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Reine Notwehr!

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Die ersten Alpenpässe sind schon gesperrt, aber wir wollen ja durch einen Tunnel. Der Mont-Blanc-Tunnel liegt auf knapp 1300 m Höhe. Da waren für heute bei – 4° Schneefälle vorhergesagt. Also rufe ich in der Werkstatt meines Vertrauens an und lasse dem Auto die Winterstiefel aufziehen. So eine Reise über die frühwinterlichen Alpen will schließlich geplant werden. So weit, so gut.

Der Termin kommt immer näher und ich werde immer wuschiger. Vielleicht sind das die Spätfolgen unseres Erlkönig-Ritts von Losinj über Venedig nach Genf. Irgendwie habe ich keine Freude an dem Gedanken, die Strecke – zumindest bis Mailand – ein weiteres Mal zu fahren. Mir fällt ein, wie amüsant-entspannt und preiswert Zugfahren in Portugal gewesen war. Manchmal höre ich mir zu, wenn ich mir etwas sagen will. Also handeln wir und kaufen zwei Zugfahrkarten: Genf-Mailand-Genua und zurück. Das ist in der Schweiz dann eher amüsant-entspannt, Punkt. Aber kann durchaus mit der Aufrechnung der Kosten für Montblanc-Tunnel, italienische Autobahnen und genuesische Parkhäuser konkurrieren.

Das einzige – wirklich unangenehme – Problem ist, dass die schnellste Verbindung uns zum Aufstehen um Viertel nach fünf zwingt. Aber dafür gibt es im Bordrestaurant einen Espresso zum Wachwerden.

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„Unser“ Zug war leider der grüne Hintergrund 😉

In Mailand reicht der Aufenthalt zwar nicht für den Dom, aber für die erste Pizza, bevor wir in den italienischen Zug steigen, der nicht halb so komfortabel, dafür doppelt so voll ist wie der Schweizer – und etwas verwirrend. Wir haben Platz 9A und 10A, die Sitznummerierung beginnt aber bei 13. Gegenüber fangen die Zahlen bei 20 an. Davor steht auf dieser Seite das Kofferregal. Das fände ich für anderthalb Stunde doch eher unbequem. Wir schauen wohl so überzeugend ratlos aus, dass uns ein Herr aufklärt. Wichtig wären nicht die großen Zahlen oben, nein, wir sollten auf die kleinen unten drunter achten. Um stolz hinzufügen, er hätte das auch gerade erst vor Kurzem herausgefunden. Tatsächlich, unter den fettgedruckten 56 und 58 stehen ganz klein 9A und 10A. Wieder was gelernt.

 

d1Ein paar Stunden später lockt uns die Stadt Genua in ihr Labyrinth von Straßen und Gässchen. In den Gässchen ist eng und dunkel, in den Straßen hell und prachtvoll. Ein Palazzo reiht sich an den anderen, jede Fassade anders gestaltet. In einige Innenhöfen können wir hineingehen und das prachtvolle Eingangstor bewundern. Allerdings sehen die spärlich bekleideten Damen nicht wirklich glücklich aus, vielleicht hat der Hausherr, eine große Bank, den Kredit nicht gewährt.

Monsieur, der ab morgen den ganzen Tag beschäftigt ist, will wenigstens kurz ans Meer, Porto Antico. Aber immer, wenn wir kurz davor sind, „jetzt aber wirklich“ links Richtung Meer zu gehen, lockt ein Sträßchen uns um die nächste Ecke oder etwas anderes kommt uns dazwischen. Es ist windig, es ist ungemütlich, es wird langsam dunkel, kurzum: Es ist eigentlich viel zu kalt für Eis, aber von solchen Kleinigkeiten lässt Monsieur sich nicht beeindrucken.

Als wir endlich am Hafen ankommen, sehen wir, wie richtig es war, uns in den Gässchen zu verlieren. Der Hafenbereich gefällt uns so gar nicht und der Wind wird langsam unangenehm.

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Also geht es zurück zum Hotel, ein bisschen Siesta vor dem Eröffnungsempfang. Das ist zumindest die Idee. Dann gibt im Gewühl der Sträßchen Monsieurs Lebensgefährtin einen letzten Seufzer von sich, Akku leer. Natürlich haben wir einen Stadtplan dabei und sind auch fähig und willens den einzusetzen – wenn nur nicht der Sturm wäre. Aus reiner Notwehr suchen wir Schutz in einer kleinen Bar an der Stadtmauer, um in Ruhe die Karte entfalten zu können. Es wäre Trüffel-Festival, meint die junge Frau an der Theke, ob wir zum Apero eine Foccacia mit Speck, Trüffelscheibchen und Honig haben möchten. Wie gesagt, reine Notwehr.

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Dass Monsieur sich danach beim Orientieren vertut und uns auf den falschen Hügel schickt, führt kurzfristig zu einer steilen Lernkurve in italienischer Geschichte, da fast alle Straßen Geschichtsdaten tragen. Langfristig aber auch zu einer durchgefrorenen und sich nach Wärme sehnenden Paonia. Die in dem Moment, als Monsieur die Karte betrachtend: „Ach, daaaa sind wir!“ sagt, die Hand hebt und ein Taxi anhält.

Reine Notwehr!


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