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Oppa erzählt vom Kriech

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Monsieur und Soren tauschen Erinnerungen aus. Klingt ein bisschen wie “ Oppa erzählt vom Kriech“. Es ist etwa zwanzig Jahre her, dass Monsieur zum ersten Mal nach Armenien flog – und es fast nicht schaffte. Das Flugzeug musste in Tiflis notlanden, weil die Airline schlichtweg nicht genug Devisen hatte, um den Flieger in Genf vollzutanken. Die Konferenz fand auf dem Aragat statt, in einem Forschungszentrum der Universität Yerewan. Die Bedingungen müssen hart gewesen sein: Jugendherbergskomfort mit Sammelduschen, die aber nur mit kaltem Wasser, das ganze im April bei winterlichen Verhältnissen auf 2400 m Höhe. Tagsüber wurde diskutiert und abends gab es Wodka als Frostschutzmittel. Soren lacht und steuert seine Geschichte bei: Er war mit einer seiner Outdoor/Offroad-Gruppen im Juni auch auf dem Aragat von einem Schneesturm überrascht worden und konnte sich mit Müh und Not in eine Art Schullandheim retten. Dort waren sie zwar vor dem Zorn des Wetters sicher, nicht aber vor dem der Herbergsleiterin, die ihnen mit barschen Ge- und Verboten das Leben so schwer machte, dass Soren nur von „Sowjet style jail“ spricht. Ich finde diese Geschichten sehr ermutigend, denn wir sind genau auf dem Weg dorthin. An den Hängen des Aragat sollen wir unsere letzten Tage in Armenien verbringen. Zwar verspricht die Hotel-Homepage Pool und Spa, aber ich habe in den letzten Wochen gelernt, wie trügerisch Internetbilder sein können. Diesmal ist es umgekehrt, das Hotel hält mehr als es verspricht. Zwar entgeht mir nicht die feine Ironie, dass keines der Häuser, in denen wir bei Temperaturen von 30° bis 35° übernachteten, einen Pool hatte, dieses hier dafür bei 14° mit einem Outdoor-Pool lockt. Und Liegestühlen. Wenn die jetzt noch bunte Cocktails mit Schirmchen servieren – würde ich mich trotzdem nicht da hinlegen wollen – brrrrr. Bleibt zum Glück das Hallenbad mit Sauna. Aber erst nach der Wanderung.

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Soren fährt uns hoch zum Kari-See auf 3100 m. Monsieur kennt das Physik-Institut hier, heute mit kosmischer Strahlung befasst, noch aus alten Zeiten. Von dort wollen wir – halt, nein, will Monsieur zum Kraterrand des Aragat hochsteigen. Mit dem einfachen Argument, dass er schauen möchte, wie es auf der anderen Seite aussieht. Eine knappe Stunde, bis 3280 m, halte ich mit, in strahlendem Sonnenschein, aber eisigem Wind. Die weiteren 124 Höhenmeter schenke ich ihm. Wörtlich. Wir haben nämlich heute 36 Jahre Liebe, Respekt, Sturheit (wenn auch nicht immer in dieser Reihenfolge) und haben gelernt, dass man nicht immer alles zusammen tun muss. Monsieur freut sich, dass er weiter bergauf stapfen darf, ich freu mich, dass ich bergab stapfen darf.

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Allerdings nicht ganz, denn ich wähle mir meinen eigenen kleinen Gipfel. Der ist schon ein bisschen gespenstisch mit seiner Kombination aus armenischen Kreuzen, einem Turm mit Glöckchen, darunter eine eisenbeschlagene Kiste mit Gebetbüchern und Heiligenbildchen. Und drum herum Dutzende von Steinpyramiden, von ganz kleinen bis zu über vier Meter hohen. Meine Phantasie scharrt schon wieder mit den Hufen und kaut am Zügel. „Schamanen“, flüstert sie mir zu, „uralte geheiligte Stätte, geheime Rituale, Opfer, Feuer…“ Meine Vernunft klopft ihr beruhigend auf die Flanken. „Sommerstudenten“, hält sie dagegen, „Langeweile…“ und „Was soll man hier oben denn sonst tun?“ Trotzdem ist es schon ein sehr spezieller Ort und ich freue mich, diesen kleinen Umweg genommen zu haben.

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Monsieur und Soren kommen zurück, voller Begeisterung über den riesigen Kraterschlund, der sich ihnen eröffnet hat.

Amberd, Burg und Kirche, sind dann so etwas wie touristisches Pflichtprogramm im Anschluss. Es drängt uns nicht wirklich, aber wo wir halt schon mal hier oben sind und es im Auto nach dem eisigen Wind so gemütlich ist…

Also, das ist die Kirche

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und wenn Ihr Euch jetzt mal umdreht…

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Zurück im Hotel gibt es natürlich Sauna und Schwimmbad. Nachher ein romantisches Abendessen und dann schauen wir mal, was der Tag sonst noch so bringt…

 

 

 

 


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