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Amici

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Turin macht es uns leicht. Das Wetter ist zu scheußlich, als ich unsere Sachen zusammenpacke und mir ein letztes Mal auf Google die Strecke nach Alfiano Natta anschaue. Das ist auch ganz gut so, denn kaum haben wir den Schock der Parkgebühren überwunden (mehr als das Dreifache dessen, was ich in dieser Woche für Museumseintritte ausgegeben habe), streiken sowohl Navi als auch Monsieurs Lebensgefährtin beim Wegweisen. Beide behaupten steif und fest, unser Ziel nicht erreichen zu können. Mit den erinnerten Resten (ein Platz mit einem Obelisken, dann über den Fluss) kommen wir im Einbahngewirr Turins nur sehr langsam voran. Schließlich versucht Monsieur es mit Geduld, gibt den nächst größeren Vorort Turins an. Kaum sind wir aus Turin heraus, besinnen sich beide Geräte auf ihre Pflicht und erinnern sich ganz plötzlich doch noch an die Strecke in die Hügel des Piemont.

amici Wir fahren gerade in San Maurizio an der via degli Amici vorbei, als wir den ersten einer Vielzahl orangeroter „Amici“ sehen, klein und knubbelig, das Zyklopenauge auf uns gerichtet. Er und seine Freunde stehen in jeder Ortschaft, immer schön paarweise, rechts und links. Ganz brav halte ich mich an die vorgeschriebenen 50 km/h, auch als Fiats und kleinere Lastwagen mich überholen, innerorts, bei durchgezogenem weißem Strich und Überholverbotsschildern. Das ist nicht Einsicht, das ist nackte Angst. Ich bin vor ein paar Monaten in der Schweiz geblitzt worden, gleich zweimal, mit ein bisschen mehr als ein bisschen mehr als erlaubt war. Das wird in der Schweiz dann sehr schnell sehr teuer. Monsieur hat dann ein Machtwort gesprochen und mir ein Budget vorgegeben für Strafzettel. Wird das überschritten, wird der BMW verkauft, um die Strafen zu bezahlen. Vom Rest bekomme ich einen Kleinstwagen. Was de facto auf Hausarrest hinausläuft, weil ich zb. bei einem VW-Up meine Beine nicht hinters Steuer bekommen würde. So fahre ich brav von Schlagloch zu Schlagloch, von Delle zu Delle, von Bodenwelle zu Bodenwelle und überlege, dass der italienische Staat statt in „Amici“ mal lieber Geld in einen neuen Bodenbelag investieren sollte.

Kleine und kleinste Sträßchen führen über Villadeatti zu „Da Maria“, wo wir morgen Abend schon reserviert haben und schließlich nach Alfiano, wo es zum Castello abgeht.

Castello Razzano, das ist eher Besuch bei Freunden als Hotel. Wahre Amici, nicht die orangeroten! Wir hatten für den Durchreise-Stopp eines ihrer Standardzimmer gebucht. Sie geben uns die Suite, die wir bei unserem allerersten Besuch hier hatten. Und eine Flasche Luna d’Oro steht auch schon kalt.

Ich ziehe mich zu einer kleinen Siesta zurück und Monsieur setzt sich mit seinem Glas Spumante in den Park. Kommt zurück und erzählt begeistert, dass der Osterhase oder vielleicht doch eher das Osterkaninchen ihm Gesellschaft geleistet habe, ganz zutraulich.

Was zu einem ganz kleinen bisschen schlechtem Gewissen bei mir führt, als ich dann zwei Stunden später als secundo coniglio con herba bestelle…

 


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