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Frieden auf Erden

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den Menschen, die guten Willens sind.

Diesen Nachsatz finde ich so unheimlich tröstlich. Guten Willens bin ich nämlich meistens, auch wenn mir gelegentlich der Verdacht kommt, dass mein guter Wille vielleicht nicht gut genug oder schlichtweg nicht genug genug ist. Meist, wenn mein Lästerwille sich heimlich aus dem Hinterhalt anschleicht. Andrerseits ist das mit dem Lästern – bei allem guten Willen – oft einfach nur Notwehr.

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Ich fahre von den Weihnachtseinkäufen nach Hause, die Hauptverkehrswege sind verstopft, also geht es über die Dörfer am Jurarand. Dort werde ich plötzlich geblendet, verwirrt, abgelenkt durch ein Lichterspektakel.

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Zwei Nachbarn im Deko-Rausch, wahrscheinlich auch noch mit starkem Konkurrenzdenken, machen die Nacht zum Tage. Ich bin viel zu schnell vorbei und drehe am nächsten Kreisel eine Ehrenrunde, um mich zurückfahrend selbst zu überzeugen, dass ich da nicht einer weihnachtlichen Fata Morgana erlegen bin. Nein, es blinkt, es strahlt, es glitzert, eine wahre LED-Orgie. Wieder bin ich trotz Schritttempo viel zu schnell vorbei und dann bemerke ich etwas für Frankreich eigentlich Unvorstellbares: es kommt kein Kreisel. In einem Land, das den Kreisel zum Selbstzweck erhoben hat, fahre ich auf der engen Dorfstraße geradeaus ohne eine Möglichkeit zu wenden. Das Nachbardorf kommt und plötzlich ist da kein Gedanke mehr an umdrehen, denn rechts steht ein Haus im LED-Rausch.

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Ein paar Meter weiter hat jemand eine Rentier-Anflug-Pisten-Beleuchtung in seinen Garten gelegt. Der übernächste frönt dem Ansatz „Mehr ist mehr“. Ich taste mich von Deko zu Deko, bis ich am Ortsende vor der schwarzen Wand des Jurawaldes stehe und meine Augen sich erholen können.

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Auf dem Rückweg muss ich mir eingestehen, dass ich mich nicht getäuscht und mir alles nur eingebildet habe. Auch die exquisite Weihnachtsszene mit Nikolaus und Nikolöse (oder heißt das jetzt Nikolörin?) nicht, liebevoll gestaltet in einem Vorgarten der Nachbarschaft. Der bärtige Stalker im Hintergrund ist aber schon ein bisschen gruselig, oder?

Die Krippe, die macht mir richtig Angst, die hat schon viel von Stephen King.

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Zuhause angekommen, schildere ich das Gesehene. Da muss ich noch einmal losfahren, denn die Familie glaubt mir nicht und will das alles mit eigenen Augen sehen.

So geschehen vor ein paar Jahren. Und seither jedes Jahr wiederholt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein frohes Weihnachtsfest und für 2018 Frieden auf Erden und ganz viel guten Willen.

Aber ein bisschen Lästern darf auch sein.

 

 


2 Kommentare

  1. Quitte sagt:

    Moinsen, liebe Paonia,
    seh das ja leider erst jetzt. Aber so sieht das hier bei manchen Nachbarn auch aus. Gruselig, oder?
    Da gefällt mir deine Vogelbescherung ja viel besser. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie deine Katze und Monsieur sehnsuchtsvoll aus dem Fenster blicken.
    Liebe Nachweihnachtsgrüße von
    Quitte

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