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Steile Lernkurve

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Ja, manchmal geht das ganz schnell. Von Null – ich weiß praktisch nichts über Neuenburg – auf hundert – ich bin mir 100% sicher, dass ich da nicht noch einmal hin möchte – in einem Vormittag.

Eigentliches Ziel ist das Latenium. Und auch das – muss ich sagen – ist etwas enttäuschend. Gut, dass ein archäologischer Park, idyllisch an einem Seeufer gelegen, bei 13° und Dauerregen nicht seinen ganzen Charme entfalten kann, ist uns schon bei der Anreise klar. Dabei habe ich den – laut Wetterbericht – einzigen trocknen Tag der Woche ausgewählt. Trocken ab elf Uhr. Deshalb beunruhigt mich der Regen beim Abfahren nicht richtig. Aber dann befragt Monsieur seine Lebensgefährtin und die verkündet mit unverhohlener Schadenfreude den Durchzug einer Regenfront inklusiver der gerade über oder vor uns zu erwartenden Wassermassen. Richtig fies finde ich, dass Monsieur es sich nicht nehmen lässt, dann auch noch Informationen wie „Lyon, strahlend blauer Himmel“ weiter zu geben. Wen interessiert so was?

Am Museum kommen wir fast nicht nass an, links die Cafeteria, rechts die Kasse. First things first. Und so stehe ich neben der Kuchentheke, als ein kleiner Junge auf diese zustürzt, die Arme ausbreitet, auf die Glasscheibe legt und voller Entzücken ausruft: „Und all das darf ich essen?“ – „Nein, nur ein Stück davon!“ sagt sein großer Bruder. Rumms! Ende Entzücken.

n6Das Museum empfinde ich als hochwertige Mogelpackung. Warum nennt man es Latenium und verkauft einem dann einen Trip 5000 Jahre rückwärts? Wenn ich in ein Latenium gehe, brauche ich keine romanischen Kapitelle, Burganlagenmodelle und schon gar nicht römische Grabmäler.  Der Teil der Ausstellung, der sich mit der Latene-Kultur befasst, ist dann entsprechend klein. Darunter ein wirklich faszinierender Menhir mit menschlichen Zügen.

Aber bevor man wieder zum Ausgang darf, muss man sich noch einen Plastikhöhlenbären und seine Handvoll Zähne anschauen.

Als Museum zur Besiedlungsgeschichte des Neuenburger Sees ist die Ausstellung sicher interessant in ihrer Vielfältigkeit, auch für Kinder im Museum (s.o: Sommerferien bei 13° und Dauerregen) gibt es viele Angebote. Nur ich, ich bin enttäuscht und etwas verärgert. Am meisten aber mit mir selbst, dass ich auf einen berühmten Namen hereingefallen bin und mich vorher nicht ausreichend informiert habe.

 

Naja, und mit so einer Laune geht es dann nach Neuenburg selber. Im leichten Nieselregen durch die Stadt. Die Straßen sind leer und unbelebt, natürlich niemand in den Straßencafés. Wir laufen hoch zur Burg, ja, ganz nette Aussicht.

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Vor der Kollegiale auf dem Burgplatz stehen zwei Bänke, auf die angeblich Herr Balzac schon seinen Literatenpopo gesetzt hat. Aber die sind jetzt klatschnass und ich habe meinem Popo nicht das literarischen Vergnügen gegönnt, mit Herrn Balzacs Bank Bekanntschaft zu machen.

Natürlich gibt es hübsche Straßen und Ecken in der Stadt, und tolle Schokoladenläden. Trotzdem springt da irgendwie so gar kein Funke über, als wir durch die Stadt laufen.

 

Da seufzt Monsieur und schaut seine Frau an: „Jetzt müssen wir sicher noch nach Romainmôtier?“

Und wisst Ihr was: und in Romainmôtier scheint die Sonne.

 

 

 

 

 


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