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Alles unter Dach und Fach

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Eigentlich erstaunlich, wie schnell sich in Zypern Staus bilden, selbst in kleinen Ortschaften. Meist hinter meinem Auto. Ab und an fahre ich dann links an den Rand und lasse die anderen vorbei. Ganz ehrlich, wenn ich so in Genf vor mir her fahren würde, würde ich mich selbst in den Wahnsinn treiben. Denn entgegen meinen sonst eher französischen Gepflogenheiten fahre ich hier sehr langsam, ganz vorsichtig, halte an jedem Stoppschild und kontempliere die Lage. Linksabbiegen kann ich schon richtig gut, nur mit dem Rechtsabbiegen, das muss ich noch üben. Hier halte ich mich dann an positives Denken und an Dustin Hoffmans Rainman: „Ich bin ein ausgezeichneter Fahrer!“ Insofern ist es schon eine gute Leistung auf der Suche nach kleinen Schätzen durch das Troodos-Gebirge gekommen zu sein. Unbeschadet. Auch wenn das zum Schluss knapp war.

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Die Scheunendach-Kirchen des Troodos-Gebirge sind so etwas wie Mansplaining auf nationaler Ebene. Angeblich sollen die fränkischen Kreuzritter den hiesigen Anwohnern klar gemacht haben, dass man im kalten Wetter des Gebirges, immerhin kommt der Olympos auf knapp 2000 Meter, ordentliche, steile Dächer braucht. Dächer wie zu Hause bei Kreuzritterns halt. Die Einheimischen, die sich wahrscheinlich nicht zu Unrecht sagten, dass man mit einer bis an die Zähne bewaffneten Blechbüchse nicht argumentieren sollte, nickten und begann Dächer zu bauen. Dächer über die Kirchendächer, über die Seitenkapellen, über die Kuppeln. Und wo wir gerade so schön dabei sind, warum dächern wir nicht auch noch den Kirchturm ein?

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So entstehen kleine Kirchlein mit einer ganz besonderen Ausstrahlung. Und einem ausgesprochen positivem Nebeneffekt: Das Dach über dem Dach wirkt wie eine Isolierung und schützt die Fresken im Inneren vor eindringender Feuchtigkeit oder Kondensierungsnässe.

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Die Fresken sind zwar vom Thema her in allen Kirchen sehr ähnlich, aber die Ausführung variiert stark. Es gibt über 1000 Jahre alte, halb verblasste, es gibt „neue“, weil dann doch das Dach des Mittelschiffes eingestürzt war und man nach der Reparatur alles neu ausmalen musste, in diesen modernen leuchtenden Farben des 16. Jahrhunderts.  Es gibt die, deren Künstler eindeutig schon mal in Italien gewesen war und die, bei der der Maler, statt Hintergründe zu malen, einfach kubistische Würfel übereinander stapelte.

Allen gemeinsam: Pferde können sie einfach nicht.

 

Fische scheinen auch nicht zu den Kernkompetenzen gehört zu haben. Ja, ich weiß, der Wal ist kein Fisch. Aber trotzdem: mit Fell? Und schaut Euch mal den kleinen Kerl ganz unten rechts an!

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Die Scheunendach-Kirchen des Troodos-Gebirge heißt aber auch mehrere hundert Kilometer auf kleinsten Straßen, steil in die Hänge des Gebirges gefressen. Was das Gebirge wohl sehr übel nimmt, es schmeißt mit Steinen. Zwar nicht allzu großen, aber so einen mittlerer Steinschlag in einer unübersichtlichen Kurve auf der Fahrbahn vorzufinden, ist unangenehm. Macht mir auch sehr plötzlich klar, dass ich seit einer halben Stunde das einzige Auto auf diesem Sträßchen bin und natürlich keine Ahnung habe, was ADAC auf zypriotisch heißt. Dafür werde ich mit einem querenden Mufflon belohnt, dass genau diese steilen Abhänge einfach hochspringt.

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Diverse Bergspitzen sorgen dafür, dass ich mehrmals den Sonnenuntergang sehen darf, bevor ich im Dunkeln vor der Schranke vor unserem Hotel ankomme. Bis jetzt habe ich es erst einmal geschafft, den Rufknopf zu erreichen, ohne aussteigen zu müssen. Beim ersten Mal habe ich mich der Länge nach flach gelegt. Blöder Linksverkehr! Mit der rechten Hand wie gewohnt die Handbremse angezogen und dabei stattdessen den Hebel zum Sitze-umlegen erwischt. Passiert mir heute Abend nicht, mit links die Handbremse angezogen. Aber wohl nicht fest genug, denn das Auto setzt sich beim Aussteigen in Bewegung und rollt auf die Schranke zu. So schnell bin ich noch nie eingestiegen. Die Motorhaube vor der Schranke haue ich auf die Bremse. So weit kommt es noch! Dem Troodos-Gebirge mit seinen Kurven und Steinschlägen getrotzt und jetzt das Auto an die Schranke setzen.

So, Monsieur hat irgendetwas Offizielles heute Abend und ich schaue jetzt mal, was der Zimmerservice zu bieten hat.

 

 


2 Kommentare

  1. Quitte sagt:

    Paonia, ich find die Pferde süß! Gibts davon ne Postkarte? 🙂
    LG Quitte

    Gefällt mir

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