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Sozialneid?

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Man muss auch gönne könne, wie der Kölner sagt. Kann ich, ganz besonders dann, wenn das Objekt des potentiellen Sozialneides so sagenhaft hässlich ist, dass einem der „arme“ russische Oligarch, der 390 Millionen Euro dafür ausgegeben hat, schon fast wieder leid tun kann. Eigentlich sollte auf dieser Wanderung vom Bad der Aphrodite aus zur Fontana Amorosa ja die Natur das Objekt der Bewunderung sein, aber die „A“ lenkt dann doch etwas ab. Nicht nur uns, fast alle männlichen Wanderer sind am knipsen. Je nach Persönlichkeit nur die Yacht oder Selfie-Style sich selbst direkt vor der Yacht.

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Da das Schiff drei Buchten weiter liegt, haben wir wandernd und lästernd jede Menge Zeit uns Gedanken darüber zu machen, dass auch ein Philippe Starck gelegentlich mal so richtig schön daneben haut. Irgendwie sieht die Yacht abweisend grau aus, eine Mischung aus Panzerkreuzer und Gefängnisschiff. Die Außenhaut wirkt wie billiges Alu-Imitat. Nur die drei Masten, die haben etwas! Dann erleben wir ein tolles Schauspiel, als wir uns zwei Buchten weiter zum Picknick hinsetzen. Eine Luke entlässt ein Beiboot, einen grauen Katamaran, der – falls das überhaupt möglich ist – noch hässlicher als das Schiff ist. Der Katamaran hält Kurs auf die vorletzte Bucht, wo Bedienstete – nehme ich an – erst mal den Sand glatt rechen, bevor mehrere Strandbetten und ein Pavillon aufgestellt werden. Das finde ich schon sehr beeindruckend, welch ein Aufwand da betrieben wird. Anschließend gehen Vater, Mutter und drei kleine Kinder an Land und vergnügen sich im und am Meer. Allerdings dauert das Ganze nicht lang. Auf dem Rückweg, etwa 45 Minuten später, sehe ich das Boot die Passagiere wieder zum Schiff bringen: „Mamaaaaa, mir ist langweilig!“ oder „Hier gibt’s ja noch nicht mal Internet!“ Da bremst der Katamaran auf halber Strecke ab, wendet und braust zurück zum Strand. Ich hoffe mal, dass sie nur ein Schmusetier und nicht ein Kind vergessen haben.

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Wenn man sich nicht von der „A“ ablenken lässt, gibt es eine Menge zu sehen. Der Weg geht über die Akamas-Halbinsel, die angeblich Naturschutz-Paradies ist. Das erste, was mir bei dieser Wanderung durch paradiesische Natur einfällt, ist die Schlange. Hier in Form und Gestalt der „Jeep-Safari“-Touristen, die die Zwei-Stunden-Wanderung zur Fontana Amorosa durch ein halbstündiges Gebrettere über den Wanderweg abkürzen. Zu acht in einer Blechkiste über holprige Wege geschleudert zu werden, ist eine seltsame Art Spaß zu haben. Wir machen das Ganze zu Fuß, was trotz relativ ebener Strecke doch ganz schön anstrengend ist. Da kommt mir am Ende das Bad der Aphrodite gerade recht. Es liegt nicht, wie ich erwartet habe, in einer Meeresbucht, es ist eine kleine Quelle in einer Höhle, dicht umwachsen mit den Luftwurzeln der Bäume drumherum. Die Ausstrahlung wird doch etwas getrübt durch die ganzen Schwimmen-und-Baden-Verboten-Schilder, die mir nicht erlauben, auch nur einen Fuß in das angeblich verjüngende Wasser zu setzen. Dafür gibt es direkt daneben einen kleinen Quellsprudelstein, an dem ich mein Gesicht ausgiebig benetze. Hat toll gewirkt, nicht wahr?

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