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Glaubensfrage

 

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Bis ans Ende der Welt… und zurück.

Haben wir schon zwei, drei Mal gemacht. Mit den Kindern, mit Freunden.

Der Weg vom Fer à Cheval bei Sixt bis zum Ende des Tales, dem „Bout du Monde“, dem Ende der Welt, ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel.

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Grandiose Berglandschaft, so viele Wasserfälle, dass man aufhört sie zu zählen. Breite Wege, kaum Steigung, das macht natürlich leichtsinnig und übermütig. Oder – in unserem Falle – leichtgläubig. Wir glauben nämlich, dass wir den „Pas du Boret“ nehmen können, einen kleinen steilen Pfad in der Felswand, der zum Chalet du Boret führt auf der – Blickrichtung Bout du Monde – linken Schulter des Tales.

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Von da geht es auf der Höhe zum Ende der Welt, wo wir wieder hinabsteigen in das Tal und den breiten Wanderwegen, wahlweise rechts oder links des Giffre zurück zum Parkplatz folgen können. In der Beschreibung steht zwar etwas von passages délicates, aber wir glauben fest daran, mit delikaten Situationen umgehen zu können. Auch der Warnhinweis, dass der Felssteig nur für „experimentierte“ Wanderer, wie Monsieur übersetzt, sei, beeindruckt uns nur wenig, zumal Monsieur meint, dass man ja schließlich auch aus fehlgeschlagenen Experimenten viel lernen könnte. alp8

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Das können wir nur bestätigen, denn nach dem zweiten Wasserfall, vor der zweiten Seilpassage, beschließen wir, das Experiment abzubrechen. Dafür erfinden wir die neue Trendsportart „Wandern lassen“, denn unsere beiden Großen wollen den Weg fortsetzen. So trennen wir uns und lassen sie  in die Höhe steigen, von wo sie wundervolle Fotos mitbringen. Nur zur Orientierung: Fotos von oben in das Tal stammen von ihnen, Fotos von unten in die Höhe sind dann von Monsieur.

 

Wir sitzen aber vorerst eine Weile auf einem knappen Felsvorsprung und überlegen, was uns mehr Angst macht, dem unbekannten Weg nach oben zu folgen oder den bekannten Pfad hinabzusteigen. Glauben dann – eigene Grenzen erkennen und akzeptieren und so – doch eher mit dem bekannten Angstpotential fertig zu werden und rutschen und klettern hinab zu dem Pfad, der uns an die Ufer des Giffre führt.

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Ab da sind dann die einzigen Herausforderungen die sehr wackeligen Hängebrücken über die Stromschnellen, jede mit ihrem eigenen Unterhaltungspotential. Wir gönnen uns eine kleine Pause und staunen über die Vielfalt der Ansätze zum Überqueren der Brücken. Von Augen-zu-und-durch bis zum Stehschaukler. Natürlich gibt es auch das Pärchen, bei dem er sie mit genauen Regieanweisungen dreimal zurück zur Mitte staksen lässt – rückwärts -, bis wohl der optimale, völlig spontane und natürliche Schnappschuss gelungen ist.

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Irgendwann stellen wir fest, dass wir an unserer neuen Trendsportart noch etwas schrauben müssen. Es ist nämlich so, dass unsere beiden Ältesten die Rucksäcke mit dem Proviant haben und wir den Hunger. Dazwischen liegen knapp 400 Höhen- und etliche Kilometer. Bisschen ungeschickt, ja, aber das sind halt die Kinderkrankheiten bei solch neumodischen Dingen.

alp3Die einfachste Lösung für unser Problem ist das Chalet de Prazon. Das erreichen wir, vorbei an meterhohen Schneewänden, in die sich Wasserfälle ergießen, nach kurzer Zeit. Kulinarisch ist es eher so mittelmäßig, aber es bietet Getränke im Schatten und eine „tarte aux myrtilles“ zum Abschluss.

Der Rückweg zum Parkplatz ist dann eher Sonntagsmittagsspaziergang. Bis auf die paar Hundert Meter, wo der Nebenbach beschlossen hat, dass es doch viel lustiger sei auf dem Wanderweg statt in seinem Flussbett zu laufen. Haben wir ihm gegönnt, den Spaß und die Wasserkühlung unter den Füßen genossen.

 

Natürlich muss man bei solchen kleinen Abenteuern auch gelegentlich bereit sein, ein Opfer zu bringen. Heute sind es meine alten Wanderschuhe. Eigentlich längst aussortiert, aber manchmal doch noch im Einsatz. Sie trennen sich von der Sohle und ich mich von ihnen. Mit einem kleinen Hauch Nostalgie versenke ich sie in der Mülltonne, bevor Monsieur auf die Idee kommt: Das kann man doch noch mal kleben.

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Nein, kann man nicht und ich glaube, das ist auch gut so.

 

 

 

 


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