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Reisearchiv: G wie Griechenland – Santorini

Man kann ja zu Frau Merkel stehen, wie man will, Fakt ist doch, dass sie zurzeit viel um die Ohren hat und es dabei doch keinem Recht machen kann.

Gut, haben wir uns gedacht, entlasten wir die arme Frau ein bisschen und kümmern uns mal selbst um die Stärkung der griechischen Wirtschaft. Natürlich war der Gedanke nicht ganz uneigennützig. Wenn wir in Griechenland ein paar Euronen persönlich investieren, springt vielleicht noch der eine oder andere Ouzo für uns mit raus, dachten wir. Euros, die Frau Merkel anvertraut werden, haben so eine Tendenz zu verschwinden.

Nachdem wir unser vollstes Vertrauen in das Fortbestehen der griechischen Wirtschaft durch das Buchen von griechischen Inlandflügen und Fähren bewiesen hatten, bewiesen wir unseren gesunden Menschenverstand durch das Buchen der Hin- und Rückflüge bei einer Schweizer Airline.

Da wir wegen der Kykladen-Idole auf die kykladischen Inseln wollten, die größte Sammlung aber eben nicht dort, sondern in Athen ist, fingen wir mit Athen an. Athen, tja. Heiß, staubig, anstrengend, so gar nicht mein Ding. Aber wenn man schon mal da ist, kann man ja auch gerade noch die Akropolis… Wär ja schade drum, sonst…

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Unser Hotel war eine Straße vom neuen, modernen Parthenon-Museum entfernt, sodass man den hell erleuchteten Kubus mit dem rekonstruierten Fries durch die Nacht schimmern sah. Auf der Dachterrasse hatte man außerdem auch noch einen ungehinderten Blick auf die Akropolis und man konnte sich anhand der fantastischen Lage schon mal ausrechnen, wie anstrengend die morgige Stadtführung werden würde. Unsere Führerin sprach sehr gutes Englisch, war aber Griechin genug, um den Engländern in der Gruppe bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben, dass man das, was sie im Britischen Museum stolz als die „Elgin Marbles“ zeigen, eigentlich „die von Lord Elgin geklauten Parthenon-Statuen“ nennen müsste. (Von Pergamon schien sie noch nicht gehört zu haben – und wir haben es ihr auch nicht verraten.)

Am dritten Tag ging’s morgens um fünf los nach Piräus, wo wir bei Sonnenaufgang mit der Fähre Richtung Santorini losfahren wollten. Wir hatten uns das sehr seefahrer-romantisch vorgestellt, die Nase im Wind durch die Ägäis zu tuckern. Auf Deck stehend den Sonnenaufgang zu beobachten, die ganze Kitsch-Palette eben. Das Warten am Hafen in der Morgendämmerung hatte dann auch etwas von Aufbruchstimmung. Dann bekam man aber feste Sitzplätze im Inneren zugewiesen, da die Fähre ein geschlossenes Schnellboot war. Die Fähre fuhr langsam aus dem Hafen hinaus und sprang dann förmlich nach vorne, die Gischt schlug gegen die Fensterscheiben und man war dankbar für den Schutz. Von Tuckern konnte also keine Rede sein, das Boot schoss mit einigen wenigen Stopps auf kleineren Inseln über das Meer nach Santorini.

p2012_10_04_16h03_42Natürlich hatte ich gewusst, dass die Insel der stehengebliebene Rest eines Vulkankraters ist. Was ich mir aber nicht klar gemacht hatte, war, wie steil diese Kraterhänge waren. Und dummerweise hatte ich mir auch keinerlei Gedanken darüber gemacht, dass der Hauptort Fira bekannterweise ganz oben am Kraterrand ist, Meer und Hafen aber logischerweise ganz unten. Außerdem hatte die Fähre „die scheel Sick“ von Fira angelaufen, den „Arbeitshafen“ sozusagen und nicht den Touristenhafen, wo Taxis und Eselkarawanen warteten. Ein fahrbarer Untersatz musste her. Natürlich gab es mehrere Autoverleiher am Hafen, einer einheimischer als der andere. Während wir unsere Koffer übers Kopfsteinpflaster zogen, konnten wir eine interessante Entwicklung beobachten: je weiter man von der Anlegestelle wegging, desto billiger wurde der Mietpreis und desto besser sahen die Kleinwagen aus. Auch die Tankregel war sehr flexibel. Der Vermieter schaute auf die Tankuhr, halb leer, und meinte, wir sollten einmal tanken und dann das Auto auch einfach abgeben. In drei Tagen könnten wir auf Santorini gar nicht so weit fahren, dass der Tank leer werden würde. Los ging es, zuerst in engen Serpentinen den Hang hoch, dann oben auf der Hochebene nach Akrotiri, wo wir unser Hotel zu finden hofften. Wir waren natürlich nicht die einzigen Touristen. Die anderen waren jedoch zumeist nicht im Auto unterwegs. Die meisten Paare, die wir sahen, fuhren Quads. Es gab ein festes Rollenschema. Vorne saß Papa, mit Helm und Sonnenbrille, ein glückliches, aber leicht dämliches Grinsen im Gesicht, allen Easy-Rider-Fantasien freien Lauf lassend. Hinten klammerte sich Muttchen an Papa fest, die Todesangst im Gesicht. Gemeinsamer Urlaub ist was Feines!

p2012_10_02_15h14_00Wir hatten ein Hotel am „unschicken“ Ende von Santorini ausgesucht, schließlich will man ja nicht unbedingt Brangelina über die Füße laufen. Das kleine aber feine Hotel lag direkt am Kraterrand mit überwältigendem Blick auf die am Rand klebenden Hauptsiedlungen. (Ich weiß natürlich nicht, was die vom Blick auf uns hielten). Wir hatten uns ein bisschen Luxus können wollen und ein Zimmer mit Balkon und Meerblick gebucht. Aber das ging dann irgendwie schief. Als wir eincheckten, sagte uns die Managerin, unser Zimmer mit Balkon sei leider vergeben worden und nun sei nur noch p2012_09_30_19h42_45eine „Senior-Suite“ frei, mit Whirlpool und eigenem Swimmingpool auf der eigenen Terrasse. Da wir dem Luxus durchaus nicht abgeneigt sind, haben wir den Tausch akzeptiert. Notgedrungen… Es gefiel uns dann so gut, dass wip2012_10_01_11h55_45r diesen Luxus noch einen Tag länger als geplant genossen haben. Der abendliche Blick – bei Vollmond die ersten Tage – über das dunkle Meer zu den erleuchteten Siedlungen am Kraterrand war traumhaft! Wobei das natürlich nicht heißen soll, dass es tagsüber langweilig war, nach absolviertem Kulturprogramm dem Spiel der Kreuzfahrt-Leviathane zuzuschauen.

Auch das Essen war großartig, wenn man „fried“ irgendwas vermeiden konnte. Diese Vorliebe, alles, was nicht schnell genug weg ist, in Frittierfett zu schmeißen, ist schwer nachvollziehbar. Aber gegrillte Meeresfrüchte – ein Traum. Monsieur musste laut loslachen, als die erste große Platte kam: ich hatte völlig unbewusst spontan beide Ärmel hochgekrempelt – um der vor mir liegenden kulinarischen Aufgabe gewachsen zu sein!

p2012_10_02_11h52_28Kultur auf Santorini ist anstrengend. Die meisten prähistorischen Siedlungen liegen auf den Bergspitzen, die modernen Straßen führen an die Orte an den Stränden. Und dazwischen liegen vielp2012_10_02_12h02_40e staubige, heiße Höhenmeter. Aber wir waren ja nicht (nur) zu unserem Vergnügen dort. Und einmal oben, musste man die alten Griechen für ihr Geschick in Immobilienfragen bewundern: keine Nachbarn, freier, unverbaubarer Blick in fast alle Himmelsrichtungen. Nur an der Verkehrsanbindung, da müssten sie noch ein bisschen arbeiten.

Der einzigen Stadt, die nahe beim Meer lag, wurde das dann zum Lebensretter. Sie haben mein vollstes Mitgefühl, die Bewohner von Akrotiri. Vor 3500 Jahren erbauten sie ihre Stadt, brachten ihre Kultur zur Blüte und dann kam eine Katastrophe nach der anderen. Mehrere Erdbeben verwüsteten die Stadt, aber die Bewohner bauten sie immer wieder und immer wieder ein bisschen schöner auf. Die mehrstöckigen Häuser lagen an gepflasterten Straßen, unter den eine Kanalisation verlief. Auf den Hauptplätzen waren die Fassaden verziert und in den Häusern gab es prachtvolle Gemälde. Das alles wurde bei einem Vulkanausbruch verschüttet. Da man unter der Asche keine Toten fand, nimmt man an, dass sich die Bevölkerung in Boote gerettet hat. Ein klp2012_10_02_10h08_22einer Teil der Stadt ist jetzt ausgegraben und unter einem Hallendach gescsantorinhützt für Besucher zugänglich. Während wir auf den Stegen an den Gebäuden entlang durch die alten Straßen gingen, stieg ein älterer Herr in kurzen Hosen und Badelatschen einfach über die Absperrung, schlappte in die Ausgrabung hinein und fing an, mit einem billigem Knipsomat Bilder zu schießen. Erst gab es bei einigen Mitbesuchern unwilliges Murren, dann stieg einer ebenso über die Absperrung. Einen Pfiff und aufgeregte Diskussionen mit dem Personal später war klar: der alte Herr durfte das. Er war der Ausgrabungsleiter.

Santorini ist ja berühmt für seine Caldera, seine Shopping-Möglichkeiten und seine Weine. Die Weine waren süß, schwer und teuer, drei Eigenschaften, die wir beim Wein eher nicht so mögen. Die Caldera ist wirklich atemberaubend schön – wenn man sie aus dp2012_10_01_13h29_11er Ferne genießen kann. In den Hauptorten wimmelt es von Kurzbesuchern, die in Großgruppen von den Kreuzfahrtschiffen – Typ Käfighaltung für Menschen – aus im Stundep2012_10_01_12h01_37ntakt durch Fira und Oia geschleust werden. Mit einem bunten Klebepunkt auf dem T-Shirt, damit man auch nur ja zur richtigen Gruppe und zum richtigen Schiff zurückfindet. Hatte für mich was von Kindergartenausflug. Und Shopping – nun ja. Ich hatte Monsieur gerade klar gemacht, dass der Sinn einer Einkaufsstrasse nicht darin besteht, auf dem schnellstmöglichen Weg von Punkt A nach Punkt B zu kommen, als die Menschenmassen über uns hereinbrachen. Und das löste bei ihm einen Fluchtreflex aus. Also nix mit Shopping.

p2012_10_01_13h07_30Wir haben uns dann doch noch einmal zurückgetraut nach Fira, morgens ganz früh, als die Schiffe noch schliefen. Sind den Uferweg gelaufen nach Imerovigli, von einem Café zum nächsten. Die Eselchen lagen noch schräg an die Häuserwände gelehnt, dösend, auf die Touristen wartend. Die Boutiquen hatten noch zu. Friedlich.


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