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Darf es ein bisschen Meer sein?

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Test – Test – Test

 

Tests im Dreierpack – und alle drei bestanden.

Der erste Test betraf das Organisationstalent unseres Planungsteams. Vorgesehen war ein Tag ohne Auto, dafür – damit uns nicht langweilig wird – mit verschiedenen ÖPNVs.

Der zweite Test sollte die Zuverlässigkeit eben dieser ÖPNVs überprüfen.

Und der dritte – und schwierigste – unsere Bereitschaft uns den vorgegebenen Rahmenbedingungen zu unterwerfen.

Was soll ich sagen? Testurteil: sehr gut.

 

Der Schwabe im Allgemeinen hat ja den Ruf, zur Sparsamkeit zu neigen. Das Schwäbische Meer hingegen zeigte sich uns gegenüber sehr großzügig. Blaue Weiten mit sonnigen Lichtreflexen, leichten Wellen und guter Laune im Überschuss. Gut, das ist sein Job, sozusagen. Aber es ist doch immer schön anzusehen, wenn jemand seinen Job mit echter Freude und Begeisterung macht.

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Erster Teil der Testreihe: Fähre von Uhldingen zur Mainau, problemlos. Gut, die Ticketkontrolettis auf der Mainau sind noch nicht ganz wach und mit anderem beschäftigt, aber wir dürfen auf die Insel. Also, die Blumeninsel. Mit ihren wunderschönen Blumenbeeten, makellosen Rasenflächen, Jahrhunderte alten Baumriesen und dem berühmten Rosengarten. Alles tadellos gepflegt und gehegt. Gönne ich ihm, den Grafen, wirklich, neidlos. Nur ganz fair finde ich das nicht. Ich vergleiche dann halt direkt mit dem Zustand meines Gartens. Der Herr Graf hat einen Garten, der 20 mal größer ist als der unsere. Wie gesagt, gönne ich ihm, ohne Probleme. Für den 20fachen Garten hat er allerdings die 70fache Gärtnermenge – und da hakt es halt. Wenn ich das jetzt mal umrechne – und nach Möglichkeit, ohne einen armen Gärtner durchzuschneiden – käme ich auf drei bis vier Gärtner für unsere Gartengröße. Ja, da hätte ich auch eine reelle Chance gegen den Giersch. Bliebe immer noch das Problem, dass meine Vorfahren leider nicht die Weitsicht hatten, sich vor ein paar Jahrhunderten eine Insel anzueignen. Da besteht Diskussionsbedarf, gebe ich zu.

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Die aktuellere Diskussion dreht sich um die Tatsache, dass Kindheitserinnerungen trügerisch sind. Diesmal geht es nicht um Zitronentörtchen, sondern um Palmenhäuser und Blumentreppen. Beides uns als großartig erinnert und erzählt, beides in der Realität nicht auffindbar. Schließlich stehen wir vor zwei Treppenstufen, die zu einem Brunnenbecken führen und unser Freund ist wirklich zerknirscht: so klein und mickrig soll sein erinnertes Highlight sein? Monsieur lässt das keine Ruhe, er dreht und wendet den Plan, geht ein paar Ecken weiter – und da ist sie dann, die mit Blumen geschmückte Treppe, mit dem Wasserlauf in der Mitte. Kindheitserinnerung gerettet. Mit den Palmenhäusern klappt das nicht, die wurden abgebaut, da hilft alles Drehen und Wenden nichts.

Weiter geht es zum Schmetterlingshaus. Und das ist reines kindliches Entzücken und Staunen. Natürlich verlieren wir Monsieur, bei der Fülle der zu fotografierenden Gaukler kein Wunder.

 

Aber irgendwann sind wir alle wieder draußen, jeder mit einer Fülle an „Hast du den gesehen?“-Begeisterung.

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Und dann kommt der etwas beängstigende Teil der Mainau: die killer ducks. Aus blühenden Blumen gestaltete Quietsche-Entchen, die selbst Jeff Koons Alpträume bereiten würden. Wir sind jedenfalls heilfroh, als wir an diesen monströsen Horrorvideo-Darstellern vorbei sind. Ebenfalls unbeschadet gelangen wir durch den Streichelzoo und den riesigen – und wirklich sehr schönen – Spielplatz und damit unmittelbar zu Testphase zwei: Bus nach Konstanz.

Der kommt pünktlich, hat auch Platz für uns und trägt uns über die Rheinbrücke in die Altstadt, wo wir bei der Haltestelle Konzilstraße aussteigen. Hier, verkünden unsere Planer, geht es zum Mittagessen im Brauhaus Albrecht und wir freuen uns. Bevor der Nachsatz kommt: nachdem wir das Münster besichtigt haben. Zut alors! Aber da müssen wir nun durch. Das Münster hat dann für alle etwas zu bieten: romanische Basilika, mittelalterliche Holzschnitzereien, scheußlichste barocke Altäre in den Seitenschiffen, wunderbare gotische Spitzenklöppelei in der Mauritiusrotunde und die wirklich einzigartigen feuervergoldeten Kupferscheiben aus dem 11. Jahrhundert in der Krypta.

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Nach der nun wohl verdienten Pause im Brauhaus lassen wir uns durch die Konstanzer Straßen und Gässchen zum Hafen mit dem Konzilsgebäude treiben. Das Gebäude kann leider nicht verleugnen, dass es sein Leben als Kauf- und Lagerhaus begonnen hat. Es ist beeindruckend als Ausdruck einer logistischen Meisterleistung des frühen 15. Jahrhunderts, aber mit der Eleganz der Konzilsgebäude von Trient nicht zu vergleichen.

 

Das Gebäude steht am Hafen, im Hafen steht die Statue der Imperia. Sie ist nicht das Denkmal für die 33 Kardinäle oder 346  Bischöfe des Konstanzer Konzils, von den 3000 Theologen und Äbten ganz zu schweigen. Nein, sie stellt eine der fast tausend frei schaffenden Damen dar, die für die work-life-balance der Kirchendiener sorgten. Die weltliche Seite war aber wohl um keinen Deut besser. Und so hält die stolz ihre Schönheit zeigende  Frauengestalt zwei kläglich in sich zusammengesunkene Figuren in ihren Händen: die eine mit Tiara, die andere mit Krone.

b1Wir haben etwas mehr Zeit als vorgesehen, die sich drehende Imperia zu bewundern. Zwar sind wir pünktlich am Steg, unser Schiff aber nicht ganz. Während wir noch ein bisschen durch die Hafenanlagen schlendern, sammeln sich hinter den Absperrseilen einige Hunderte, die auch übern See, übern See wollen. Das Schiff kommt und darauf auch wieder Hunderte, die in Konstanz aussteigen wollen, davon viele mit Fahrrädern oder Kinderwagen bewaffnet. Und das dauert nun.

Aber irgendwann sitzen wir oben unter einem Sonnensegel, eine freundliche junge Frau nimmt unsere Bestellungen auf und wir genießen noch einmal das sanfte Schaukeln und die Weite des Schwäbischen Meers, während unser Schiff von Konstanz nach Meersburg zur Mainau nach Uhldingen zickzackt.

Um halb acht bringt uns schließlich ein Taxi nach Meersburg zu einem Abend mit schwäbischen Spezialitäten und badischem Wein.

Was will man mehr?

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