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Sh*t happens

e1Stoa hin und Stoa her, es gibt Tage, die eher der philosophischen Schule des Sh*t happens anhängen.

Heute Morgen will ich Monsieur meine top five von Thessaloniki zeigen. Aber damit auch für mich noch etwas Neues dabei ist, wollen wir mit der Osios David Kirche des alten Latamou-Klosters anfangen. Ganz uneigennützig ist der Vorschlag nicht. Dieses Kloster liegt in einem Gewirr engster Gässchen, in die kein Taxi vordringen kann. Und mein Stadtplan auch nicht. Ich habe ja nur ein Dummphone, ein Handy, das sich in seiner Dummheit (oder Weisheit?) aufs Telefonieren beschränkt. Für so diffizile Aufgaben wie der Orientierung in schmalen Gässchen kommt mir Monsieurs Lebensgefährtin dann aber ganz zupass. Damit Monsieur gar nicht erst auf den dummen Gedanken kommen kann, da zu Fuß hoch laufen zu wollen, stoppe ich ein Taxi und halte meinen Zeigefinger auf den Stadtplan. Der Taxifahrer nickt und erklärt dann wort- d.h. eher gebärdenreich, dass er uns in die Nähe fahren kann, wir den Rest aber – Zeige- und Mittelfinger werden wie im Laufschritt bewegt. Wir verstehen.

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Die kleine Kirche, von der wir uns viel erwartet hatten, ist dann eher enttäuschend. Unesco-Weltkulturerbe wohl deshalb, weil sie einen wichtigen Wendepunkt in der Architekturgeschichte darstellt. Von dem aber in dem, was heute übrig ist, fast nichts mehr zu erkennen ist. Trotzdem liegt das Kirchlein sehr schön, mit Blick auf die Bucht, und wir wissen nun, dass wir uns nicht sagen müssen: Hätten wir in Thessaloniki doch nur noch…

Von dort aus geht es bergab, meinem Stadtplan nach. Monsieur wirft ab und an einen Blick auf seine Lebensgefährtin, bis ich ihm die Vertrauensfrage stelle. Er ist ein kluger Mann und steckt sein Handy weg. Der Stadtplan und ich, das ist eine ganz besondere Beziehung. Meist sind die kostenlosen Pläne, die man im Hotel oder in der Tourist-Information erhält, nicht von allerbester Qualität, ein DIN A 3 Blatt, gefaltet, bunt bedruckt. Und mit jedem Auseinander- und Zusammenfalten leidet der Plan ein bisschen. Die Faltkanten werden weich, brüchig, fransen aus. Die Farben bleiben an der Fingerkuppe haften. In der Mitte des Plans tun sich Löcher auf, die sich zu Rissen erweitern, bis man dann gelegentlich mehrere Plänchen in der Hand hält. Für mich sind das die Zeichen, dass ich mich mit einer Stadt auseinandergesetzt habe, mir die Mühe gemacht habe, sie zu erleben, sie ein bisschen kennen zu lernen. So etwas kann doch ein simples Smartphone nicht ersetzen.

Ich zeige Monsieur das Alatza Imaret, lade ihn zum Kaffee im Badehaus ein und führe ihn in die Unterwelt der Agios Dimitrios. Wo er dann die Fotos macht, die ich vorgestern so gerne gemacht hätte. In einer Seitenstraße finden wir ein „Poeten-Café“. Nicht nur, dass die Karte handschriftlich in ein kleines Schulheft eingetragen ist, die Gäste sollen sich frei fühlen, auf den leeren Seiten eigene Gedichte einzutragen.

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Und dann wird meine top five Liste doch arg zusammen gestrichen. Panagia Acheropiitos, die Monsieur, sich verhaspelnd, zu Panagia Archaeopteryx macht – und das bleibt dann haften – ist schon geschlossen und ich kann ihm nicht die Schicht-Mosaiken zeigen. Von den lustigen Ofenrohren ganz zu schweigen. Da waren es nur noch top four. Aber die dunkle Schönheit Agia Sofia hat auch schon die Tore geschlossen. Wieder geöffnet um 18:30. Abfahrt zum Konferenzdinner: 19 Uhr. So wird das nichts mit dem Besichtigen heute.

Das Konferenzdinner soll in einem Strandrestaurant einige 20 km südlich von Thessaloniki stattfinden. Der erste Bus kommt, füllt sich und fährt um 19 Uhr. Wir warten auf den zweiten, der nach einer halben Stunde endlich anrollt. Doch statt die Türen zu öffnen, diskutiert der Fahrer ziemlich aufgebracht durchs Fenster mit einem der Organisatoren. Währenddessen jagt eine Kavalkade Motorradpolizei an uns vorbei. Endlich können wir einsteigen, aber der Fahrer ist so schlecht gelaunt, dass er keinen anschaut und auch nicht auf Begrüßungen reagiert. Es geht los, doch nach einigen Hundert Metern ist die Straße blockiert. Zwei Mannschaftsbusse der Polizei stehen quer über die vierspurige Ausfallstraße, davor eine Sitzblockade von Demonstranten, kritisch beäugt von Motorradpolizisten. Wer auch immer da demonstriert, meine Sympathie hat er. Aber wohl nicht die des Busfahrers, der jetzt auf der Einbahnstraße wenden und sich durch enge, zugeparkte Gässchen in die Parallelstraße zwängen muss. Dort geht es auch kaum vorwärts. An der nächsten Ampel sehen wir den Grund. Die Polizei hat die Straßen um die Demo auf der Strandpromenade herum weiträumig abgesperrt und der ohnehin schon chaotische Verkehr kommt fast vollends zum Erliegen. Statt an der Strandpromenade entlang zum Ziel zu fahren, quält sich der Bus nun unendlich langsam durch die Stadt, bis wir dann auf die Autobahn und in einem sehr weiten Umweg wieder ans Meer kommen. Wir durchqueren einen kleinen Ort, in dem eine Hochzeit aus dem Hof der Gastgeber auf die Straße heraus quillt. Das Brautpaar steht inmitten blauweiß gedeckter Tische und eine kleine Armee von Freunden oder Verwandten wendet Spießchen auf Holzkohlegrills. Auf dem Rückweg hat die Feier dann endgültig die gesamte Straße erobert, aber da haben wir einen anderen Busfahrer, der das genauso amüsant findet wie wir. Kurz vor neun Uhr kommen wir am Ziel an. Die Tische sind nun schon alle besetzt, das Büffet nur noch lauwarm. Aber unten am Strand stehen Tischchen und Stühle und da sitzen wir dann in einer lauen Sommernacht, die Füße fast im Wasser. Gibt Schlimmeres. Gegen zehn Uhr kommt schließlich der letzte Bus an, den das oben erwähnte Prinzip besonders hart getroffen hat. Aufgrund der Absperrungen ist der Bus erst um acht Uhr vorm Hotel erschienen und – kaum losgefahren – mit Motorschaden liegen geblieben. Es dauert eine Stunde, bis der Ersatzbus durchkommt und eine weitere Stunde, bis er endlich am Ziel ist. Das Büffet – vielmehr die Reste – sind nun natürlich kalt. Aber immerhin kommen sie gerade rechtzeitig zur Darbietung der Volkstanzgruppe, die zum Programm des Abends gehört. In wunderschöne Trachten gekleidete Frauen und Männer zeigen das seltsame Balzverhalten des ländlichen Makedoniens. Erst tanzen die Damen, weißes Taschentuch in der Hand, rechts herum, dann die Herren, weißes Taschentuch in der Hand, links herum. Dann das Ganze umgekehrt. So geht es eine Weile, ohne dass es zu einer Berührung, nicht mal der Fingerspitzen, kommt. Da aber die Makedonier nicht ausgestorben sind, wird diese Art des Werbens schon zum gewünschten Ziel geführt haben.

Die Rückfahrt ist dann bis auf die „Straßensperre“ der Hochzeit völlig reibungslos. Allerdings  setzt uns der Bus ein paar Hundert Meter vorm Hotel ab, da die Promenade immer noch durch die Demonstration gesperrt ist.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass dort Flüchtlinge durch die Sitzblockade auf ihre ausweglose Situation in griechischen Lagern aufmerksam machen wollten.

Und damit wird all der „sh*t“, der uns gestern „happened“ völlig belang- und bedeutungslos.

 

Schwarmintelligenz

(Keine Fotos heute)

Die Stoa lehrt uns, unser Schicksal ruhig und gelassen, also stoisch, anzunehmen – habe ich jetzt noch mal schnell auf Wikipedia nachgelesen. Heute ist nämlich ein Tag philosophischer Erleuchtung. Fängt an mit zwei Vorlesungen, die die Organisatoren vor die Exkursion gelegt hatten. Zum einen zu Aristoteles‘ Verständnis von Realität, zum anderen zu den Königsgräbern in Vergina. Aristoteles bekommt es gleich mit der Realität zu tun, als der Sprecher feststellen muss, dass sein Vorgänger aus Versehen die Fernbedienung für den Beamer eingesteckt hat und er uns somit seine Präsentation nicht zeigen kann. Als dieses kleine Problem gelöst ist, geht es los mit Platos Einfluss auf Aristoteles. Dann kommt Aristoteles Definition von Wissen und dann ein nahtloser Übergang zur Thermodynamik. Ab und zu finde ich so etwas ja richtig gut, so eine kleine Lektion in Demut, die mir mal wieder zeigt, wie wenig ich weiß und verstehe. Auch die Königsgräber haben ein Problem, da der eingeladene Archäologe aus familiären Gründen absagen und die Organisatorin deshalb schnell eine Präsentation zusammenstricken muss. Schwerpunkt ist nicht die Information zu den Gräbern, sondern der Hinweis, dass Makedonien immer schon griechisch war, ist und sein wird, dass seine Bewohner, seine Sprache und Kultur immer schon siehe oben und dass niemand das Recht hat, etwas anderes zu behaupten. Dieser ganz offensichtlich heikle Punkt wird mehrmals aufgegriffen.

Dann wird das Plenum aufgefordert, am Ausgang der Halle sein jeweiliges Lunchpaket zu schnappen und sich zu den Bussen zu begeben. Unser Bus schaukelt uns erst mal sehr langsam durch die Dauerbaustelle der U-Bahn und dann durch wenig ansprechende Landschaften zu einer Halva-Fabrik. Das ist wohl als Gegengewicht zu zuviel kulturellem Input gedacht. Jeder bekommt vor der Besichtigung ein Haarnetz zugeteilt. Und nein, es ist kein Trost zu wissen, dass alle anderen genauso bescheuert aussehen mit diesem Ding auf dem Kopf. Wir gehen durch mehrere Räume, in denen Halva und Baclava hergestellt werden und der bleibende Eindruck ist: furchtbar heiß, furchtbar laut und schon beim Zuschauen anstrengend. Meine Hochachtung den Arbeitern und Arbeiterinnen. Im zweiten Teil der Führung gibt es natürlich die Verkostung dieser süßen Teile. Egal, wie weit wir heute laufen, es wird sicher nicht diese Kalorienbomben aufwiegen.

Dann kommt unsere Lektion in Stoizismus. Der Bus bringt uns zu Aristoteles‘ Schule, vorbei an einem Hinweisschild zu eben dieser, auf einen großen Parkplatz. Wo unsere zwei Busse nebenbei bemerkt die einzigen Fahrzeuge sind. Die zwei jungen Studentinnen, die für die Führung zuständig sind, schauen sich etwas hilflos um, telefonieren und schlagen dann einen unbefestigten Feldweg ein, der in glühender Hitze steil bergauf führt. Der gesunde Menschenverstand hätte einem sagen können, dass das nicht richtig sein kann. Im Bus waren Blätter mit Informationen ausgeteilt worden. Da war die Rede von schattigen Tälern, von Quellen und Nymphen. Und ich glaube nicht, dass staubige Feldwege in der job description einer Quellnymphe vorkommen. Hundert Leute sind aber zu höflich, die jungen Mädchen mit ihren Zweifeln zu konfrontieren und so quälen wir uns in der Hitze den Berg hoch. Eindeutiger Beweis dafür, dass Schwarmintelligenz beim Menschen nicht funktioniert. Nachdem wir eine halbe Stunde gelaufen sind (eigentlich zu der Uhrzeit, zu der wir wieder am Bus sein sollten), tauchen rechts und links sei Bauruinen mit einer Meute kläffender Hunde auf. Die Mädels haben wohl jetzt selbst Zweifel bekommen und befragen einen Mann, den der Terror seiner Hunde aus dem Haus gelockt hat. Der bleibt erstmal verwundert vor seiner Besuchermenge stehen und holt dann aus. Seine Armbewegung umfasst eine Menge Gegend, Olivenhaine, Bergkuppen, dazwischen liegende bewaldete Täler. Die Mädels müssen erkennen, was uns eigentlich schon längst klar war: wir haben uns verlaufen. Und stoisch machen wir uns wieder an den Abstieg. Nicht ohne einigen der außereuropäischen Konferenzteilnehmer, die wie wild die Bauruinen als vermeintliche Schule des Aristoteles fotografiert hatten, ihre Illusion zu nehmen. Unten im Tal, auf der anderen Seite des Parkplatzes gibt es eine Quelle unter riesigen Eichen, dazu zwei Bänke und in der Ferne das oben erwähnte Hinweisschild. Einige der Nicht-Physiker streiken einfach an diesem Platz. Sollen die Physiker hinlaufen – immer vorausgesetzt, die Mädchen kriegen es jetzt hin – ein paar andachtsvolle Tränchen verdrücken, wir gönnen es ihnen. Die Bilder auf dem Info-Blatt waren sowieso nicht sehr beeindruckend. Monsieur kommt zurück und hat ganze drei Fotos gemacht. Q.E.D.

Die Stimmung im Bus schwankt danach zwischen Stoizismus und Zynismus. Es wird andiskutiert, ob wir beim Exkursionsziel nicht erstmal eine halbe Stunde im Bus warten sollen. Natürlich haben wir das nicht getan. Und das ist auch gut so. Wir durften in den letzten Jahren so manch Schönes und Außergewöhnliches sehen, dieses Grab gehört sicher zu den Höhepunkten. Viele glückliche Umstände kamen zusammen. Das Grab wurde erst in den 1970ern entdeckt. Es war vollkommen unberührt, nicht geplündert. Professionelle Archäologen leiteten die Ausgrabung und Bergung der Schätze. Es waren der Willen und das Geld da, an Ort und Stelle ein besonderes Museum zu bauen. Das Museum liegt sozusagen im Grabhügel. Man geht durch einen Gang in den Hügel hinein, wo im Halbdunkel die immensen Goldschätze in ihren beleuchteten Vitrinen umso intensiver funkeln. Das Hauptgrab wird aufgrund der Funde Alexanders Vater, Philipp II,  ein zweites Roxanne und Alexanders jungem Sohn zugeschrieben. Die Vitrinen zeigen die Goldkisten, jede hergestellt aus über 25 kg Gold, die nach der Einäscherung die Knochen aufnahmen, darüber jeweils eine elaborierte Krone aus Goldblättern; Blüten und Bienen bei Roxanne, Eichenlaub, Zeus‘ Baum und damit ein Hinweis auf seine angebliche Abstammung, bei Philipp. Daneben eine Rekonstruktion der Totenbetten, von denen nur der Elfenbeinschmuck erhalten geblieben ist: Jagd- und Kampfszenen mit so fein gearbeiteten handgroßen Figuren, dass die Archäologen die Gesichter anhand klassischer Texte zuordnen konnten. Auch Philipps Rüstung und sein Prachtschild sind erhalten und das prunkvolle Geschirr, das dazu diente, ihn ein letztes Mal zu baden und zu salben. Das alles in einem fast völlig dunklem Raum mit nahezu sakraler Atmosphäre. Dann werden wir einen Gang entlang geführt und stehen vor der Tür des Grabes, so wie vor über 40 Jahren der glückliche Finder. „Wie ein Nobelpreis“ sei so ein Fund für einen Archäologen, erklärt unser Führer, selber Archäologe, und weist auf das große Problem hin. Die massiven Marmortüren sind tonnenschwer, aber das sei nicht was wahre Problem. Der gesprungene Türsturz darüber zeigt an, dass das ganze Gewölbe einbrechen könnte, wenn man die Türen zu öffnen versuche. In dieser Situation haben die Archäologen auf einen Trick ihrer ärgsten Konkurrenten zurückgegriffen. Grabräuber verschufen sich oft Zugang zu verschlossenen Gräbern, in dem sie den Schlussstein des Gewölbes aushebelten und sich dann von oben in das Grab abseilten. Auf diesem Weg wurden hier die Schätze geborgen und auf diesem Weg gelangen die Archäologen nach wie vor zu Forschungszwecken in das Grab. Über den Türen des Grabes würdigt ein Fresko den Toten, demonstriert aber auch die neuen Machtverhältnisse: Philipp wird gezeigt, wie er einen Löwen erlegt. Aber in der Bildmitte, hoch zu Ross, dominiert der neue junge König, eine klare Ansage.

Unser Führer bringt uns dann wieder zum Eingang zurück, nicht ohne anhand der griechisch beschrifteten Grabsteine, die man ebenfalls im Hügel gefunden hatte, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Makedonier griechisch schrieben, sprachen, dachten und dass – aber das hatten wir ja schon geklärt.

Wir sind wirklich begeistert von diesem Teil der Exkursion, doch schon bald flackern die nächsten Zweifel auf. Unser Bus quält sich ein so enges Bergsträßchen hoch, dass er an einigen Stellen stehen bleiben und mehrmals ausholen muss, um um die Kurven zu kommen. Als wir fast sicher sind, dass wir uns wieder verlaufen haben, taucht auf dem Hügel Estate Kalaitzis auf, das Restaurant, in dem wir auf der Terrasse zu Abend essen werden. Eine Live-Band spielt  griechische Musik. Der Blick ist grandios, die Stimmung auch. Eigentlich sollen die Busse uns um halb zehn wieder zurück nach Thessaloniki bringen, aber da wird dann erstmal nichts draus. Denn bevor sie uns zum Einsteigen auffordert, stellt die Organisatorin die Band und ihre Mitglieder vor. Die auf unseren Applaus mit einer Zugabe reagieren: den Sirtaki aus Alexis Sorbas.

Und damit ist dann vorerst nicht mehr die Rede vom Heimfahren.

Helden und anderes

Gustav Schwabs Sagen des klassischen Altertums fand ich als Kind ganz toll. Jede Menge „action“ und Helden, die deutlich exotischere Namen hatten als Siegfried oder Dietrich. Siegfried und Dietrich? Ich bitte Euch! Da muss man doch quasi zum  Helden werden, allein schon, um den täglich feixenden Nachbarskindern eins auf die Nase zu geben.

Wie gesagt, ich habe sie geliebt, diese Mythen und Sagen, bis eben jenes Alter kam, in dem man alles in Frage stellt. Gut, Robert Ranke-Graves mag daran mit Schuld sein, jedenfalls fiel mir irgendwann auf, dass die Helden dieser griechischen Sagen eben genau dieses waren. Helden: wie in Held, Komma, der, Komma, maskulin. Und dass diese Helden nur zwei Verhaltensmuster kannten: alles, was ebenfalls männlich war, wurde tot geschlagen. Was weiblich war, wurde – um in der euphemistischen Sprache der Mythen zu bleiben – geraubt. Und das sind die Mythen und Geschichten, auf denen – unter anderem – unsere abendländische Kultur aufbaut. Die Bekanntschaft mit Christa Wolfs Kassandra kam wie ein Befreiungsschlag. Achill das Vieh als Achill das Vieh bezeichnet zu hören, war fast eine Erleichterung.

Ich tue mich also etwas schwer mit den griechischen Mythen. Mit den historischen Persönlichkeiten der Antike ist es aber auch nicht einfacher. Zugegebenermaßen nicht mit den Philosophen, ich denke jetzt eher an die Kriegsherren. Diese Verherrlichung der Schlachten und des Abschlachtens ist mir einfach nicht nachvollziehbar. Deshalb ist das mit unserem nächsten Ziel ein bisschen schwierig. Formulieren wir es so: es ist die Stadt eines Vaters, dessen Sohn dadurch berühmt wurde, dass er jemanden in der Sonne stand.

logo_barwione5_miniDas kam jetzt vielleicht nicht so direkt durch zwischen den Zeilen, aber ich freue mich wirklich darauf, diese Stadt kennen zu lernen. Allerdings wird Monsieur mal wieder beschäftigt sein, so dass ihr bei den Fotos mit meiner Knipserei vorlieb nehmen müsst.