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Die heiter-verspielte Levada

Heute kommt das Kontrastprogramm zum doch stellenweise recht dramatischen Weg gestern.

Die Levada de Ribeira Janela gibt sich auf den ersten Kilometern als heiteres, blumengeschmücktes Band. Hortensien nicken uns von links zu, Agapanthen auch mal von der rechten Seite der Levada. Rosa Passionsblumen häkeln sich die Wände hoch und kleine Überlebenskünstler klammern sich in Felsspalten.

Dazu bietet sie wunderschöne Ausblicke auf die gegenüberliegenden Hänge mit ihren Weinterrassen. Immer mal wieder sieht man auch das Meer im Hintergrund. Wir kommen nur langsam voran, zu vielfältig ist die Blumenpracht und sind damit die Fotomotive rechts und links.

Ich behalte ein bisschen mein Fitbit im Auge, denn die Levada spielt vom Anfang an ein Rätselspiel mit uns. Eigentlich ist sie gesperrt. CAUTION PERIGO steht auf einem großen gelben Schild, bezeichnenderweise erst auf Englisch, dann auf Portugiesisch, und darunter eben, dass die Levada gesperrt sei.

Nun kommen wir aus Frankreich, einem Land, in dem eine Straßensperrung meist als freundliche Herausforderung angesehen wird nachzuschauen, ob man nicht doch irgendwie… Wäre auch jetzt und hier mein erster Ansatz gewesen, zumal auf dem Schild handschriftlich und dreimal korrigiert steht, dass sie nach 1,5 km, nach 3,5, nach 4,5 km gesperrt sei. Was gilt denn nun? Es sieht doch fast so aus, als ob die Levada uns zum Spiel herausfordert. Fischer, Fischer, wie weit dürfen wir gehen? Schon allein, um das herauszufinden, müssen wir da jetzt durch.         

 

Nach anderthalb Kilometern kommt von der Hangseite ein breites Zementgebilde, das wie eine überdimensionierte Schütte aussieht, fünf, sechs Meter lang, abschüssig, um das Wasser eines jetzt trockenen, kreuzenden Baches abzuleiten. Gut, es ist abschüssig, ohne Geländer, aber auch über zwei Meter breit, das kann es ja wohl nicht gewesen sein.

Geländer ist hier auch eher heiter-verspielt, mal ist es da, mal nicht. Meist besteht es aus einem dünnen Draht, gespannt zwischen windschiefen Pfosten, eigentlich mehr Psychologie als wirklicher Schutz. Verrostete Maschinen stehen am Wegesrand neben schrägen Pfosten. Es sieht alles aus nach: Das machen wir nächstes Jahr – und das seit 20 Jahren.

An einer Stelle allerdings ersetzt ein neuer Holzzaun die alte Psychologie und da grinst die Natur nur, denn alle Holzpfosten haben schon ausgeschlagen und tragen grünen Blattschmuck.

Nach dreieinhalb Kilometern wird es nass und rutschig, da müssen wir unter einem kleinen Wasserband hindurch. Wir laufen auf den breiten Platten, die hier die Levada abdecken, da ganz offensichtlich – aus welchem Grund auch immer – das Wasserfallwasser in der Levadarinne unerwünscht ist. Ja, ist etwas ungemütlich unter dem Wasser zu laufen, aber wenn man die Wahl hat zwischen ein bisschen nass zu werden oder ein bisschen abzustürzen, ist es ganz einfach zu wählen. Das kann es auch nicht gewesen sein.

Den wahren Grund finden wir tatsächlich nach viereinhalb Kilometern. Durch den Wasserfall trauen wir uns noch – wir haben ja jetzt die Erfahrung. Das nächste Stück Levada-Rand beäugen wir schon sehr skeptisch. Die diesseitigen Metallpfosten lehnen trunken in den Wind, der Draht ist weg und ein paar Schritte weiter ist dann Schluss für uns. Der Levada-Rand ist zur Hälfte weggebrochen, die Pfosten baumeln am jenseitigen Draht ein paar Meter weiter unten in der Luft. Auf nassem, rutschigen Grat, kaum zwanzig Zentimeter breit, zu balancieren, das ist dann doch ein bisschen zu viel Abenteuer für unseren Geschmack.

„Wir drehen um!“, sagt Monsieur und ausnahmsweise widerspricht seine Frau ihm nicht.

Fischer, Fischer, wie weit dürfen wir gehen? Nun ja, soweit, wie ihr euch traut…


2 Kommentare

  1. lotelta sagt:

    Ganz schön abenteuerlich, das Wandern auf Madeira! Eigentlich ist diese Insel auch schon lange auf meiner Reise-Wunschliste … aber ich glaub, mein Nervenkostüm ist dafür zu dünn 😉

    Gefällt mir

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