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Ein kleines Start-up

Irgendwo muss er sein. Wir müssen nur in unserer Ahnenlinie weit genug zurückforschen, dann finden wir ihn. Einer unserer ganz, ganz entfernten Vorfahren war ein nordischer Regengott. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass wir den Regen fast magisch anziehen.

Habe ich dies erst einmal akzeptiert, eröffnen sich natürlich Möglichkeiten. Ich denke da so an ein kleines Start-up im Dienstleistungsbereich: Ihr Garten ist schlapp und ausgetrocknet? Laden Sie uns für ein paar Tage ein. Kost und Logis und eine gewisse Aufwandsentschädigung… Oder auf einer anderen Ebene: Sie fürchten die Waldbrandgefahr in Ihrer Region? Wir machen eine Woche Ferien bei Ihnen, zu den gleichen Bedingungen wie oben. Das alles ist jetzt noch sehr unspezifisch, aber wenn wir unsere spezielle Begabung erst einmal wirklich beherrschen, könnten wir noch präzisere Angebote machen. Sie planen eine Hochzeit, eine Familienfeier in Ort A? Wir mieten uns für Sie in Ort B ein und ziehen den Regen dorthin. Ja, ich sehe die Möglichkeiten. Allerdings auch die moralische Verantwortung. Wir würden uns nie, nie hergeben für den Plan, an der Hochzeit der besten Feindin teilzunehmen. Nein, auch nicht für viel Geld! Da haben wir unsere Prinzipien!

Noch lieber wäre uns aber, dass der Regen uns mal in Ruhe lässt. Selbst der schönste Hotelstrand ist bei Dauerregen unattraktiv und der traumhafte Blick durch die Glasfront unseres Zimmers zeigt leider nur allzu deutlich die Misere. Wir packen zum letzte Mal in Zypern und überlegen, ob wir es schaffen, die Koffer in unser auf der anderen Straßenseite geparktes Auto zu laden, ohne von Kopf bis Fuß durchnässt zu werden. Kommen zu dem Schluss: nein.

Selbst die rosafarbenen Pinguine, die plötzlich zur Rechten im Salzsee auftauchen, sind durch den Regen nur als blassrosa Schatten zu erkennen. Sie wirken auch nicht richtig glücklich.

Wir fahren auf den Mietwagenparkplatz und der Regen hört schlagartig auf. War ja klar.

Dafür kommen wir in Genf an und steigen im Trocknen zu unserem Freund ins Auto. Wir wundern uns, sollte der Regen nicht mitbekommen haben, wo wir sind? So etwas wie Hoffnung steigt auf. Sie hält  – bis wir ein paar Kilometer vor unserem kleinen gallischen Dorf in eine massive Regenwand fahren.

„Komisch“, sagt unser Freund, „bis gestern haben wir schönstes Herbstwetter gehabt.“


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