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Steppenwolf mit Speck

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Die Sonne geht unter, als wir über Venedig einfliegen. Die Lagune von oben fasziniert mit ihrem Labyrinth aus Inselchen und Wasserwegen. Hineingetupft der ein oder andere völlig isolierte Hof zu dem eine – von oben – bleistiftstrichdünne Straße führt. Drumherum ganz viel Wasser und Weite und ein paar niedrige Gebüsche, wo das Land aus dem Wasser schaut.

Venedig saugt noch die letzten Sonnenstrahlen auf, Kuppeln und Turmspitzen leuchten, als der Flieger abdreht und wir noch kurz die monolithischen Riesenblöcke der Kreuzfahrtschiffe sehen. Sechs liegen nebeneinander an der Reede.

Bis wir unser Gepäck und den Mietwagen haben, ist es stockfinster, dafür scheint der Vollmond über uns. Eine knappe Stunde später stehen wir vor dem Jugendstilhotel in Portogruaro und lassen uns vom Rezeptionisten unsere Optionen aufzählen: eine Pizzeria – aber da nur die Pizza, die sei sehr gut, der Rest schlecht, ein „Fusion“-Restaurant und eine Trattoria. Die letztere ist auch die nächste, da fällt uns das Auswählen leicht. Er nickt, das sei eine gute Wahl und rät uns für den Rückweg: „Walk like a snake!“ Während wir noch die Vielschichtigkeit dieser Aussage kontemplieren, malt er den „snake-walk“ auf den Stadtplan, hin und zurück über die vielen kleinen Brücken über den Fluss, der Portogruaro zerschneidet und die mittelalterlichen Mühlen gleich rechts von uns antreiben.

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In der Trattoria sind alle Tische draußen von fröhlichen Studenten besetzt. Die Wirtin bittet diese kurz entschlossen, doch etwas zusammenzurücken, damit ein Tisch für uns frei wird. Bringt die Karte und Tischsets aus Papier. Die Fisch-Antipasti-Platte klingt sehr verlockend, was der Wirtin ein begeistertes Nicken entlockt und wenig später ihren Mann auf den Plan. Der zieht uns erst die Tischsets weg und legt dann mit viel Schwung eine Decke auf.

Der Hauswein, der in einer Karaffe kommt, perlt fröhlich. „Prosecco?“, frage ich. „Nein, besser, aus den Bergen hier oben drüber!“ kommt vom Kellner – sicher völlig unparteiisch.

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Die Fischplatte ist fantastisch. Wir sind auch schon so gut wie fast satt nach dieser Vorspeise, leisten uns dann aber eine kleine Unüberlegtheit. Aber ganz ehrlich: hättet ihr einem primo widerstehen können, das „lupo di steppe con speck“ heißt?

Wohl gesättigt nehmen wir das „walk like a snake“ in Angriff für den Heimweg zum Hotel, vorbei an wunderschönen gotischen und Renaissance-Häusern. Bestaunen Fenster mit Spitzbögen und solche mit klassizistischen Fensterschmuck und das da hinein gesetzte eher plump wirkende Recycling griechischer Säulen vor gotischer Fassade. Wir schlangenlinien von Arkade zu Arkade, über Brücken und Brückchen und Monsieur ist sehr unzufrieden. Nicht mit dem mehr als romantischen Stadtbild, eher mit meinem Wunsch nach einem schönen Foto.

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Die, die er macht, entsprechen alle nicht seinen hochgesetzten Ansprüchen.

Meine Ansprüche sind da deutlich weniger ambitioniert. Deshalb werde ich sie jetzt rasch veröffentlich. So lange Monsieur abgelenkt ist…

 

 

 


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