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Reisearchiv: I wie Israel – Eilat

Eilat war meine erste Begegnung mit den großen Luxus-Bettenburgen. Dabei hatten wir schon das preiswertere Konferenzhotel gewählt, das ohne den Riesenwasserfall in der Lobby. Und die preiswertere Zimmep2008_11_10_15h53_05rkategorie. Aber als wir nachts mit der Plastikkarte vor der Tür standen, tat sich gar nichts. Dreimal runter in die Lobby, dreimal Abwimmeln der Art „Versuchen Sie es mal mit dem Streifen nach oben, oder ganz langsam, oder ganz anders…“ Irgendwann war uns das dann zu dumm und wir haben darauf bestanden, dass der junge Mensch von der Rezeption unser Zimmer öffnen sollte. Und siehe da, plötzlich wurde ein Handwerker gerufen. Der die Tür aber auch nicht öffnen konnte.

p2008_11_10_15h53_39Inzwischen war es sehr spät oder besser gesagt sehr früh und man bot uns dann ein Zimmer in den oberen Etagen an, ein Up-Grade in die Business Class sozusagen. Das Zimmer war traumhaft schön, riesengroß mit einer Fensterfront zum Meer (allerdings auch zu der dort stattfindenden Jahrmarktsbelustigung). Mit dem Umzug hatten wir jedoch nicht nur die Etage und das Zimmer gewechselt, nein, man bekam auch den kostenlosen Zutritt zur Business Lounge und ihren kleinen Extras. Das sah dann so aus: von sieben bis zehn Uhr war das Frühstücksbuffet im Restaurant geöffnet, um zehn Uhr öffnete die Business-Lounge und bot Lachs, Kaviar und Sekt, Croissants, kleine Törtchen und Kaffee. Dort musste man sich auch nicht selbst bedienen, bewahre, eine junge Kellnerin stand bereit, das von dir gewählte an deinen Tisch zu bringen. Das Ganze bis zwölf Uhr, zu welchem Zeitpunkt die Lounge schloss und das Lunch-Buffet im Restaurant eröffnete. Dann wurde es wirklich hart. Denn während das Lunch-Buffet um 14 Uhr schloss, musste man tatsächlich bis halb drei warten, um in der Lounge wieder an Törtchen oder Lachs-Sandwichs zu kommen. Ab 17 Uhr wurden dann auch alkoholische Getränke angeboten, jedoch wiederum nur bis 18 Uhr, weil dann – ihr erratet es sicher schon – das Abend-Buffet im Restaurant öffnete. Vielleicht gibt es tatsächlich Touristen, die sich das als Freizeitbeschäftigung für ihren Urlaub auswählen: durchessen.

Gut, mein Ding war das nicht. Ich hatte meist morgens am Frühstücksbuffet schon genug von meinen Mitgästen und ihren Essgewohnheiten. Das Buffet bot eine riesige Auswahl vom Feinsten: meterlange Tische mit Räucherfisch-Leckereien, mit Aufschnitt und Käse. Eine ganze Ecke war nur Brot und Brötchen in allen Variationen gewidmet. Das Obst-Buffet war eine Orgie exotischer Köstlichkeiten. Da dies natürlich nicht genug war, gab es Kochstände, wo du dir – zum Frühstück wohlgemerkt – deine Lieblingspizza backen lassen konntest oder ein Steak bestellen konntest. Selbstverständlich gab es eine Theke, die sich nur damit befasste, Eier in allen Formen und Garzuständen herzustellen. Und dann kamen dir deine lieben Mitmenschen entgegen: in der einen Hand einen Teller, randvoll und hoch angehäuft mit Essen vom Buffet, in der anderen den Teller mit ihrer Pizza, ihrem Steak oder Omelett. Stellten beides an ihrem Platz ab, pickten mit der Gabel ein-, zweimal daran herum, schoben die vollen Teller in die Tischmitte, standen auf und gingen wieder zum Buffet. Undp2008_11_10_17h21_49 die Bedienungen räumten schweigend die fast vollen Teller ab, gerade rechtzeitig, bevor die Gäste mit neuen Tellern zurückkamen und das gleiche Spiel von Neuem begann.

Ab dem zweiten Morgen haben wir uns mit unseren Freunden so gesetzt, dass wir mit dem Rücken zu all diesem saßen.

Während wir Frauen ja Ferien hatten, mussten Monsieur und Kollege zur Konferenz in das Konferenzhotel, das richtig teure, das richtig luxuriöse Hotel. Dort gab es dann um zehn Uhr zur Kaffeepause ein Kuchenbuffet und um zwölf Uhr ein Lunch-Buffet gegen das unser Frühstückbuffet wie die Suppenküche der Caritas wirkte.

An einem Abend gab es in diesem Hotel einen Vortrag eines Meeresbiologen zum Golf von Akabp2008_11_10_17h20_40a, seinen Korallen und Fischen. Wir sind im Hotel eine Viertelstunde stramm gelaufen, von der Lobby, durch die Halle, die Flure, vorbei an Tagungsräumen und Konferenzsälen, bis wir unseren Saal erreicht haben. Wahrscheinlich hätte ich mich in diesem Hotel schon auf dem Weg zum Frühstück hoffnungslos verlaufen.

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich mit dieser Art von Hotels hoffnungslos überfordert bin.

 

Eilat selber ist eine ganz seltsame Mischung aus Wildwest-Bordertown, Las Vegas und Berlin in einen John Le Carré Spionage-Film. Am Roten Meer stehen riesige Hotelkomplexe, einer größer und luxuriöser als der andere. Nachts glitzern die Leuchtreklamen in allen Farben. Dazwischen die Shopping Malls mit all den großen und teuren Namen, die meine Töchter „fast echt“ auf den Straßenmärkten shoppen. Anders als in Europa mischen sich hier aber Soldaten in Uniform, das Maschinengewehr in der Hand, unter die Menschenmenge. Willst du einen dieser hochpreisigen Konsumtempel betreten, musst du dich filzen lassen. Und zwar gründlicher als ich das an jedem Flughafen erlebt habe. Allerdings gilt das nicht nur für diese Einkaufszentren, auch in der Post gehen deine Handtasche und du erst durch ep2008_11_10_12h36_40inen Scanner, bevor du Briefmarken kaufen kannst.

An der Strandpromenade hast du dann das typische Gemisch aus kleinen Buden, die fast echte Markenklamotten, Souvenirs oder Granatapfel-Saft verkaufen. Dazwischen steht das Denkmal für die israelischen Soldaten, die dieses Stück Land 1949 eroberten und so Israel einen Zugang zum Roten Meer verschafften.

 

Was kann man in Eilat machen, wenn man nicht durchessen will? Gut, auf der einen Seite liegt das Rote Meer, auf der anderen Seite die Negev.

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Fangen wir mit der Negev an. Ein Naturpark namens Timna trägt den gleichen Namen wie die ziemlich scheußliche Mine direkt neben dem Schutzgebiet. Timna bietet neben bizarr-erodierten Felsformationen uralte Kupferminen und Tempelanlagen. Noch älter sind die in die Felsen geritzten Zeichnungen. Allen gemeinsam ist, dass sie über steile und staubige Wege zu erreichen sind. Der moderne Mensch klettert eine nicht sehr vertrauenserweckende Leiterkonstruktion hoch und schaut dann von oben in einen kreisrunden Schacht. Handgriffe rechts und links in diesem Schacht sind der Beweis, dass dies der Ausstieg der Mine ist. Und dass Menschen tagtäglich mit schweren Tragekörben voller Mineralien diesen engen Kamin hochgeklettert sind.

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Am Fuß der steilen Berge liegen mehrere Tempel, die die Ägypter dort vor 3000-4000 Jahren für Hathor angelegt haben und die Midianiter etwa 1000 Jahre später für ihre Gottheiten „recycelt“ haben. Sie zerschlugen die Hathor-Statuen und entfernten die Hieroglyphen und schon wurde aus dem Hathor-Tempel ein Midianiten-Heiligtum.

In der Nähe gibt es auch noch die sogenannten „Säulen Salomons“, vom Wind geformte „Tempelsäulen“.

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In einem kleinen Besucherzentrum wird man gegen Geld angeleitet, mit farbigem Sand „Muster“ in eine Flasche zu schütten. Viel interessanter ist es aber, außerhalb des Parks einfach mal vor seine Füße zu schauen. Man findet Steine mit winzig kleinen kupfergrünen Einschlüssen.

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Das Rote Meer bietet im Golf von Akaba eine Fülle von Korallen und Unterwasserflora und – fauna, obwohl das Klima eigentlich zu kalt für Korallen ist. Das liegt daran, hatte uns der Biologe erklärt, dass genau vor dem Eingang des Golfes unter dem Meer eine Felsbarriere bis auf wenige Meterr unter die Wasseroberfläche reicht. Was wiederum dazu führt, dass das warme Oberflächenwasser ungehindert in den Golf strömt, die kalten, tiefen Meeresströmungen ihn aber nicht erreichen. Die Vielfalt der Fische kann man beim Baden, nur wenige Schritte vom Strand ins Meer, schon erleben. Dutzende bunter kleiner Fische flitzen zwischen deinen Füßen umher, die frechsten knabbern dir die Zehen p2008_11_10_12h43_47an. Die Korallen aber gibt es nur an bestimmten Küstenabschnitten und sie stehen unter Naturschutz. Diese kleinen Wunder wollten wir nun auch sehen und hatten einen Vormittag Tauchkurs reserviert. Um es gleich vorweg zu nehmen: Tauchen ist nicht mein Sport. Ich habe es versucht, mit Mühe. Auf Tuchfühlung mit Korallen und Mantas zu schwimmen war ein tolles Gefühl, das aber doch arg beeinträchtigt wurde durch meine mühsam unterdrückte Panik, wenn meinem Kopf wieder klar wurde, was mein Körper da tut. Und besonders wo er es tut, acht Meter unter der Wasseroberfläche. Aber ich kann gönnen und so bin ich friedlich geschnorchelt und habe Monsieur beim Schwimmen mit Mantas zugesehen.

 

Am Ende der Woche standen noch zwei Dinge an: das Konferenzdinner und ein Trip nach Jerusalem. Das Konferenzdinner sollte in einem Beduinenzelt bei den Säulen Salomons stattfinden und war – wie unsere Freunde später erzählten – eine sehr kalte, sehr windige und sandige Angelegenheit. Und Jerusalem fiel genau auf den 18. Geburtstag meines Jüngsten. Da muss man halt mal Prioritäten setzen.

Und deshalb steht Jerusalem noch auf unserer „To-Do-Liste“.

 

 


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