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Was wollen Sie denn, Sie sind hier in Bayern!

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Jeden Morgen beim Frühstück beobachten wir das Ballett der Ausflugsschiffe. Wie sie über den See angerauscht kommen und vor der Hafeneinfahrt ausdauernd nebelhornen, um Standup-Paddler, Kanuten und kleinere Boote aus dem Weg zu scheuchen. Von unserer Terrasse gesehen aus ist da nicht mehr viel Platz zwischen Schiff und Hafenmauer rechts und links. Dann schiebt sich der Bug ziemlich passgenau in die rechte Hafenecke und der Austausch der Passagiere findet statt. Wenige Minuten später durchquirlen die Schrauben das Hafenbecken und das Schiff schiebt sich rückwärts in die Mitte, um dann da auf der Stelle zu drehen. Faszinierend.

Heute morgen stehen wir am Steg, als die „München“ sich in die Hafenecke schiebt und wenig später oben an Deck, als sie ihre Drehung vollführt. Die Fahrt nach Wasserburg ist recht kurz und erfüllt vom Schwäbisch der Familie hinter uns. Höhepunkt der schwäbische Triple: „Korbinian-le, komm Windel-le wechs-le!“

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Wasserburg selbst empfängt uns mit fast kitschiger bayerischer Postkartenschönheit, sogar der weißblaue Himmel ist perfekt. Die Zwiebelturmkirche überrascht mit barocken Deckengemälden von 1919. Ich hatte 1920er geschätzt, gar nicht so schlecht. Besonders hübsch sind drei Tafeln zu Bodensee-Gfrörnen, die sich mit viel Humor steigern. Die Erste berichtet um 1500, dass man zu Fuß über den See hätte laufen können, bei der zweiten um 1700 waren es dann schon Pferde und Fußgänger und die dritte in den 1960ern kann dann noch zusätzlich Rad- und Autofahrer anbieten. Sogar Flugzeuge wären von der Eisfläche gestartet. Es ist schwierig sich vorzustellen, wie man das bei einer vierten See- Gfrörnen in der Zukunft noch überbieten will.

Das kleine Kirchlein ist hübsch und schön kühl, aber doch recht klein. Zum Glück gibt es ja noch die Wasserburg selbst, die sich ganz unkriegerisch gibt und mit eine Terrasse direkt über dem Wasser lockt. Wir sitzen im Schatten unter einem großen Nussbaum und finden den Blick über den See viel interessanter als die Tafeln zur wechselhaften Geschichte, die sich hauptsächlich darum drehen, wer wem wann die Burg weggenommen hat. Endlich beschließen wir, hinüber zum Nonnenhorn zu schlendern und von dort – und nicht wie geplant von Wasserburg – die Rückfahrt per Bahn anzutreten. Das führt natürlich zu einem ungeheuren Zeitdruck, da das Bähnle dort ganze drei Minuten früher abfährt. Aber wir können mit Druck umgehen und unsere Zeitplanung ist so großzügig, dass sogar noch ein kurzes Bad im Bodensee drin ist – für die Messieurs, die daran gedacht hatten, Badesachen einzupacken. Wir Frauen können gönnen und bekommen als Belohnung ein besonders bizarr geformtes Stück Treibholz aus der „Brandungszone“ überreicht.

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Der Bahnhof von Nonnenhorn ist eindeutig schöner als der von Wusterlitz, aber ungefähr genauso belebt. Unsere Versuche, Fahrkarten zu ziehen, sind anfangs nicht von Erfolg gekrönt. Der Automat bestätigt uns, dass er zwar willens sei, aber erst mal aus seinem Schlafmodus (um 14 Uhr) hochfahren müsse. Als er nach einer Viertelstunde immer noch hochfährt und unser Zug sich langsam nähert, klopfen wir an der Tür des Bahnhofsvorstehers und schildern das Problem. Der meint nur: „Was wollen Sie denn, Sie sind hier in Bayern! Da läuft alles etwas langsamer!“, tritt aber an den Automaten. Und siehe da, als dieser die Stimme seines Herrn und Meisters hört, erwacht er tatsächlich zum Leben und wir können unsere Fahrkarten kaufen. Die zwei chinesischen Touristen, die unsere Aktion unauffällig aus dem Hintergrund beobachtet haben, dann auch.

Zurück bereiten wir uns auf eine Oper, die im heißen Sevilla spielt, im ebenfalls heißen Lindau mit einer echt spanischen Siesta vor. Der Rest ist wundervoll organisiert. Ab 18 Uhr gibt es im Hotel das Operndinner. Um 19:30 bringt uns das Opernschiff ohne Stau- und Parkplatzsorgen direkt an die Seebühne, kleiner Willkommensdrink inklusive. Und nach der Oper natürlich auch wieder zurück. Im Zimmer lagen bei unserer Ankunft schon Tragetaschen mit Sitzkissen bereit. Auch das mit dem Wetter scheint ganz gut zu klappen. Ganz kleines Gewitterrisiko bleibt bestehen. Ich glaube, ich werde die 3 Euro in einen Regenponcho investieren. Sicher ist sicher!


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