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KLeiner Ausflug nach Ägypten

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„Und? Was gibt es in Paphos so zu sehen?“, fragt Monsieur nach der closing session und schaut seine Reiseplanerin erwartungsvoll an. Bisher hat er nämlich nichts gesehen außer der Strandpromenade. Die Vorträge hören um halb sieben auf. Zu dieser Uhrzeit ist es seit einer Stunde stockfinster und alle Sehenswürdigkeiten seit anderthalb Stunden geschlossen. Bleibt nur der touristische Kram, Spaziergänge entlang der Strandpromenade oder zum Hafen unter Vermeidung der allzu offensichtlichen Touristenfallen. Selbst das ist nicht ganz einfach, denn wir leben sozusagen antizyklisch. Monsieur sitzt von 9 – 18:30 (mehrere kleine Kaffeepausen eingeschlossen) in Vorträgen und freut sich darauf, abends los zu laufen und etwas von der Gegend zu sehen. Ich laufe den ganzen Tag durch die Gegend und freue mich darauf, abends einfach mal still zu sitzen und der Welt beim Welt-sein zuzuschauen. Da gibt es Kommunikationsbedarf.

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Im Falle Paphos ist die Frage aber einfach zu beantworten, da hat die UNESCO schon vorsortiert. Zwei der vier Weltkulturerbe-Stätten in Zypern liegen in Paphos, sozusagen „best of…“ Da ich die Mosaiken am Dienstag schon „gemacht“ habe, kann ich Monsieur die executive summary geben, ohne die abgedeckten Planen oder schon hundert Mal gesehene Ruinen. Da bleibt dann noch Zeit für „Saranda Kolones“, eine Burgruine mit Namen und Anmutung wie direkt aus einem Fantasy-Roman. Die Kreuzritter-Burg hielt nur ein paar Jahre und fiel dann einem Erdbeben zum Opfer. Die namensgebenden 40 Säulen liegen wie ein Riesenmikado zerstreut in den Ruinen und von der ganzen mächtige Anlage stehen nur noch zwei Gewölbebögen. Das ist schon bei Tageslicht ausgesprochen romantisch, wie geheimnisvoll mag das erst bei Mondlicht sein.

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Noch mehr Säulen gibt es dann – knapp außerhalb des Zaunes, aber offiziell noch zum Archäologischen Park gehörend – in der ehemals siebenschiffigen Basilika. Da wird dann auch schnell klar, woher die Kreuzritter ihr Riesenmikado hatten. Im 4. Jahrhundert erbaut, von einem Erdbeben zerstört, im 6. Jahrhundert wieder aufgebaut, von den Sarazenen zerstört, hatten sie irgendwann wohl die Lust verloren. Jedenfalls wirkt die recht kleine byzantinische Kirche auf dem riesigen Säulen-Mikado-Trümmerfeld ziemlich verloren. Vor der nur noch in den Grundmauern erhaltenen gotischen Kirche steht die Paulus-Säule. Wobei die Erklärtafel freimütig zugibt, dass die angebliche Geißelung Paulus‘ an dieser Säule nur in der lokalen Tradition vorkommt und durch keinerlei historische Quellen belegt wird.

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Etwas verstörend finde ich dann die Kombination an dieser Häuserfront in einer Seitenstraße…

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Ein kleiner Ausflug bringt uns nach Ägypten zu den so genannten Königsgräbern. Die aber nie Königsgräber waren, sondern die der Würdenträger der ägyptisch-griechischen Ptolemäer (das habe ich jetzt geradewegs aus Wikipedia abgekupfert). Eine Menge Löcher im Boden mit sehr unterschiedlich elaborierter Ausgestaltung. Ich habe jedenfalls gelernt, was ein „Dromos“ ist, nämlich eine Art Treppe, dass die Gräber ein Atrium und einen Brunnen besaßen, da sich die Lebenden zu Gedenkfeiern mit und bei den Toten zusammenfanden. Die Gräber waren zum größten Teil schon in der Antike geplündert worden, so dass mittelalterliche Squatter nur leere Räume vorfanden. In die sie dann ohne Angst vor Geistern und Gespenstern ihre Wohnstätten errichteten, auch wenn das sprichwörtliche Dach über dem Kopf dann gerne mal zwei Meter massiver Sandstein war. Sieht alles ein bisschen aus wie bei einem Indiana Jones Film und ist mit erheblichem Aufwand bezüglich Treppensteigen über die schon erwähnten „Dromos“ verbunden.

Nach so viel Kultur fällt es uns dann leicht auf Kourion zu verzichten zugunsten der Möglichkeit noch bei Sonnenschein in unserem Strandhotel in Larnaka anzukommen. Schaffen wir auch. Der Blick aus dem Fenster ist grandios. Und das steigert sich ein paar Stunden später noch. Ein guter Abschluss unserer Tage in Zypern.

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2 Kommentare

  1. lotelta sagt:

    In dieser Jahreszeit wirken Fotos aus Zypern doch deutlich einladender als Fotos aus Dänemark – hyggelig hin oder her 🙂

    Gefällt mir

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