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Sex erst am Nachmittag

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oder: Wenn Männer ein neues Spielzeug haben

Das war jetzt schamlosestes click baiting, das gebe ich gerne und unumwunden mit genauso schamlosen Grinsen zu.

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Wir müssen uns entscheiden zwischen Sex Rouge am Morgen oder En-Sex am Nachmittag. Aber schon in Aigle ist abzusehen, dass der Sex Rouge und mit ihm die Glacier 3000-Station tief in den Wolken steckt. Also wird umdisponiert: statt mit der Seilbahn auf 3000 Meter mit Muskelkraft auf knapp 2000 Meter.

Natürlich haben wir wie der Rest Europas bis gestern unter der Hitzewelle gestöhnt, aber die 18°, die es heute Morgen am Col de la Croix hat, sind uns nicht so ganz recht. Wolkenfetzen treiben über den Pass und verhüllen das gegenüberliegende Diablerêts-Massiv. Die Wolfsskulptur sorgt auch nicht für heitere Stimmung. Wir ziehen etwas fröstelnd die Jacken über und Monsieur kramt seine Sonnenbrille und den Hut aus dem Rucksack. Wirft sie in den Kofferraum, brummelt etwas von „sowieso nicht brauchen“ und ich gratuliere mir heimlich. Das ist der Garant dafür, dass binnen kürzester Zeit die Sonne scheinen wird.

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Die ersten Kilometer geht es über einen Waldweg hoch, der eher einen Wurzelsteige ist. Sieht aus wie ein von einem verrückten Öko-Designer entworfenes Kinderwaldspielplatz-Gerät. Dann schlägt die Schweiz zu: überall die netten gelben Wegweiser. Auf manchen stehen Ziele und Zeitangaben, auf manchen nur die Ziele. Dann gibt es noch die recht ominösen gelben Romben, auf denen nur „Tourisme pedestre“ steht und das hat schon etwas von Zen und Meditation. „Wir haben keine Ahnung, wer du bist und wohin du willst. Aber sei versichert, dies ist dein Weg. Vielleicht nicht der richtige, aber definitiv dein Weg!“

col6Und um die Schweizer Berge noch Touristen-sicherer zu machen, werden dann noch alle Bäume entschärft. Nicht, dass sich ein Wanderer an den bekanntermaßen extrem scharfkantigen Ästen verletzt.

Wir steigen auf über die Waldgrenze zu den grünen Almen und dort entwickelt sich unsere Wanderung zur biologischen Exkursion. Monsieur hat nämlich ein neues Spielzeug, eine App, die ihm verrät, wie ein Blümchen heißt. Das könnte seine Frau in 50% der Fälle auch, aber es sind die anderen 50%, die ihn interessieren. So kommt es, dass wir nur recht langsam den colb1Berg hochsteigen – was mir im Prinzip ja gar nicht so unlieb ist -, unterbrochen von so faszinierenden Entdeckungen wie dem Breitkörbchen, dem Alpen-Milchlattich oder dem Gemeinen Germer, der bestimmt nicht so gemein ist wie der gemeine Roger, der mich in der Grundschule immer verhauen wollte.

Der in der Wanderung gerühmte Panoramablick vom Col de L’encrène zeigt Wolkentreiben auf 360°. Aber zwischen Fetzen erhaschen wir einen Blick auf die Peak Walk-Hängebrücke beim Glacier 3000, die in luftiger Höhe zwei Dreitausender verbindet. Grau in Grau, und so wenig Aussicht, dass man sich wahrscheinlich noch nicht mal richtig vor dem darunter liegenden Abgrund hätte fürchten können.

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Der Col de L’encrène ist mit seinen 1936 Metern auch schon der höchste Punkt der Wanderung, die uns durch schöne Almwiesen, an Märklin-hübschen Höfen, verlassenen Ski-Liften und -stationen vorbei zum Col de Bretaye bringt. Die ganze Ski-Infrastruktur wirkt jecol7tzt im Sommer doch ziemlich störend, aber das ist der einzige Grund zum Meckern. Na gut, die Sprühsahne aus der Dose zur Heidelbeertarte war noch verstörender, aber ansonsten ist es Bilderbuch-Schweiz, Bimmelbähnchen inklusive. Während unsere Kaffeepause kommt dann – endlich! – die Sonne heraus und wir vergessen die Sprühsahne, während wir unsere Beine doch etwas länger ausruhen als ursprünglich geplant. Deshalb erreichen wir En-Sex erst am Nachmittag, misstrauisch beäugt von der amtierenden Wachziege. Dafür können wir aber auf dem Rückweg zum Col de la Croix die Diablerêts in ihrer beeindruckenden Schönheit bewundern, wobei nur die Mittelstation zu sehen ist, die Mario-Botta-Bergstation immer noch fest in der Hand der Wolken liegt.

 

Da müssen wir wohl das mit dem Sex Rouge und dem Sich-Fürchten auf der Hängebrücke auf ein anderes Mal verschieben.

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