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Einmal Käse nach Berlin

Also, ich weiß nicht, was das ist mit uns und den Berlinflügen. Wir wollen doch nur mal eben dahin, mal eben nach Berlin. Nicht hethitische Löwen streicheln, nein, die Älteste macht ihren Abschluss und die geländegängigen Eltern sollten doch bitte eine repräsentative Auswahl französischen Käse-Schaffens zur anschließenden Feier mitbringen. Gut, sie hat die Einladung etwas anders formuliert, aber wir können ja zwischen den Zeilen lesen. So wird unser Koffer zum Käse-Transporter umfunktioniert und weil wir ja wissen, dass da so etwas ist mit uns und den Berlinflügen, fahren wir mit einer guten halben Stunde Zeitpuffer los. Eingecheckt sind wir, es muss nur der Käse-Transporter „ge-baggage-dropped“ werden, wahrscheinlich werden wir uns eine Stunde am Flughafen langweilen. Und dann steht hinter der französischen Grenze alles. Die Zeit verstreicht und nichts geht. Unser Zeitpuffer ist hin, als wir endlich auf den Flughafen-Zubringer kommen und ich dirigiere Monsieur hinter einem Bus her auf den Schleichweg zum Airport-Bahnhof. Monsieur fragt noch gestresst „Bist du dir sicher?“, was ihm eine strafend gehobene Augenbraue einbringt. Wer holt denn hier seit Jahren die Kinder vom Flughafen ab? Es klappt auch alles hervorragend, bis wir kurz vorm Bahnhofs-Parking auf die Schlange all der Autofahrer treffen, die die gleiche coole Idee gehabt haben. Ein Parkhaus ist schon besetzt, das andere zeigt vier freie Plätze und wir treffen eine Entscheidung. Besser ein Eltern mit Käsetransporter im Flieger nach Berlin als zwei Eltern mit Parkplatz in Genf. Und so erfinde ich die neue Trendsportart „Koffer-Joggen“. Durchs Parkhaus unter der Arena durch, durch die Bahnhofshalle, durch die Abflughalle, weil unsere Airline natürlich an den Schaltern 1-10 eincheckt. Ich komme die sprichwörtlichen fünf Minuten vor Schalterschluss an – vor mir Hunderte von Fluggästen, die mit dieser Airline wo anders hinwollen. Da werfe ich der nächstbesten Angestellten den Käsetransporter vor die Füße und jappse mit letzter Kraft „Berlin! Berlin!“, woraufhin sie sofort die Absperrung öffnet und mich zum nächsten Schalter bringt. Die Dame dort schaut sehr pointiert auf ihre Uhr und meint: „In drei Minuten wäre es zu spät gewesen.“ Ach nee, echt jetzt? Aber drei Minuten, drei Sekunden oder drei Tage, das ist mir jetzt so was von egal, der Käsetransporter ist schon mal gut auf dem Weg nach Berlin und ich habe Zeit mich um anderes – sprich Monsieur – zu kümmern. Der kommt mir aber schon durch die Halle entgegen, auch im Laufschritt und grinst: „Ich habe geparkt, keine Ahnung, wo. Ob wir unser Auto jemals wieder finden, weiß ich nicht!“ Aber das ist ein Problem, um das wir uns erst in drei Tagen kümmern müssen.

In Schönefeld werde ich draußen kurz an die Seidenstraße erinnert. Orientalisch aussehende Männer – allerdings in Neon-Westen mit dem Schriftzug einer Taxi-Gesellschaft – kanalisieren die Ströme der Reisenden mit Worten und Gesten: „Folgen! Follow me! Follow Sie mich!“ Unser Taxifahrer ist dann allerdings ein ganz junger Pole, der den Namen unseres Airport-Hotels in sein Handy eingibt und losfährt. Ausfahrt Adlershof ist schnell da, dann verlieren wir uns in kleineren Straßen, bis er vor einem Studiogebäude stehen bleibt und sich umdreht. „Es ist nicht hier!“, sagt er verzweifelt. „Es soll hier sein, aber es ist nicht hier!“ Nun ist ein Airporthotel ja kein Schlüsselbund, den man schon mal verlegt oder verliert. Monsieur fragt seine Lebensgefährtin, ich suche meine Buchung heraus und buchstabiere die Adresse. Der junge Pole schaltet den Taxometer aus und folgt Monsieurs Anweisungen. Das verlegte Airport-Hotel taucht dann tatsächlich auf, aber der Fahrer will uns partout vor dem Konkurrenzhotel auf der anderen Straßenseite absetzen. Als wir ihn darauf aufmerksam machen, ist er fast zerknirscht: „Ich habe eine kleine Tochter, fünf Wochen alt. Und ich kann doch nicht immer nur meine Frau nachts aufstehen lassen!“, erklärt er seinen Zustand. Da haben wir ihm noch etwas auf den Fahrpreis draufgelegt und ihn nach Hause geschickt.

All das hat uns doch recht durstig gemacht und so stehen wir kurz vor Mitternacht noch mal in der Bar in der Lobby und bestellen zwei Bier. Der junge Barkeeper schaut auf und meint: „Oh, das wird jetzt aber peinlich für mich!“ Und erzählt eine Geschichte von einer Großveranstaltung gestern und einem unzuverlässigen Lieferanten heute. Kurzum: Bier ist aus.

Ich weiß wirklich nicht, was das ist mit uns und Berlin…

B wie alte Bekannte

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Meine Löwen im Pergamon-Museum kann ich ja nicht besuchen, aber da gibt es noch ein paar alte Bekannte, bei denen ich bei jedem Berlin-Besuch gerne vorbeischaue.

B-sa1Das alte Viertel um den Spittelmarkt und die Fischerinsel mit seinen Kanälen und Brücken etwa. Angeblich hat Berlin mit seinen 600 Brücken mehr Brücken als Venedig, Amsterdam und Stockholm zusammen!

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In diesem Bild ist die Nikolai-Kirche versteckt. Findet Ihr sie?

Dann zum Nikolai-Viertel und dort zum Museum Ephraimspalais, das angeblich das schönste Geländer Berlins besitzt. Die Ausstellungsidee, Berliner Stadtgeschichte an 20 außergewöhnlichen Frauenleben festzumachen, fand ich toll. Die Begrüßung am Empfang auch. Die Mitarbeiter waren so freundlich, dass ich dachte, ich bin die erste und einzige Besucherin. B-sa3Allerdings hörte ich dann bald darauf eine ganze Busladung Besucher durch den ersten Stock trompeten. Nur, als ich selber in diese Ausstellungsräume kam, entpuppte sich die wild gewordene Busladung als zwei (2!) Italiener, die mit voller Lautstärke jeden Text ins Italienische übersetzten und dann ausgiebigst diskutierten.

Vom oder vielmehr durch’s Nikolai-Viertel ging es zu Fuß über die Spandauer Straße zu den Hackeschen Höfen.

B-sa7Da durch zu schlendern ist fast so gut wie Flohmarkt, was „Gute-Laune-Doping“ angeht. Und dann waren es nur wenige S-Bahn-Stopps bis zur Neuen Synagoge, deren filigrane Schönheit mich beim letzten Mal so fasziniert hatte. Tja, dummerweise hatte ich nicht daran gedacht, dass Samstag, also Sabbat, war.

berlin05Deshalb gab es nur eine Besichtigung von außen, allerdings im immer kälter und einschneidender blasenden Ostwind. Als die Sonne dann noch hinter den Wolken verschwand und es tröpfelte, wurde es Zeit für einen neuen Plan.

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Ich weiß nicht, wie der Alexanderturm das jedes Mal schafft…

Was macht man in einer fremden Stadt, wenn das Wetter scheußlich ist?

Museum? Hatte ich schon!

Schön Kaffee trinken und Kuchen essen? Ganz ehrlich? Wenn ich noch ein Stück Kuchen mehr esse, kann ich mich nicht mehr ans Spree-Ufer setzen. Ich hätte Angst, dass GreenPeace-Aktivsten versuchen, mich wieder ins Wasser zu wälzen.

Und das dritte? Genau!

Meine Scheckkarte hat  noch immer weiche Knie und ist ein bisschen blass um die Nase…

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Und schon wieder!

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Fast schon unverschämt, wie er sich überall reindrängelt!

B wie ein paar Bilder

Heute musste ich eine wirklich schockierende Erfahrung machen: nicht alles, was im Internet steht, ist richtig und wahr. Ehrlich! Der als „geöffnet: jeden Tag“ bezeichnete Flohmarkt war es dann doch nur am Wochenende. Also war da nix mit Gute-Laune-Doping.

Trotzdem gab es andere Gute-Laune-Momente. Zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee mit anzuhören, wie am Nachbartisch eine französische Familie erst heimlich übt, um dann fast akzentfrei „Ayné Cöhriewürst, bittée“ zu bestellen.

Oder die heiße Schlacht um meinen Kuchen gegen eine immer zahlreicher und frecher anschwirrende Spatzenschar.

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Das Deutsche Historische Museum hat sich einen lichten Anbau geleistet, in dem Sonderausstellungen stattfinden. Ich habe ein paar Minuten lang gewartet, um den Schriftzug „Einheit“ ohne Passanten fotografieren zu können. Dann habe ich endlich verstanden: Einheit ohne Menschen, das geht eben nicht.

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Die Zeitausstellung im Alten Zeughaus führt durch 1500 Jahre deutscher Geschichte.

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Wobei einige der zeitgenössischen Ausstellungsstücke auch sehr ansprechend sind.

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Der Besuch der  Gedenkstätte Berliner Mauer mit ihren vielen Stelen, die einzelne Schicksale nachzeichnen, oder den in den Gehsteig eingelassenen Gedenkplaketten ist sehr beeindruckend.

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B wie Baustelle

 

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Die Kuppel des Berliner Doms spiegelt sich in der Humbold-Box

Monsieur hat nur heute Zeit für Berlin, da er ab morgen drei Tage lang in irgendwelche Konferenzräume eingesperrt sein wird.

Also machen wir heute ein Monsieur Special und schauen uns das an, was er möchte.

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Oder vielmehr das, was er bei früheren Besuchen ausgelassen hat.

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Mit gutem Grund, wie wir bei einigen Zielen ( ich sage mal nur: Deutsche Oper) feststellen.

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Zum Ausgleich gibt es dann eine wirklich sehr gut getimte Fahrt auf der Spree. Beim Aussteigen fallen die ersten Regentropfen.

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Trotzdem muss Monsieur noch schnell kontrollieren, dass das mit dem Stadtschloss auch ordentlich vorwärts geht.

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Das Stadtschloss interessiert mich weniger, deshalb schauen wir noch kurz bei „meinem“ Pergamonmuseum herein.

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Das scheint noch zu dauern mit dem Pergamon-Museum

Also wundert Euch nicht, wenn die Hälfte der Bilder Baustellen zeigen. Das ist Berlin.

Und das natürlich auch…

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Deutsch für Fortgelaufene

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Getreu dem Kästner Spruch: Toren bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen,  ist unsere erste Tat gestern in Berlin das Suchen eines Lokals. Es ist allerdings schon ziemlich spät, so dass wir den Suchkreis auf die direkte Umgebung des Hotels einschränkten und gegen halb zehn in einem indonesischen Lokal Rendang und Tintenfisch mit Wasserspinat bestellen, wahrscheinlich inzwischen typische Berliner Gerichte. Der Wirt, Deutscher, erzählt uns, der Koch, Indonesier, sei so gut und fleißig, dass er ihn unbedingt behalten möchte. Papiere wären alle beantragt, nur den Sprachtest, an den würde der Koch sich nicht rantrauen. Allerdings weiß der Wirt selber nicht, wo die Anforderungen liegen. Erst erzählt er was von A1, dann von A2 und schließlich von B2. A1 und A2 sind recht einfach im Gespräch abzutesten, der Wirt ruft den Koch: „Du kommen, Frau machen Test mit dir.“ Und ich muss erstmal den Wirt rüffeln, welches Deutsch sein Koch denn lernen solle und wie er richtiges Deutsch lernen solle, wenn man in dieser Dumm-Sprache mit ihm rede. Im Laufe einiger Fragen stellt sich heraus, dass der Koch die typischen Anfängerfragen durchaus versteht, aber so schrecklich schüchtern ist, dass er sich mit den Antworten ganz furchtbar abquält. Gegen Schüchternheit hilft üben, am besten mit dem geduldigsten aller Lernpartner, dem Computer. Ich schreibe dem Koch meine Lieblings-Deutsch-Lernen-im-Internet-Adressen auf, er stellt uns einen Teller mit Frühlingsrollen hin. Wissen gegen Essen, ein fairer Tausch, finde ich, den wir so in keinem Museum hätten erleben können.