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Bis repetita non placent

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Ja, da staunt ihr! Ich habe nämlich das kleine Asterix-Latinum. Damit kann man hervorragend eine profunde klassische Bildung vortäuschen.

Bis repetita non placent, sagt Caesar zu Tullius Firlefanzus – und Recht hat er. Ich will Euch auch nicht mit Wiederholungen langweilen und deshalb gibt es – ich greife jetzt in die englische Kiste – „Same same, but different“. Monsieur war von meiner Wassertaxi-Schilderung so angetan, dass er seinen/unseren letzten freien Morgen in Kopenhagen genauso verbringen will – nur anders. Erstens natürlich zu zweit, ist ja eh schöner. Zweitens weigere ich mich, die Strecke zum Telglholmen noch einmal zu traben und bestehe auf einem Taxi, was sich im zeitlichen Ablauf als sehr wichtig erweist. Drittens ist heute Sonntag und die Stadt Kopenhagen hat das Sonntagsboot herausgeholt, das große, schöne, neue. Extra für uns, naja, fast.

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Eine Handvoll Passagiere sammeln wir an den verschiedenen Haltestellen ein. Und viertens fahren wir heute die volle Strecke, fast bis zur Endstation. Monsieur will nämlich – doch davon später. Wir schippern also an Nyhavn vorbei, auf die andere Seite zum großartigen Opernhauskomplex. Der nächste Halt Holmen Nord ist Industriehafen, wirklich ein kontrastreiches Programm. Dann müssen wir einen riesigen Umweg fahren. Die dänisch Marine hat ihren eigenen Spielplatz abgesteckt und da dürfen andere Boote nicht mitspielen. So geht es an der weitläufigen Absperrung vorbei, in der etwas verloren ein Zerstörer (oder so etwas Ähnliches) dümpelt. Ein U-Boot ist an Land aufgebockt, ein paar kleinere Schiffe liegen am Kai. Ich bin mir nicht sicher, ob das nun wirklich Dänemarks Flotte oder ein Freiluftmuseum ist. Auf der anderen Seite angedockt – außerhalb des dänischen Spielplatzes – auch einer, der nicht mitspielen darf. Ein wahres Monstrum von einem Schiff, eine absolut hässliche Monstrosität, diesmal der holländischen Flotte.

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Der dänische Zerstörer wirkt gegenüber diesem Monster wie ein Bobby-Car gegenüber einem echten Auto. Weshalb ein holländischer Luftlandeträger in Kopenhagen ankert, weiß ich nicht, brauche ich aber auch nicht zu verstehen. Wahrscheinlich so ein Männer-Freundschaftsding, von Flottenadmiral zu Flottenadmiral. Wir kommen Euch mal besuchen, um zu schauen, der den größten, längsten, schönsten oder was auch immer Zerstörer hat, in aller Freundschaft natürlich. Dieses riesige Schiff ist jedenfalls so ungeheuer groß, dass es die Hälfte des Uferwegs zur Kleinen Seejungfrau in Schatten hüllt. Ja, Monsieur wollte unbedingt. Ich habe das ja drei Tage lang tunlichst vermieden, aber er will nun mal unbedingt da hin. Dabei wissen wir von unserem ersten Besuch vor 40 Jahren, dass es sich hier um eines der meist-überschätzten Städte-Wahrzeichen handelt. Gut, man kann bewundern, dass eine Frau mit BMI 112 (175 kg auf 125 cm Körpergröße) so eine Figur besitzt, aber ansonsten ist die Geschichte dahinter doch nur unendlich traurig. Sich selbst nicht akzeptieren können, sich verbiegen, sich verformen, um einem anderen zu gefallen, das kann doch nur beide unglücklich machen. Naja, lassen wir das, Hanns Christian Andersen ist nicht für seine Happy Ends berühmt. Heute morgen ist es eigentlich auch interessanter die Menschen zu betrachten als die Figur. Wie sie zu Dutzenden auf den rutschigen, glitschigen Steinen am Strand um die beste Position rangeln – und das gar nicht zimperlich! -, um die kleine Figur zu fotografieren. Monsieur bleibt auf dem Weg, fotografiert eher das Gerangel, kommt zu mir und meint: „Schon ziemlich unterwältigend!“

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Ich hätte ja nun: „Hätte ich dir gleich sagen können!“ gleich sagen können. Habe ich aber nicht. Ist schließlich Sonntag heute und so.

Ein anderes Boot bringt uns dann doch noch nach Nyhavn, Fahren nach Zahlen zum Hotel und ein Taxi zum Flughafen.

Ein paar Stunden später nähern wir uns Genf und damit dem Ende unseres A-bis-Z-Reisemarathons. Zumindest ich, Monsieur fliegt morgen schon wieder los, ohne mich diesmal. Und kleiner Forscher, der er ist, sieht er sofort das Potential: „Da können wir herausfinden, wem der Regen folgt, dir oder mir.“ Im Augenblick uns beiden und zwar nicht zu knapp. Das Flugzeug wird ziemlich durchgerüttelt. Die Wetterbedingungen über Genf sehen gar nicht gut aus. In der Tat bockt und springt der Flieger derartig, dass die Stewardessen durchgeben, dass sie aus Sicherheitsgründen (ihrer eigenen!) nicht durch die Kabine gehen können, um zu kontrollieren, dass alle Passagiere angeschnallt sind. Sie uns aber inständig bitten, aus Sicherheitsgründen, diesmal unserer, genau dies zu tun. Im Landeanflug wird das Flugzeug plötzlich von heftigen Orkanböen erfasst und hin- und hergeschleudert. Kinder schreien, Erwachsene füllen Spucktüten, der Pilot zieht den Vogel wieder hoch und eine Durchsage mit sehr gepresster Stimme informiert uns, dass dies anbetracht der Witterungsbedingungen ein „völlig normales Flugmanöver“ gewesen sei. Ah ja!

Und so kommt es, dass wir zwanzig Minuten später den Flughafen von Lyon kennen lernen.

 

Wo wir mit einer Reihe anderer Flieger aus – oder nun nach – Genf in einer Schlange stehen und darauf warten, dass der Orkan über Genf sich austobt.

Vier Stunden später wiederholt der Pilot seinen Anflug auf Genf, erfolgreich.

Bis repetita placent, und wie!

 

 


2 Kommentare

  1. Quitte sagt:

    Ohh, ohh. da biste sicher heilfroh, wieder zu Hause zu sein.
    Gratias repetita. Fortes fortuna adiuvat.
    LG Quitte

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  2. Das hast du jetzt aber schön gesagt! Danke!
    Großes Asterix-Latinum? 😉

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