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Isch aaabe gar kein Pferd

Nein, ich habe eine Katze: kugelrund (das Meiste ist nur Fell, ehrlich!), weich und flauschig – eindeutig kein Pferd. Deshalb verwundert mich das Paket so, dass heute Morgen ankommt. Halt, falsch, das Paket, großformatig, aber leicht, wundert mich nicht. Es hat genau die richtigen Maße für den ***, den ich für *** ausgesucht habe. Gut, dass das Klebeband abwechselnd mit Tannenbäumen und Pferden verziert ist und den Schriftzug eines Reitsport-Ausrüsters trägt, ist etwas seltsam. Aber vielleicht ist den Leuten von Ama-dingens ja das Klebeband ausgegangen und sie haben die Kollegen um Hilfe gefragt. Ich öffne das Paket. Drinnen ist nicht der erwartete ***, sondern eine Pferdedecke mit der pompösen Bezeichnung „Schabracke Showmaster“. Viel zu groß für unsere Katze und dieses Burgunder-Lila ist so gar nicht ihre Farbe. Oben drauf liegt der Lieferschein, ausgestellt an Frau N.T. in P., 91er Postleitzahl. Ich stehe also da und sinniere, wieso diese Decke an mich geliefert wird, da sehe ich, dass neben einem großen fett gedruckten Colissimo-Aufkleber  mit meiner Adresse – vollständig mit Barcode usw, Absender: Deutschlands größter Weihnachtsgeschenke-Versender  –  in der anderen Ecke, eher klein und unauffällig, der Aufkleber für Frau T. – Absender: ein großer deutscher Reitsport-Ausrüster – klebt. Ich rufe die französische Hotline auf dem Lieferschein an und der Herr am anderen Ende seufzt nur. Ich sei nicht die Erste und sicherlich auch nicht die Letzte, die mit diesem Problem anrufe. Und erzählt diese Geschichte. Jemand, z. B. Frau N.T. aus P., bestellt beim deutschen Reitsport-Ausrüster ein Weihnachtsgeschenk. Der klebt auf das Paket den Adresszettel, mit Barcode usw.,  und die deutsche Post liefert dieses Päckchen brav bis an die deutsch-französische Grenze, wo es die Kollegen von „La Poste“ übernehmen. In deren Verteilerzentrum kommen die deutschen Pakete auf ein Förderband, ein Scanner liest den Barcode ab, gibt die Daten weiter an einen Drucker, der einen neuen Aufkleber ausdruckt und diesen auf das auf dem Band weiter wandernde Päckchen aufklebt. So wird aus einem deutschen Päckchen ein französisches Colissimo. In der Theorie. In der Praxis kommt es anscheinend häufiger vor, dass ein Päckchen so klein ist, dass es auf dem Band übersehen wird und der Aufkleber aufs nächste  oder – wie bei mir wohl – dass ein Paket so lang und groß ist, dass der Aufkleber des nächsten Päckchen schon mal schnell sozusagen aufs Hinterteil des vorhergehenden Pakets geklebt wird. Der Herr von der Hotline seufzt abgrundtief und bittet mich, mir den Domino-Effekt vorzustellen.

Am Ende der Schicht steht dann wohl ein französischer Postmitarbeiter da und wundert sich, wieso da ein Aufkleber zu viel oder zu wenig ist, aber nun sind all die falsch adressierten Päckchen schon in diesen kleinen gelben Autos unterwegs in Frankreich.

Der Herr seufzt wieder und fragt mich, ob ich so nett sei, das Paket an unsere Postbotin zurückzugeben. Natürlich bin ich, will ja schließlich nicht Schuld sein, dass ein Pferd kein Weihnachtsgeschenk bekommt.

Und dann trifft mich das wie ein Schlag: Irgendwo in Frankreich packt jetzt jemand das Geschenk aus, dass ich mit Liebe und Sorgfalt für *** ausgesucht habe. Wundert sich, fragt sich, wer, von wem, wieso und kommt vielleicht zu dem freudigen Ergebnis, dass seine Freunde, seine Familie ihm eine Überraschung bereiten wollten. Das ist die eine Seite.

Die andere ist natürlich sehr traurig: Ja, meine Vier, falls Ihr das hier lest: Eine/r von Euch wird dieses Jahr kein Weihnachtsgeschenk bekommen.

Und das liegt ausnahmsweise mal nicht daran, dass Ihr nicht brav wart.


2 Kommentare

  1. Cooketteria sagt:

    Die Schweizer Post kann da locker mithalten: Im November 2015 habe ich einen Kalender für Schwesterherz in GB bestellt. Weihnachten war vorbei, der Kalender immer noch nicht angekommen. Ende Januar beim Lieferanten reklamiert und ein paar Wochen später den Betrag zurückerstattet bekommen. Ende April 2016 kam der Kalender doch noch an. Adressierung war völlig richtig und der Zusatz SWITZERLAND kaum zu übersehen. Auf dem Paket prangten folgende Stempel: Schweizer Post – Empfänger unbekannt / Post Austria – Nicht zustellbar, Empfänger unbekannt / Post Australia – Nicht zustellbar, Empfänger unbekannt und mehrere unleserliche Zollstempel. Alle vom Dezember 2015! Warum das Paket angeblich nicht zustellbar war, dann über Österreich und Australien umgeleitet wurde und anschliessend noch 4 (!!!) Monate in einem Schweizer Lager versauerte, konnte mir niemand von der Post auch nur ansatzweise erklären….

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  2. Ha! Da hat es bestimmt eine Menge zu erzählen gehabt, das Paket! 😉

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