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Das wichtigste Zahlungsmittel Madeiras

Die gute mit der schlechten Nachricht: nicht wir sind abgestürzt, nur das Internet. Sozusagen. Eigentlich ist es noch da, das Internet, nur halt nicht in unserem Häuschen.

Wir sind nämlich umgezogen in diesem schönen Hotel, das heißt wie die Hündin unserer Nachbarin. Das erste Zimmer war sehr schön, Terrasse mit Meerblick, groß und hell, mit phantastischem Badezimmer. Aber da war dieser Tinitus, dieses nervige Geräusch andauernd, Mittelding zwischen Brummen und Zischen. Eine Pumpe? Be- oder Entlüftung? Jedenfalls sehr störend und ganz schlecht wegzuhören.

Nach einer Stunde haben wir nachgefragt, ob das abzustellen sei und nach zwei Stunden haben wir einen anderen Schlüssel bekommen. Zu einem kleinen Häuschen, nicht ganz so groß, sowohl Zimmer als auch Terrasse, aber ohne Brummen. Allerdings auch ohne Internet, da etwas abseits gelegen im Bananenhain. Ideal zum Entspannen, nach einer Wanderung.

Alsooooo, Monsieur hat sie gefallen, die Wanderung, besonders dass es eine Rundwanderung war, also nicht Levada rauf, Levada runter. Für mich fängt sie schon mal gut an: aus dem Auto, kaum die Wanderstiefel festgeschnürt, geht es steil erstmal anderthalb Kilometer, ein paar Hundert Höhenmeter stur den Berg hinauf, auf Asphalt. Mag ich überhaupt nicht, so etwas. Die Levada selber, die dann kreuzt gehört zu der gemütlicheren Sorte. Wir treffen bei der Plakette „Km 34,4“ auf sie. „Mit großem „k“, stöhnt Monsieur auf, „völlig falsche Einheit!“ Die nächste Plakette „Km 35,8“, zeigt uns, dass „unsere“ Levada heute schon deutlich mehr Kilometer zurückgelegt hat als wir. Der Weg direkt daneben ist ein netter Waldweg, wenn denn da Wald wäre. Wir laufen durch ein Gebiet, in dem vor zwei Jahren schwere Waldbrände gewütet haben. Farne überwuchern schon die schlimmsten Narben am Boden, aber die schwarzen Gerippe einstmals mächtiger Bäume, die gespenstischen schwarzen Äste verbrannter Gebüsche wirken sehr traurig. An manchen Stellen stehen die schwarzen Mahnmale in unmittelbarer Nähe von Häusern. Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Ängste die Menschen da ausgestanden habe.

Kurz nach „Km 39,6“ verlassen wir die Levada und es kommt eine weitere Nörgelstrecke auf mittäglich-heißem Asphalt, bergrunter bis zur Kapelle des guten Todes, den wir uns ja sicher alle wünschen, nur bitte schön nicht sofort, sondern lieber erst in weiter Ferne.

Die Kapelle bietet neben schöner Aussicht noch eine eher unerwartete Dienstleistung. Dazu muss man wissen, dass das wichtigste Zahlungsmittel auf Madeira das Fünzig-Cent-Stück ist.

Denn nur es erlaubt Zugang zu bestimmten Örtlichkeiten an bestimmten Örtlichkeiten. Mit dem mürrischen Herrn, der am Casa do Sardinha das Absperrseil fest- und die Hand aufhielt, hätte ich ja eventuell noch reden können, aber diskutiert mal mit einer Stahltür mit Münzeinwurf. Völlig überwältigend, wenn auch genauso unerbittlich, ist der Fäkaltempel unterhalb des Forsthauses Rabaçal. Im weiß gekachelten Vestibül erwartet dich ein Geldautomat, der Fünzig-Cent-Münzen – und nur genau die – annimmt. Dafür spuckt er ein Ticket mit Barcode aus, den du dann im nächsten Schritt an einem Drehkreuz scannen musst. Erst dann eröffnet sich der Weg zu den ersehnten Örtlichkeiten.

Nach diesen Erfahrungen stehen wir etwas verblüfft vor dem grauen Häuschen unterhalb der Kapelle. Eine Tür rechts, eine Tür links – und alles kostenfrei. Soviel Großzügigkeit ist man von der katholischen Kirche eher nicht gewohnt. Monsieur will sich erkenntlich zeigen und sucht alle – bis dato nicht einsetzbaren – kleinen Münzen zusammen für den Opferstock. „So wandert es sich viel leichter“, sagt er zufrieden, als er den Geldbeutel wieder einsteckt und mir ist nicht so ganz klar, worauf er sich nun genau bezieht.

Der Weg läuft auf rotsandigen breiten Waldwegen mit Ausblicken aufs Meer und auf die alten Terrassenmauern, die immer noch erahnen lassen, welche Mühe und Arbeit in ihnen stecken.

In dem Moment aber, in dem wir auf das kleine Dorf stoßen, verbimst er leider wieder mein Wohlwollen mit seinen steilen Straßen erst ins Tal und dann wieder hoch zum Ausgangspunkt. Es ist heiß, es ist steil, es ist bergauf – und weit und breit kein Café in Sicht.

Ganz schlechte Streckenführung, das!


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