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Galata Mu.Ma

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Heute Morgen ist es – Gewitter, Hagel, Donner – so scheußlich, dass sich selbst Leuchttürme ins Trockene verziehen. So jedenfalls sieht es aus in der Halle des Galata Mu.Ma,  des Museo del Mare. Dorthin komme ich mit dem Bus 18 und meinen Instant-Sätzen zum Aus- und Umsteigen. Kompliziertere Fragen versuche ich auf Englisch, worauf dieses wunderbare alte Paar sich anschaut. Ganz langsam sagt er dann auf Französisch mit starkem Akzent, dass sie nur Französisch sprechen. Und das auch nur schlecht, fügt sie spitzbübisch hinzu. Jedenfalls reichen unsere gesammelten Sprachkenntnisse, um mir zu bestätigen, dass ich an der Fermata Gramsci 3/Commenda aussteigen soll.

b2Das maritime Museum ist ruhig, fast leer, nur eine Familie vor mir, die sich ihres Bildungsauftrages sehr bewusst ist. Im zweiten Stock, Auge in Auge mit den Ruderbänken und Kanonenrohren des Galeeren-Nachbau liest die Mutter laut und langsam die Erklärungen vor, während der Vater eigentlich wie ein Oktopus acht Arme haben müsste, um seine zwei kleinen Jungens vom Herumklettern abzuhalten. Er pflückt den einen Knaben vom Kanonenrohr, zieht den anderen vom Ruder weg und macht ihnen Vorhaltungen. Die Knaben schauen betrippst drein. Der Vater nickt ernst, tritt einen Schritt zurück und stößt gegen ein Ausstellungsstück, das mit lautem Geklapper zusammenfällt. Die ganze Familie fährt zusammen und bricht dann in Gelächter aus. Der Vater richtet den Schaden wieder aus und blickt sich dann noch schnell einmal um. Uff, keiner hat es gesehen. Außer mir natürlich, aber ich werde sie nicht verpetzen.

Den Räumen zum größeren Lobe Genuas folgen die zum größeren Lob des Meeres und der Seefahrt allgemein. Alte Karten, wie kostbare Kunstwerke, hängen an den Wänden, in den Vitrinen stehen Instrumente zur Berechnung des Kurses vom „Istituto Idrografico della Marina et le Scienze Nautiche“, ein Name, der in meinen Ohren wie reine Poesie klingt.

Eine Etage höher werde ich mit den Gefahren bekannt gemacht, den realen und den mythologischen. Die mittelalterlichen Monster wirken ja eher niedlich, trotz ihrer beeindruckenden Größe, wenn man die Inseln im Hintergrund als Maßstab nimmt. Die Seemonster der 50er-Jahre-Film-Industrie dagegen sind deutlich kleiner, aber in ihrem Beuteschema weniger auf Seefahrer als auf sehr üppige Blondinen in knappen Kleidungsstücken ausgerichtet. Jonas bleibt natürlich nicht unerwähnt und für das richtige Jonas-Gefühl gibt es ein weit aufgerissenes Walmaul als Zugang zum nächsten Ausstellungsraum.

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Die beeindruckendste Erfahrung kommt aber in einem etwas abseits gelegenen Raum: Erlebe den Sturm. An der Tür blinkt ein rotes Licht, man solle nicht eintreten, die Zeitangaben sind etwas verwirrend und ich bin schon im Weggehen, als ein Museumswärter die Tür öffnet und mich hereinwinkt. Er deutet mir an, mich auf die Ruderbank der Galeere zu setzen und nimmt mir sehr vorsichtig Fotoapparat und Handtasche ab. Dann gibt er mir zwei Griffe mit Kontakten in die Hand. Wenn ich Angst haben sollte, wenn es zu viel würde, soll ich nur loslassen, dann würde alles stoppen. Er wiederholt das noch einmal und schaut mich dabei aufmerksam an, um sicher zu sein, dass ich das auch verstanden habe. Irgendwie schön, dass sich da jemand solche Sorgen um meine Wohlbefinden macht – kurz bevor er mich in die Hölle schickt. Ich bekomme einen VR-Helm, er beginnt den Countdown und bei Null bricht das Inferno über mir los. Meterhohe Wellen schleudern „mein“ Schiff umher, Seeleute schreien Kommandos, der Sturm tobt, von rechts taucht plötzlich ein riesiger Wal auf Kollisionskurs auf, die Kommandos werden hektischer, der Wal taucht ab, dafür wirft die nächste Welle das Schiff in die Höhe. Ich stemme die Füße gegen die Ruderbank und rutsche auf dem Holz hin und her, das Schiff erklimmt den Scheitel der Welle, der Bug senkt sich ins Wellental, da taucht wie aus dem Nichts von Links ein großes Schlachtschiff auf, Zusammenstoß unausweichlich und „La Fine“.

Ich bin so im Adrenalinhoch, dass mein inneres Kind einfach nur begeistert herausplärrt: „That was awesome. Can I do it again?“

Der Rest des Museums – und die Aussichtsterrasse – fungiert dann nur noch „unter ferner liefen“.

 

 

 

 

 


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