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Spielplatz

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Fehlt nur noch, dass Monsieur mir ein Schäufelchen in die Hand drückt und sag: „Dann geh mal schön spielen!“ Wobei der Spielplatz eine riesige Wind umtoste Hochebene ist. Darauf ein paar „standing stones“ mit – vielleicht – Himmel-guck-Löchern und jeder Menge von Menschenhand geschaffenen Strukturen.

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Wir sind in Zorats Karer, dem Platz der Steinarmee, einer 4000 Jahre alten Begräbnisstätte.

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Für die einen. Für die anderen ist es Karahunj, der Stein-Henge, und ein 7000 Jahre altes Observatorium. Für die einen dienen die Löcher in den Steinen einfach zum Transport der Steine rund um einen – schon lange geplünderten – Steinzeitgrabhügel. Für die anderen ist der Hügel ein Tempel und die Löcher lenken natürlich die Sonnenstrahlen zu einem ganz bestimmten Tag zu einem ganz bestimmten Ziel. Zu den einen gehören Archäologen und Historiker, zu den anderen gehören namhafte Astrophysiker – und die gesamte armenische Tourismusindustrie. Zum Leidwesen der Archäologen wird der Ort inzwischen massiv beworben, aber nur minimalst geschützt.

Ich lasse die anderen Besucher, die Schulklassen und auch Monsieur hinter mir und streife durch das Gelände, weit weg vom Haupttrampelpfad entlang der Löchersteine.

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Gehe vor bis zum Rand der Hochebene und wage einen Blick in den Canyon darunter. Erkenne hier eine kreisrunde Struktur, ganz sicher ein uralter Sonnentempel, sehe dort zwei Mauern im rechten Winkel, bestimmt die Residenz des Sonnenpriesters. Entdecke da hinten zwei hochragende Basaltblöcke, ganz offensichtlich die Deckplatten eines Fürstengrabs, von Grabräubern aufgebrochen, um an die sagenhaften Schätze zu kommen. Und bin glücklich.

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Monsieur hingegen ist unglücklich. Nicht mit mir oder mit Zorats Karer. Mit der Seilbahn Tatev Wings. Soren bringt uns zur Bergstation und da stehen wir vor großen Plakaten, die nicht nur die Daten aus dem Guinessbuch der Rekorde (Längste Doppelseilbahn der Welt) verkünden, sondern auch, dass diese Bahn die 16 km mit 32km/h in zwölf Minuten zurücklegt. Und das macht Monsieur unglücklich, denn das geht nicht. Er rechnet und rechnet und wird ganz wuschig. Bevor es zu schlimm wird, kann ich ihn zum Glück ablenken (ich habe da so meine Tricks) und bald darauf kommt die Seilbahn.

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Die Bahn fährt 40 Personen vom großzügig angelegten Tatev Wings Gelände mit Busparkplätzen (Soren fährt uns später vom Kloster aus über die offizielle Zugangsstraße hinunter ins Tal. Diese Straße ist eine einzige Aneinanderreihung von Argumenten für den Busparkplatz und die Seilbahnstation), Restaurants und Aussichtsterrassen (5 Adler! Gleichzeitig!) über zwei Canyons zur Talstation oberhalb des Klosters. Dazwischen kommen zwei oder drei Pylone und an jedem Pylon ein Schaukeln und ein Kreischen von seitens einiger Mitfahrerinnen. Das Ganze dauert elf Minuten und das ist eine lange Zeit, um sich Gedanken über die Zuverlässigkeit der Anlage zu machen.

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Tatev ist Kloster und Bischofsitz gewesen, so dass für mich hier die Außenanlage interessanter ist als die Kirche. In den Fels geschlagene und dann aufgemauerte Wohn- und Arbeitsräume mit zum Teil schwindelerregenden Ausblicken ins Tal darunter. Küchen und Weinkeller, Refektorium und Lesesäle mit – zu meinem Leidwesen – sehr niedrigen Türstürzen. Und mit einer skurrilen Wackelsäule. Der Kreuzstein auf der Spitze steht in einem sehr prekären Gleichgewicht. Angeblich würde der Stein wackeln, wenn eine berittene Armee sich Tatev nähert.  Mangels dieser können wir das aber leider nicht austesten.

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