Startseite » Allgemein » Warum nicht

Warum nicht

b2.jpg

In Dänemark gibt es eine kleine deutsche Minderheit und so spricht der Fahrkarten-Automat am S-Bahnhof freundlicherweise auch Deutsch. Wo ich denn hinwolle, fragt er mich. Bietet mir mehrere Ziele an. Unten rechts in der Ecke steht Malmö auf dem Display. Malmö, das klingt nach Südschweden. Und Südschweden, das klingt gleich nach Sonne und schönem Wetter. Kurzum, Malmö, das klingt nach „Warum nicht?“ Der kleine pfiffige Automat spürt meine Zögern und schiebt sofort die Frage nach: „Wann möchten Sie fahren? Jetzt?“ Da hat er mich, der Schlingel, ich drücke die Ja-Taste. Das muss das Angebot des Tages sein. Gestern habe ich bis Kopenhagen Hbf. 24 Kronen bezahlt und das waren ganze zwei Stationen. Für 89 Kronen gibt es eine Menge Stationen mehr, die Öresund-Brücke, einen Grenzübertritt und ein neues Land. Hier wird mir wirklich etwas geboten für meine Kronen.

Im Hauptbahnhof finde ich Malmö nicht auf den Anzeigetafeln und frage eine Dame in Staatsbahn-Rot. Sie zeigt nach rechts: Gleis 6, in zwei Minuten. Ich stolpere auf das Gleis, als die Schaffnerin die Tür zuwirft. Aber dann erbarmt sie sich meiner und Sekunden später setzt sich der Zug in Bewegung. Planung ist gut, Glück besser!

Seltsamerweise beginnt die Fahrt über die Ostsee unter der Ostsee, in einem Tunnel zu einer Insel im Öresund. Erst dann geht es über dem Wasser weiter. Unter mir schwimmen große Schiffe mit LKWs beladen, in der Spur über den Gleisen rollt der Autoverkehr, wirklich eine stark genutzte Verkehrsader, der Öresund. In den Ferne drehen sich die Windräder eines riesigen Windparks, gelegentlich für Sekunden synchron, bis sie sich wieder auffächern.

b1

Malmös Bahnhof ist Gründerzeit in Backsteinrot, aber ein paar Straßen weiter beginnt die Altstadt. Auf der Stortoget gibt es wieder einen dicken König, diesmal auf dickem Pferd. Drachen habe ich keine gefunden. Dafür jede Menge Läden mit wunderschönen Dingen. Und eine Apotheke, die so schön ist, dass ich zum Hypochonder werden würde, würde ich in Malmö wohnen. Lilla Torget lockt mit dem Design-Center und Fachwerkhäusern und ich verbringe doch sehr viel mehr Zeit damit, schön gestaltete Objekte zu bewundern, als ich ursprünglich geplant hatte. Dass ich beim Fotografieren irgendetwas verstellt habe und nun Fotos mit 50er-Jahre-Farbgebung mache, bemerke ich natürlich erst wieder im Hotel.

b3

Ich bin auf dem Rückweg zum Bahnhof durch den Kungspark, da wird Malmö plötzlich gruselig. So richtig unverhofft und aus dem Hinterhalt springt mich dieser Diana-Brunnen an. Ich finden den unheimlich mit seinen ertrinkenden, versinkenden Bambis. Zwei junge Männer stehen davor, diskutierend in die Betrachtung versunken. Kunststudenten? Doch als ich sie nach der Geschichte hinter der Kunst frage, zucken sie nur die Schultern: „Keine Ahnung, wir haben hier nur gerade ein Pokemon gefunden.“ Na denn!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: