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Da könnten wir doch

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… 397, 398, 399 und wenn ich mich jetzt verzählt habe, muss ich alle 400 Treppenstufen wieder hoch und von vorne anfangen. Khndzoresk ist unser Ziel, eine Höhlenstadt, mal wieder, aber lauft nicht weg, diese ist anders. Der „normale“ touristische Ansatz ist es, die oben erwähnten 400 Stufen hinunter zu steigen, eine recht wackelige Hängebrücke zu überqueren, drüben in ein paar Höhlen zu schauen, noch einmal unter Aaah und Oooh über die Drahtgitter zu laufen und sich dann an die 400 Stufen aufwärts zu machen. Hört sich anstrengend an und ein bisschen langweilig. Während wir oben am Ausgangspunkt stehen, kommt mir eine andere Idee. Das Dorf auf der anderen Seite liegt wie eine Kartenskizze vor uns. Wir sehen die Häuser, wir sehen die Pfade, wir sehen einen befahrbaren Feldweg und auf der Hochebene etwas, das wie ein moderner Bauernhof wirkt. Da könnten wir doch… Ein bisschen Wandern, ein bisschen Entdecken und deutlich mehr Spaß als stur 400 Stufen hoch zu latschen. Monsieur ist begeistert und verblüfft. Dass ich freiwillig einen Berg hoch gehen mag, das hat er noch selten erlebt. Soren sieht das Ganze pragmatisch. Er weiß, wo er auf der anderen Seite hin fahren muss: „Bis in zwei Stunden dann!“

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Und so beginnen zwei magische Stunden im verlassenen Khndzoresk. Die Höhlen sind wohl schon seit Urzeiten bewohnt, das Dorf war eine Station der Seidenstraße. Im sehr liebevoll eingerichteten, aber winzig kleinen Museum – eben eine Höhle – am „Touristenende“ der Brücke sieht man neben Alltagsgegenständen auch Fotos von Anfang 1920. Kamelkarawanen vor Höhlenstraßenzeilen, Höhlenbehausungen mit russisch angehauchten Balkonen davor, eine alte Frau, die mit Hilfe  einer Strickleiter in ihre Höhle im „zweiten Stock“ klettert, Bilder, über denen eine wunderbare Stimmung  schwebt. In den 1960ern versuchte die sowjetische Regierung die Menschen aus Sicherheitsgründen umzusiedeln. Einige gingen, viele blieben. Als aber die wenigen später in das Dorf zurückkamen und von Wundern wie fließendem Wasser und Strom erzählten, brachen immer mehr Bewohner ihre Holzterrassen ab, um sie dann vor ihren neuen Häusern in Neu- Khndzoresk wieder aufzubauen.

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Die verzauberte Atmosphäre auf dieser kleinen Wanderung (knapp anderthalb Stunden, darin etwa 20 Minuten hin und zurück, weil ein Pfad vor der Canyonwand endet) braucht keine Worte. Genießt Monsieurs Bilder!

 


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