Oder: Wandern ist, wenn man trotzdem lacht…

pleiades3Gut, wir waren vielleicht auch einfach zu optimistisch. Die eine Wanderseite schlug für diese Wanderung Mitte Mai bis Mitte Juni vor, die andere Mitte April bis Mitte Mai. Dann sollten sich die Almwiesen der „Pléiades“ mit Tausenden und Abertausenden von weiß blühenden Narzissen schmücken. Da wir aber schon wussten, dass wir im Mai keine Zeit haben werden, haben wir eben der anderen geglaubt.

Sonntag war außerdem der einzige Tag mit einer einigermaßen guten Wettervorhersage vor der angekündigten Kaltfront. Während des Frühstücks schien die Sonne, während des Zusammensuchens von Schuhen, Mützen, Schals wurde es dunkler und erste Tropfen fielen, Ich machte sehr klar, dass ich keinesfalls vorhatte 2 ½ Stunden durch Regen zu laufen. Monsieur sagte, er werde sich darum kümmern. Es ist bei uns nämlich so, dass ich mich um die schöne Landschaft kümmere und Monsieur für das Wetter zuständig ist.

Unser Ziel, die Narzissenwiesen Les Pléiades, liegt oberhalb von Vevey, eine gute Stunde Autofahrt. Los ging’s.

pleiades2Wir haben Freunde, die reisen immer mit einer „Veschper“, meist Beaufort-Käse und Salami. Ganz wichtig auch die Schokolade, die meist schon kurz hinter der Autobahnauffahrt aufgemacht wird. Bei uns war das etwas anders gestern. Monsieur will seinen Sitz zurückschieben, greift nach unten und hat eine Aubergine in der Hand. Rund, prall, violett – und ich erinnere mich Ende der Woche Auberginen gekauft zu haben. Der kleine Ausreißer wird auf die Mittelkonsole platziert, wo er uns ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Egal, wie schlecht das Wetter wird, egal, welche Straßenverhältnisse uns erwarten, wir haben etwas zu essen dabei. Eingeschneit in einem Schweizer Bergtal werden wir überleben, dank dieser Aubergine.

Hinter Lausanne fahren wir auf der Freiburger Autobahn steil bergauf, dann wechseln wir auf kleine und immer kleinere Landstraße. Einspurig geht es durch einen dunklen Wald, der atavistische Gefühle weckt. Ich schaue nicht in den Rückspiegel, ich will gar nicht wissen, ob der Wald sich hinter uns schließt.

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Orientierung ist einfach in der Schweiz. Die Wege sind alle beschildert…

Monsieur hat derweil am Wetter gearbeitet, der Regen geht in Schnee über. Wandern im Schnee ist schließlich etwas ganz anderes. Vom Wanderparkplatz Tenasses steigen wir steil auf, umtanzt von Schneeflocken. Der eisige Wind sorgt dafür, dass es nicht zu weihnachtlich-gemütlich wird, die dunkel treibenden Wolken dafür, dass man keine Fernsicht hat. Gut, wir erkennen die Bergstation der Golden Pass Linie, aber mit der Sicht auf Genfer See und Alpen ist nix.  Danach geht es im lockeren Wechsel bergauf und bergab durch die Narzissenwiesen. Da sind sie schon, die Narzissen, etwa fünf Zentimeter schauen die Blätter  aus der Erde heraus, aber sie haben noch nicht mal Knospen. Aber eine gute Stunde später bietet das La Cha einen sehr schönen Ausblick: Wärme, etwas zu essen (die Aubergine hatten wir dummerweise im Auto liegen lassen. Außerdem ist das Picknickpotential einer rohen Aubergine nicht so hoch). Der Wirt kocht weitgehend mit dem, was er vor Ort hat und findet. Und der Anblick des großen Tellers Löwenzahnsalat mit Speckwürfeln, das nenne ich mal „schöne Aussichten“.

Während wir aßen, wurde das Schneegestöber immer dichter, so dass wir uns nur eine kurze Aufwärmpause leisteten. Danach ging es quasi nur noch bergab, umtanzt von Schneeflocken. Irgendwie bekam ich Lust auf Weihnachtslieder und Plätzchenduft. Letzter Punkt der Wanderung war ein Hochmoor, in dem es – angeblich? Bei besserem Wetter? Jedenfalls heute nicht – fleischfressende Pflanzen geben soll. Was es in Hülle und Fülle gab, war Wasser. Wiese, Moor, Wege, alles stand unter Wasser. Kennt ihr dieses Geräusch, wenn bei jedem Schritt das Wasser aus den Schuhen quatscht? Faszinierend, gell?

pleiades4Wandern ist, wenn man trotzdem lacht…

Auch darüber, dass der Holzsteg erst kommt, wenn die Schuhe durchnässt sind.

Wir setzen uns ins Auto, es hört auf zu schneien. Wir fahren los in Richtung Vevey, der Himmel reißt auf und die Sonne kommt heraus.

Ich denke, da muss Monsieur noch ein bisschen üben…


2 Kommentare

  1. Kleine Bärin sagt:

    Du hast die Fleischküchle vergessen … Wir haben im Gegensatz zu euch die Narzissenfelder da oben schon gesehen. Vielleicht suchenwir sie nächstes Mal zusammen. Unser Draht zum Wetter ist jedenfalls hier in Den Haag super.

    Gefällt mir

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