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Warnung!

Diese Wanderung ist für Personen über 165 cm Körpergröße nur bedingt geeignet.

Ich bin ganz begeistert über die Vielfalt, die die Levada-Wanderungen bieten. Jeden Tag sturheil an einem Bächlein entlang zu trappsen, das kann ja schnell mal langweilig werden. Deshalb bietet jede Levada ihre Eigenheit: vorgestern ein bisschen Dramatik, gestern die Blumenpracht und heute ist es der Märchenwald. Alte knorrige Bäume lehnen sich schattenspendend quer über Bächlein und Weg, bizarr geformt durch Wind und Wetter. Wunderschön verwunschen und geheimnisvoll, nur eben nicht unbedingt für den etwas größeren Wanderer ausgelegt.

Was diese Levada außerdem von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass „man“ auf 1300 Meter Höhe parkt und dann etwa zwei Kilometer und 300 Höhenmeter ins Tal steigt, wo man auf das Forsthaus Rabaçal trifft. Wollten wir uns sparen und ein paar Kilometer vorher an der ER211 parken, um durch den „Reitertunnel“ zum Forsthaus zu kommen. Durch diesen 900 Meter langen, hohen Tunnel zu laufen erschien mir spannend, die gesparten Höhenmeter habe ich mal unterschlagen. Nur ist die ER211 gesperrt (mit Baustelle, wirklich unpassierbar, selbst für Fahrer aus Frankreich), da müssen wir kurzfristig umdisponieren.

Nun ist die steile Straße zum Forsthaus aber erst der Anfang. Weil wir doch unbedingt diesen Tunnel sehen wollen, nehmen wir den linken Weg zur Levada, etwas länger, aber das ist es uns wert, denke ich da noch. Auf einer der nachfolgenden 500 ausgelatschten Treppenstufen (500? Ganz ehrlich? Bei 375 habe ich aufgehört zu zählen und da lagen noch einige vor mir) geht mir irgendwo der Spaß am Laufen verloren. Wahrscheinlich, weil mir nur zu klar ist, dass ich die alle irgendwann wieder hochsteigen muss.

Einmal unten angekommen, stehen wir nach ein paar Hundert Metern vorm Tunnel: gesperrt. Es hat halt nicht sein sollen. Natürlich laufen wir aus reinem Trotz ein paar Schritte weit hinein, drehen aber doch recht schnell wieder um.

Und beginnen die eigentliche Wanderung entlang der Levada des 25 fontes. Was hatten wir nicht alles gelesen dazu. Überschwängliches wie: absolutes Must, die Top-Wanderung, unumgänglich, aber ebenso Hasstiraden auf die völlig überlaufene Strecke. Horrorstories von Todesstürzen beim Ausweichen, von Reiseleitern, die hektisch mit zackig gebrüllten Befehlen das Tal erfüllen oder von einer von Wandergruppen „zugeparkten“ Levada, weil Omi an der engsten Stelle zehn Minuten braucht, um das Blümchen zu fotografieren oder Opa all seinen Rentnerkollegen am Engpass irgendetwas Offensichtliches zeigen und erklären muss. Für mich der absolute Höhepunkt des Levada-Bashings ist die TripAdvisor-Kritik eines sprachlich wohl nicht sehr trittsicheren Amerikaners, der die ganze Wanderung als einen „rip off“, reinsten Nepp, bezeichnet, weil es am Ende noch nicht einmal einen „fountain“ gäbe, geschweige denn 25 davon.

Ich finde die Wanderung – nachdem meine Freude am Laufen wieder da ist – verwunschen schön.

Ja, es sind einige Menschen unterwegs, aber keinesfalls Horden. Die wenigen Gruppen, denen wir begegnen, sind unter 12 Personen stark und bis auf den einen amerikanischen Führer alle eher ruhig unterwegs. Da sind die vereinzelten Handy-Künstler schon deutlich störender.

Ja, es ist stellenweise sehr eng, aber immer gut gesichert. Wenn wir an Engpässen die anderen kommen sehen, dann warten wir halt an der breiteren Stelle, bis sie durch sind. Wenn das nicht möglich ist, weicht man so gut es geht aus. Wie der junge Mann, der beherzt auf den 60 cm hohen Levadarand springt, um uns durchzulassen, von seiner Freundin mit Ausrufen der Bewunderung unterstützt. Monsieur, der das Gleiche, allerdings mit etwas mehr Ächzen, ein paar Engpässe weiter vollbringt, ist sehr enttäuscht, als ich nicht die entsprechenden Laute produziere.

Wir kommen also mit sehr viel, sehr höflichen obrigadas und de nadas weiter, bis zum dann doch sehr überlaufenen Bergsee – sehr kurze Pause – und dann bis zu der Stelle, wo es wieder hochgeht zum Forsthaus. Das ist der kürzere, der einfachere Weg, der, der es auf nur 300 Stufen bringt. Ich bin schon wieder am Schimpfen über diese „flachen“ Levada-Wanderungen, da landet ein kleiner Fink drei Stufen vor mir auf der Treppe. Legt den Kopf schräg, schaut mich an und hüpft eine Stufe höher. Wartet auf mich und hüpft wieder höher. So lockt er mich Stufe für Stufe weiter, bis ich dann doch stehen bleiben und ein bisschen Luft schnappen muss. Da fliegt er weg, wahrscheinlich auf der Suche nach jemandem, der seine Hilfe nötiger hat.

Oben angelangt, geht es fast eben an einer kleinen, sehr faulen, fast stehenden Levada zum Risco-Wasserfall, der ein prächtiges Schauspiel bietet. Die Levada und ihre Tunnel verlaufen dahinter. Bevor wir uns ein bisschen fürchten können, sehen wir zum Glück, dass der Eingang zum Tunnel mit einem massiven Gitter versperrt ist.

Der Rückweg zum Forsthaus Rabaçal ist dann doch nicht so eben, wie Monsieur mir weismachen will, aber die paar Hundert Treppenstufen ziehe ich dann noch durch, reine Sturheit.

Da wir weder Bären noch Schlangen wollen, gehen wir links, wo dann Quiche und Joghurttorte angesagt sind.

Dann bleibt nur noch auf den Shuttle-Bus zu warten. Der fährt die steilen Kilometer bergauf für zwei Euro pro Person.

Dafür laufe ich die doch nicht!


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