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Ut omnes unum sint

Botanische Gärten sind uns lieb und teuer. Das liegt daran, dass die Mensa unserer Universität so grottenschlecht war. „Ut omnes unum sint“ stand über dem Portal zur Mensa, was von uns frech mit „Eintopf für alle“ übersetzt wurde. Es war ja nicht nur die Tatsache, dass das Essen so unsäglich war. Wenn die Damen in der Ausgabe der sportliche Ehrgeiz packte, pfefferten sie die Soße mit so viel Schwung in die vorgesehene Plastikkuhle, dass sie über alles andere spritzte, sei es nun Fleisch, Salat oder Pudding. Der Pudding war ein eigenes Trauerspiel: in einer Vielfalt leuchtender Farben serviert, schmeckte er immer nur nach einem: künstlichem Aroma. Unter uns Studenten ging der Spruch: wie der Pudding heute schmeckt, ist klar, nur wie sie ihn heute nennen werden, das weiß keiner.

Dann doch lieber mit einem selbst geschmierten Butterbrot oder einer selbst gekauften Zimtschnecke in den Botanischen Garten der Universität, der neben der Vielfalt der einheimischen und exotischen Gewächse eine ebenso große Auswahl an lauschigen Eckchen und versteckten Sitzplätzen bot.

Wie gesagt, wir haben sehr viele, sehr liebe Erinnerungen an botanische Gärten, weshalb ich mich auf den Jardim botanico hier in Funchal sehr gefreut habe. Allein die Fahrt, mit der 31A teleferico ist abenteuerlich. Der Bus stürzt sich völlig furchtlos in enge Gässchen, prescht steilste Sträßchen hoch, weicht um Haaresbreite Gegenverkehr aus. Just in dem Moment, in dem ich denke: das kann er nicht schaffen, biegt er im scharfen Winkel in eine noch engere, noch steilere Straße ein. Schließlich hält er, zwei Stationen vor der Endstation und alle Portugiesen um uns herum werden etwas unruhig, machen wedelnde Handbewegungen, bis einer den Mut aufbringt, uns mit „Jardim botanico! Jardim botanico!“ aus dem Bus zu scheuchen. Um dann noch nachträglich über so viel Touristen-Dummheit den Kopf zu schütteln.

Monsieur ist es nicht ganz zufrieden. Er wäre lieber zur Endstation gefahren, um von dort aus den Garten sozusagen von oben aufzurollen. So stehen wir am Seiteneingang. Auch gut, denn da kommt als Erstes das Naturhistorische Museum. Nun sind wir eigentlich aus dem Alter heraus für diese Art Museum (jeden 2. verregneten Sonntag – gefühlt – mit vier Kindern im „ausgestopften Museum“ in Genf hinterlässt Spuren), andrerseits waren wir seit Monaten in keinem Museum mehr. Also betreten wir die ersten Räume, die wie die Schatzkiste eines 14-Jährigen wirken. Auf Regalen liegen seltsam geformte Steine und Fossilien. Der zweite Raum ist dann ein bisschen unheimlich. Aus den Formaldehyd-Gläsern mit sehr vielen, sehr toten Tieren ist die Hälfte der Flüssigkeit verflogen, was sie nicht weniger unheimlich macht. Viel schlimmer aber ist die kleine Armada ausgestopfter Meeresbewohner, die in geschlossener Formation auf uns zukommen, in den toten Augen immer noch etwas Vorwurfsvolles.

Da hilft nur die Flucht hinaus in den Garten. Die meisten Pflanzen hier gehören der Gattung der „Ja, genau, warte mal, gleich fällt mir das wieder ein“-Gewächse an. Bei den anderen erkennen wir bald ein Muster. Steht da ein Baum, Busch oder Blümchen, das wir kennen, hat es mit Sicherheit ein Schildchen, das es in Latein, Portugiesisch und Englisch vorstellt. Stehen wir aber rätselnd vor etwas Grünem, ist weit und breit kein Schild zu sehen. So kann der Garten meine Erwartungen (die zugegebenermaßen sehr hoch waren) da nicht ganz erfüllen. Was aber wirklich phantastisch ist, ist das riesige Areal der Kakteen und Euphorbien. Die reine Freude an der Biestigkeit, mit der sie ihre Stachligkeit in Szene setzen, fasziniert mich. Dazu kommt, dass ich Kakteen in Baumgröße noch nie in Freiheit gesehen habe, wirklich toll.

Blöd ist allerdings, dass dann das untere Tor geschlossen ist und wir dafür den ganzen langen Weg – natürlich bergauf, war ja klar – zum Eingang zurücklaufen müssen. Dafür steht der 31er Bus wartend genau gegenüber. „Fährt erst in 40 Minuten, Madame“, informiert uns der Taxifahrer, „Ich fahre Sie sofort, 10 Euro.“ Wir diskutieren, da senkt er den Preis erst auf acht, dann auf sechs Euro, bis zum Markt. „Sechs Euro, Madame, der Bus kostet schon vier!“ Ich will aber nicht zum Markt, ich will zum CR7. Fährt er auch, aber – da weiter – für acht Euro.

Hätte mich jemand vor zwei Tagen gefragt, hätte ich bei CR7 auf eine Diskothek oder eine angesagte Bar getippt. Inzwischen weiß ich, dass es ein Museum ist, gewidmet einer Person, die Fußball spielen kann. Nicht, dass ich da jemals das Verlangen zur Besichtigung spüren würde, es liegt nur praktisch für unser Hotel.

Vor dem Museum steht die lebensgroße Bronzefigur des Fußballers im Trikot, in kurzen Hosen. Tausende und Abertausende von Fans haben sie berührt und so die Bronze an bestimmten Körperteilen goldglänzend poliert.

Ich gebe Euch mal einen Tipp: es sind nicht die Hände…


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