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Mein lieber Schwan

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Die Konferenzexkursion ist Aphrodite gewidmet, in Zypern fast unausweichlich. Wir fahren zum Heiligtum in Kouklia. Von den über 3000 Jahre alten Tempelanlagen steht nur noch wenig. Die Kreuzritter betrieben ihre eigene Art von Recycling und nutzten die Steine der Tempelruine, um ihre Burg damit zu erbauen. In dieser Burg ist dafür heute ein Museum, das ausschließlich Fundstücke aus dem Tempelbezirk zeigt. Manchmal hat das Leben einen feinen Sinn für Ironie. Der Stolz des Museums sind ein farbig gestalteter Fries auf einem Sarkophag, jener schwarze Aphrodite-Stein und ein Mosaik. c5Den Stein, auf den ich so gespannt war, finde ich ein bisschen enttäuschend. Berühren darf man ihn nicht und es steht auch immer einer da, der aufpasst. Er hat keine „tithiclos“ oder für mich erkennbaren menschlichen Gestaltungsversuche. Vielleicht kommt seine glatte Oberfläche nicht vom Wirken der Wellen, sondern von den Tausenden von Händen, die ihn ehrfürchtig berührt haben, aber für mich springt da nichts über, sehr schade. Es ist ein großer schwarzer Stein, schön sanft gerundet, wie er so zu vielen am Meer liegen kann.

 

Das Mosaik, das ist nun etwas ganz anderes. Es zeigt Leda und den Schwan und gehörte in eines der Häuser beim Tempel. Dort konnte man es nach der Ausgrabung auch in situ besichtigen. Bis zwei Kleinganoven auf die Ideen kamen, es zu klauen. „Liegt ja eh nur da ‚rum“, war wohl der Ansatz. Da Zypern aber eine kleine Insel ist, wussten relativ schnell relativ viele Menschen, dass und auch wer das Mosaik gestohlen hat. Was die Arbeit der Polizei natürlich sehr erleichterte. Heute hängt das Mosaik gerahmt als Prunkstück im Museum und wir können die ebenso prunkvolle Rückenansicht der gerade dem Bade entstiegenen Leda bewundern. Außer einem locker um die Schultern gelegten Schal trägt sie nichts, was die Ansicht stören könnte. Von rechts kommt der lüsterne Schwan angetrappst. Ich kann – will – mir nicht vorstellen, was Leda bei dieser gefiederten Anmache gedacht und gefühlt hat. Und was dann passiert, ist auch nur schwer in Worte zu fassen. Wie soll man es beschreiben, wenn eine Frau mit Vögeln …, jedenfalls bleibt es nicht ohne Folgen. Und nun kommt der Teil, der noch schwerer zu akzeptieren ist: Leda gebiert, legt, bekommt zwei Eier, aus denen schlüpfen, entspringen, kommen – ich finde es wirklich schwierig, die rechten Worte zu finden – drei Kinder. Aus dem einen Ei die Zwillinge Kastor und Pollux und aus dem anderen Helena. Ja, genau die Helena, die später nach Troja heiratete und damit der Grund ist, warum wir in der Schule mit Homers Ilias gequält wurden.

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Am Ausgang der Museumsburg steht dann ein Tisch mit lokalen Produkten. Zum einen ein klarer Tresterschnaps, der von der lokalen Bevölkerung in Konzentrationen von bis zu 90% Alkohol gebraut wird, den sie dann aber auf mindestens 52% verdünnen müssen, um ihn legal verkaufen zu können. Der Schnaps sei angeblich gut für und gegen alles. Zur Not könnte man auch Wunden damit desinfizieren und Fenster putzen. Na danke! Daneben stehen Proben des lokalen Süßweins „Commanderia“ und allerlei Süßes: Nuss-Sesam-Honig-Krokant, etwas Tschutscharella-Ähnliches auf Carob-Basis und Teller mit Nüssen, Mandeln und Rosinen. Der Alkohol wird in winzigen Bechern angeboten, daneben gibt es Gläser mit Wasser für die, die so früh am Nachmittag keinen Alkohol trinken wollen. Doch irgendwie tauchen plötzlich in den Händen der jüngeren Teilnehmer Wassergläser voll Commanderia auf, was den Job der Reiseleiterin, unsere Gruppe wieder zum Bus zu treiben, nicht leichter macht.

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Der nächste Stopp ist am Petra to Romiou, dem Felsen der Aphrodite. Angeblich wurde die Göttin nur mit etwas Schaum bekleidet hier, auf einer Muschel stehend, an Land getrieben, was sie wahrscheinlich zur ersten Surferin der Weltgeschichte macht. In weiser Voraussicht werden wir allerdings nicht an den Strand gelassen, sondern zu einem Aussichtspunkt auf den Klippen oberhalb der Bucht. In sicherer Entfernung erzählt uns dann die Führerin, dass man sich total verjüngt, wenn man dreimal um den Felsen herumschwimmt. Um Mitternacht, gegen den Uhrzeigersinn, bei Vollmond. Nun haben wir fast Vollmond, aber ich möchte das trotzdem nicht. Ich z.B. habe erst relativ spät schwimmen gelernt. Was wäre, wenn mich der Verjüngungsprozess so verjüngt, dass … Ach, da stehe ich lieber zu meinem Alter!

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Am Ende so einer Exkursion gibt es meist zur Belohnung ein gemeinsames Essen. Dieses findet in einer urigen Kneipe in einem bildhübschen Dorf in den Bergen statt. Mezze um Mezze werden aufgetragen, irgendwann erscheinen zwei Musiker und dann bricht zypriotische Lebensfreude über uns herein. Die Musiker sind so mitreißend, dass die fünf jungen Mädels, die eigentlich bedienen sollen, zu tanzen anfangen. Den Kellner passt das natürlich nicht so recht, es gibt Blicke und Worte. Die Mädels aber holen sich Rückendeckung beim Chef, der aufmunternd nickt, und dann Verstärkung aus dem Publikum.

Ich wette, da gibt es jetzt eine Menge Youtube-Videos.

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Bitte schön: das Pferd des Tages


2 Kommentare

  1. Quitte sagt:

    Das war bestimmt ein toller Abend, da wär ich gern dabei gewesen.
    Danke, für das schöne Pferd.
    LG Quitte

    Gefällt mir

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