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Lost in navigation

lost3 Wir haben ein Navi. Das spricht Englisch. Deswegen habe ich die Mietwagen-Firma dreimal genervt, ganz besonders als nach meiner ersten Anfrage zurückkam, der Kindersitz sei gratis.

Was ich mal eher hätte fragen sollen, wäre nicht, welche Sprache es spricht, sondern welche Transkription es benutzt. Das erste Ziel, ein B&B in der Nähe der Taroko-Schlucht liegt laut eigenen Angaben in der Zhongshan Straße. Kennt Google nicht, wohl aber das BB direkt neben dran, gleiche Straße. Ich drucke das mal aus, vielleicht hilft es ja. Und die anderen vier Adressen auch, irgendwie werden wir das schon finden.lost4

Das Auto kommt, mit Navi, in Englisch. Erstes Problem: das Navi kennt unser Ziel nicht, weder Ort, noch Straße. Wir versuchen das Teil zu überreden, es ist stur. Also bauen wir es wieder aus und gehen zurück ins Hotel. An der Rezeption erklärt man uns, dass wir erst die Provinz eingeben müssen. Okay, wir wechseln von Taipei nach Hualien. Das Navi bleibt stur. Letzten Endes stellt es sich heraus, dass wir eben nicht nur den Zielort, sondern auch die nächste Großstadt angeben müssen. Da bekommen wir gleich dreimal Zhongshan Straße angeboten. Wir pokern und nehmen die mittlere. Auf geht’s. Denken wir, denn das Navi dreht erstmal im Kreis. In den – Achtung, Klischee – Hochhausschluchten Taipeis bekommt es nicht genug Daten, um den Weg zu finden. Monsieur ist aber Manns genug, auf seine Frau zu hören, die sich die Strecke ganz genau auf dem Laptop angeschaut hatte und meint, dass wir jetzt erstmal auf dieser Straße…

lost2Irgendwann findet das Navi dann auch heraus, wo es gerade ist und wir, d.h. eigentlich Monsieur, haben ein neues Problem. Das Auto auf der Anzeige ist so ein richtig großes Protz-SUV, ein Hummer oder ähnliches. Monsieur möchte sich aber nicht im Hummer auf der Karte dargestellt sehen, da ist er eigen. Ich finde es eigentlich ganz niedlich, besonders in den Phasen, in denen das Macho-Auto mal wieder die Orientierung verliert. Da dreht sich der Wagen um die eigene Achse, ein großes Fragezeichen über dem Dach. Für mich so richtig schön „Macho“: „Ich hab’ zwar keine Ahnung, was gerade läuft, aber schaut her, ich fahre ein scharfes Auto!“

Allerdings könnte der Unterschied zwischen dem Navi- und dem realen Mietauto, ein kleiner Kompaktwagen, nicht größer sein. Schließlich findet Monsieur heraus, wie man die Anzeige ändern kann und wir, d.h. er, fahren dann im Kompaktmodus weiter.

Irgendwann kommen wir auch in die Nähe unseres Zieles, nur dass sich die Kilometerangaben widersprechen. Navi sagt, nach dem Fluss noch 15 km, ich bin mir sicher, dass das B&B kurz hinter der Flussmündung am Meer liegt. lost5Monsieurs Lebensgefährtin bietet auf der Karte eine Straße an, die exakt so aussieht, wie ich das in Erinnerung habe, nur heißt die Jhongshan-Straße. Macht aber nix, ist trotzdem die richtige und kurz darauf stehen wir in der rosa Honeymoon-Suite. Schon mal eins von vier Zielen gefunden.

Unser Navi bringt uns dann auch zu den anderen drei Zielen, obwohl es neben den englischen Angaben immer mal wieder Texte in Chinesisch einblendet, in Rot. Tja, da reagieren wir dann wie bei den großen Warntafeln auf der Autobahn. Da stehen meist „Glückscookie-Texte“ drauf in Europa, wie das berühmte „Abstand = halber Tacho“. Mein Tacho ist ca 30 cm breit, das ist mir zu riskant.

a-taipei6In Taiwan sind wir gezwungen, uns die Glückscookie-Texte selber auszudenken:

Etwa: „Bläst der Taifun im Norden, kommen die Scooter in Horden…“ oder „Überholen die Autos auf drei Spuren stur, versuch es mit der Notfallspur.“

Das letzte Ziel, das wir gestern dann in Taiwan eingeben, ist der Taoyuan Airport bei Taipei. Da stellt sich heraus, dass unser Navi veraltet ist und die neuen Zubringer zum Airport gar nicht kennt. Es folgen eine Menge Pirouetten auf der Anzeige, bis wir am Terminal 2 sind. Monsieur fährt den Wagen auf’s Parkdeck und legt die Diebstahlsicherung an, eine Klammer, die Handbremse und Gangschaltung blockiert. Das war die Bedingung für die Zusatzversicherung gegen Diebstahl. Die wiederum hatte ich für notwendig erachtet, da im Mietvertrag stand, dass man bei Diebstahl 25% des Zeitwertes des Mietwagens bezahlen müsste.

Am Sun-Moon-Lake hatte Monsieur allerdings eine viel bessere Diebstahlversicherung gefunden. Er kam grinsend vom Hotel-Parkplatz zurück, wo er unseren kleinen Nissan zwischen einen Mercedes S 600 und einen Audi A8 geparkt hatte.

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Bye bye, Taiwan

Sehr geehrter Herr Steven Spielberg

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Ein Ort voller subtiler Horrorszenarien

wenn Sie für Ihren nächsten Horror-Film eine Location suchen, hätte ich da etwas für  Sie…

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einen Ort, der sein wahres Grauen nur langsam preisgibt.

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Oh my god, they shot Bambi’s mother!

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Wo es schwer wird zu entscheiden, wer ist Freund?

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Und wer Feind?

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Wo die Mächte des Bösen vergeblich versuchen…

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ihres wahres Gesicht zu verbergen.

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Täuschung und Hinterlist

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Ahnungslose in tödliche Fallen locken.

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Einen Ort, wo selbst die harmlosesten Wesen nur ein geheimes Ziel haben:

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die Weltherrschaft zu übernehmen.

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Wo Spass zum Zwang wird

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und das Leben zur Einöde.

Wie gesagt, E-mail genügt, dann bekommen Sie alle weitere Daten. Unter einer Bedingung:

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Holen Sie mich hier Raus! Ihre Paonia

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Oder: Was wir nicht wussten, Teil II

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An der Südspitze Taiwans: der „Nixon“- Felsen

Die Zahl ist die der an Dengue-Fieber Erkrankten im Süden Taiwans, davon 19204 in Tainan, Stand 15.10.2015. Herausgefunden habe ich das, als wir von Tainan aus nach Kenting fuhren, weil ich da so etwas im Hinterkopf hatte und mich informieren wollte, welche Sicherheitsmaßnahmen wir an der Küste ergreifen sollten. In Tainan hing zwar ein Schild im Hotel, dass sie täglich desinfizieren, aber da habe ich mir nichts bei gedacht. Erst als auf dem Weg an die Südspitze alle „National Recreation Areas“ in den „Wetlands“, den Flussmündungen und Lagunen geschlossen waren, machte etwas „Klick“.

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Pazifischer Ozean mit Korallenklippen

Im Hotel in Kenting versichert man mir aber, dass es hier keine Moskitos und somit kein Dengue-Fieber gibt. Ich glaube ihnen das jetzt mal.

a-kenting5Das Hotel ist eine Riesenkomplex, ein Dinosaurier aus den 70er Jahren. Zimmer, Lobby, Restaurant, Pool – alles einen Ticken zu groß. Dazu gibt es noch Nebenschauplätze in unterirdischen Passagen: Einkaufszentren, Fitnessräume, die Umkleideräume und den eigenen Strandzugang.

Gestern Abend saßen wir bei einem Absacker in der Lounge, als eine Gruppe Jugendlicher durch die Lobby zu den Gängen mit den Zimmern lief. Aber irgendwie hörte das einfach nicht auf. Es wurden immer mehr, die da fast im Gänsemarsch hintereinander her die Treppe hochkamen. Dass sie wohl sehr müde und deshalb völlig leise waren, machte die Sache noch unwirklicher. Gelegentlich drehte sich einer nach uns Europäern um und winkte, ansonsten zogen sie schweigend weiter. Kurz darauf sah man sie im a-kenting4dritten und dann im vierten Stock auftauchen. Es wirkte fast wie die Vorbereitung zu einem Musical: Chor und Ballett beziehen ihre Stellungen, gleich geht der Vorhang hoch. Wir haben dann mal nachgefragt, es seien zwei Schulen auf Klassenfahrt, erklärte man uns. Monsieur, der wenig später noch etwas aus dem Auto holen wollte, hat die Busse gezählt.

Es waren 27…

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Und auf der Rückseite steht sicher für die Schlangen: Vorsicht, Touristen!

Autofahren in Taiwan

strecke2Ich bewundere Monsieur maßlos, wie er ist, was er ist, was er weiß, kann, tut und sowieso und überhaupt. Seit Freitag bewundere ich ihn aber noch viel „maßloserer“ für seine souveräne Ruhe, mit der er sich erst durch Taipeis Verkehrschaos, dann im „tropical thunderstorm“ über zum Teil geflutete Straßen (ich bin in Island durch Furten gefahren, in denen weniger Wasser stand als Freitagabend auf dem Highway 9 hinter Nanfangao) zurechtfindet. Diese Gelassenheit im Regen und Sturm, dabei rechts und links überholt zu werden von Scootern, auf denen durchnässte Jugendliche in Flipflops hocken, die offensichtlich nicht das übertriebene Sicherheitsbedürfnis der Regierung teilen und die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht achten, von einem Mann, dem zu seinen Mit-Verkehrsteilnehmern in Frankreich oder Genf gelegentlich höchst unwissenschaftliche Ausdrücke einfallen. Einziger kleiner Kritikpunkt: der Parkplatz, an dem er trotz strömenden Regen mal kurz halten wollte, um einen Blick auf Klippen und Ozean zu erhaschen, war just der mit dem Denkmal für die Insassen des eben dort über die Klippen ins Meer gestürzten Busses. Fand ich einen Ticken ungeschickt, da wir noch gut anderthalb Stunden auf dieser Straße zu fahren hatten.Strecke

Dafür im Regen durch die Berge, wo wir dann durch Nachahmung lernten, dass eine durchgezogene gelbe Doppel-Linie höchstens ein Verhandlungsangebot, keinesfalls ein Verbot ist. Weder für die Scooter, noch für PKWs. Die Scooter fahren, als seien alle taiwanesischen Götter persönlich zu ihrem Schutze abgestellt. Wir haben nicht einmal erlebt, dass sich ein Scooterfahrer umblickt, bevor er sich in den fließenden Verkehr einschleust, aus einer Seitenstraße heraus-, nach einem Stop losfährt, überholt. Sie fahren einfach, im vollsten Vertrauen darauf, dass nichts passiert, dass die anderen Verkehrsteilnehmer und alle Götter Taiwans schon aufpassen werden. Ganz anders die Autofahrer. Außer auf den Autobahnen herrschten auf all unseren Straßen geradezu absurde Geschwindigkeitsbegrenzungen. In den Bergen z.B. 40 km/h, auf der Küstenstraße, am Sun-Moon-Lake auch. Kommt eine Kurve, geht es runter auf 30 km/h, wird es einspurig, auch schon mal auf 15 km/h. Und das Seltsamste: die meisten Autofahrer fahren langsamer als erlaubt ist. Kommt dann Nebel oder Regen hinzu, schalten sie die Warnblinker an und bremsen noch weiter runter. Ich habe eine Theorie dazu: jeder Autofahrer hat als Scooterfahrer angefangen und die haarsträubendsten Dummheiten gemacht. Geradezu todesverachtend. Macht er seinen Führerschein und setzt sich in ein Auto, sieht er zum ersten Mal von außen, wieviel hätte schiefgehen können. Diesen Schock verkraftet er für den Rest seines Autofahrerlebens nicht.

Monsieur hat eine andere Theorie: „Die können einfach nicht Auto fahren.“

Kleine Änderung der Pläne

a-tainan3  Homestays, B&B oder wie man es nennen mag, finde ich sehr gut. Machen wir bei jeder Reise mindestens einmal. Das beruhigt etwas dieses ganz kleine Restchen schlechtes Gewissen, das ich gelegentlich beim Reisen habe, besonders in weniger touristischen Ländern, dieses Gefühl, ich bekomme so viel geschenkt: Erlebnisse, Erinnerungen, Bilder – und was gebe ich zurück? In den meisten Fällen ganz banal: Geld. Aber beim Homestay geht das Geld dann wirklich direkt an die Bevölkerung des besuchten Landes und nicht an eine anonyme Hotelkette. Gut, meist ist es auch deutlich preiswerter als ein Hotelzimmer, aber das ist nur ein Nebeneffekt.

a-tainan4So weit der Hintergrund. Gestern hatten wir allerdings das Gefühl gehabt, einer Mogelpackung aufgesessen zu sein. Gebucht hatten wir den recht teuren Homestay für zwei Tage, aber das Preisleistungsverhältnis war hier doch arg in Schieflage geraten. Von außen sah das Haus sehr schön aus, japanischer Garten, japanisch, d.h weitgehend kitschfrei gestalteter Essraum, sehr stilvoll. Dafür das Zimmer winzig klein, mit Waschbecken im Raum. Und leider voller Schimmelecken. Dusche und Toilette waren im identischen winzigen Räumchen untergebracht, so dass einem bei der Erledigung gewisser Dinge der Duschvorhang im Gesicht hing. Um das Papier, das ja beim Duschen trocken bleiben sollte, zu erreichen, musste man schon die Gelenkigkeit einer russischen Bodenturnerin besitzen. Der Regen – und die Tierwelt – trommelten nachts auf’s Blechdach, draußen donnerten die Touristenbusse vorbei, alles ziemlich anders als wir uns das vorgestellt hatten. Monsieur schaute nach der ersten Nacht hinaus in Nebel und Regen, dann über den Raum und schließlich zu mir und fragte: „Willst du?“ und ich sagte von ganzem Herzen und ohne zu Zögern: „Ja, ich will!“

a-tainan2Fünf Minuten später hatte er ein Hotel gebucht und zwei Stunden später waren wir in Tainan. Das Hotel, ein Kunst-Hotel mit Konzept, aber das stört uns nicht :), gab uns einen sehr schönen großen Raum in der 6. Etage mit Wohnbereich und einem kleinen Büro in einem Erker über eine bunte Seitenstraße. Zum gleichen Preis wie unser Homestay.

Einziges Problem hier: Parken ist unmöglich auf der Straße, aber Monsieur bekommt die Angaben zum nächsten Parkhaus, mit dem das Hotel einen Vertrag hat. Dort musste er völlig perplex mit ansehen, wie sein Auto, nachdem er es auf einen bestimmten Platz gestellt hatte, sich wegdreht, in einer Box verschwindet und in die Tiefe abtaucht. Hoffentlich bekommen wir das morgen wieder.

a-tainan1Auf geht es, Tainan entdecken. In der alten Hauptstadt herrscht eine derartig hohe Tempeldichte, dass man an jeder Straßenecke vor einem anderen steht. Zuerst interessieren uns aber eher die Fressgassen als die Kultur, schließlich ist es längst Mittag. Wir biegen in ein paar Gassen ab, bis wir finden, was wir gesucht haben: offene Töpfe zum Reinschauen und Stühle zum Sitzen. Unser „Chef“ lässt uns auswählen, rechnet dann an allen Fingern die Summe aus und hält vier hoch. Chinesische Zahlzeichen sind anders als unsere, trotzem halten wir mal vier Scheine hin, er schüttelt den Kopf, wir nehmen Schein um Schein weg, bis er nickt. Und uns noch Wechselgeld herausgibt.

Dann geht es weiter mit der etwas ungenauen Karte aus dem Reiseführer. Aber wie gesagt: Wenn du nicht den Tempel finden kannst, den du besichtigen willst, besichtige halt den, den du gefunden hast.

Letzten Endes – ihr erinnert euch? Stur und so? – finden wir sie alle, Tempel, die Kriegs- und Muttergottheiten gewidmet sind, einen (geöffneten! )Konfuzius-Tempel und eine alte Portugieser-Festung, die von den siegreichen Chinesen zum Tempel des Meeresgottes umfunktioniert wurde.

Der Rückweg läuft gefährlich nah an mehreren Teeläden vorbei. Tja…, wie sagt Oscar Wilde: Ich kann allem widerstehen. Außer der Versuchung.a-tainan5

Dafür komme ich völlig ungefährdet an den Schmuckauslagen in den Juweliergassen vorbei.

Abends suchen und finden wir ein japanisches Restaurant und gönnen uns Sashimi und Meeresfrüchte-Sushi.

Life is good. Und dass wir von Alishan nichts gesehen haben, ein Teil davon.

Alishan – oder eben nicht

ali3Der Ansatz ist schon bewundernswert.

Statt schüchtern zu sagen: „Tschuldigung, Leute, wir wissen, dass das Wetter bei uns Sch..e ist, aber vielleicht kommt ihr ja trotzdem mal vorbei“, dreht man in Alishan den Spieß um und macht aus dem Dauernebel, den Wolken, dem Regen DIE Attraktion. Es gibt ganze Wege, um das „Meer der Wolken“zu bewundern, den „Mysterious Mist“ zu erleben und das auch noch von verschiedenen Plattformen aus, denn Wolke ist ja schließlich nicht Wolke und Nebel nicht Nebel.

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Auf dem Weg zum Yushan National Park

Der – angebliche – Höhepunkt ist eine einstündige Bahnfahrt um halb fünf Uhr morgens von Fenishu – davon später – zu einer „Sunrise View Plattform“auf etwa 2400m Höhe, wo du mit Tausenden anderer Frühaufsteher die Sonne aus den Wolken über die höchsten Gipfel Taiwans (immerhin 3800m) aufgehen sehen kannst. Theoretisch. Leider oder viel mehr zum Glück wussten wir aus eigener Erfahrung, dass wenigstens bis 3275m Höhe fest der Nebel regiert, so dass das mit der Sonne auf 2400m doch nicht sehr glaubwürdig wirkte. Das haben wir uns geschenkt. Fenishu, das von der Betreiberin unseres Homestays in höchsten Tönen gelobt wurde, fanden wir einfach nur deprimierend, eine Touristenfalle neben der anderen. Die andere Attraktion Alishans, die riesigen Zypressen, haben die Japaner in den 1930ern gefällt, so dass es nur noch einige wenige große Bäume gibt und die meistens davon tot. Hmmm. Was es in Massen gab, waren dafür Touristenbusse, auf jeden Privat-PKW kamen sicher ein Dutzend Busse. Ich lasse euch das mal ausrechnen mit den Bussen und der Wald-Einsamkeit…

Der Nebel war inzwischen so dicht, dass man die sprichwörtliche Hand vor den Augen nicht mehr sah, was die Fahrt zu unserem kleinen Lokal zum einem sehr spannend, zum anderen sehr langwierig macht. Der Randstreifen der Straße war kaum zu erkennen, was auf den gebirg-kurvigen Strecken für Überraschungsmomente sorgte. Gelegentlich gab es in den engsten Kurven kleine irrlichternde LEDs im Mittelstreifen, über die wir uns immer sehr freuten. Als wir endlich die Abzweigung fanden, ging die Straße steil ins Tal hinab, wir waren unter dem Nebel. Die Bauern-Initiative betreibt ein Restaurant neben einem kleinen Marktstand, auf dem sie unter anderen in große Kohlblätter verpackte grüne Bohnen verkauft, sehr attraktiv.

ali1Das Restaurant ist eine offene Veranda, an den Berg geklebt, man bekam erklärt, was es heute zu essen gibt, bei Schwierigkeiten mit der Übersetzung ging die junge Bedienung schnell zum Marktstand und holte das Gemüse zum Erklären. Wir haben sehr gut und lecker gegessen, sticky rice im Bambusrohr gegart, geschmorte Farnspitzen – ja, wir haben gefragt und der Farn wurde uns gezeigt – sehr würziges gegrilltes Fleisch, Bittergurken, ein Omelett und, und, und.ali2

Nur der Rückweg war dann wieder sehr langsam und langwierig.

Alishan hat uns – wie man vielleicht zwischen den Zeilen lesen kann – nicht so richtig gut gefallen, dafür war der Weg dahin, über die 2500m hohen Berge des Yushan-Nationalparks sehr schön. Und die Fahrt fast erholsam: es war Montagmorgen, der Feiertag vorbei, kaum ein Fahrzeug unterwegs. Die Straße war in gutem Zustand, meist zweispurig. Und gelegentlich lichtete sich der Nebel, so dass man etwas von der Gegend sah. Wie die Gurkenfelder oder die Waldbewohner…ali5

Nächstes Mal lieber Ba-Wü

ba-wue1  So, ich versuche ja immer positiv zu bleiben. Und wenn das nicht geht, wenigstens einen Grund zu finden, darüber zu lachen. Ist manchmal ein bisschen schwierig.

Gestern zum Beispiel hatte ich uns ein kleines Bonbon gönnen wollen, einen kleinen Luxus, Seele baumeln und so. Und während wir uns auf einspurigen Bergstraßen durch Nebel, Wolken und Regen kämpften, hatte ich diesen kleinen Lichtblick im Hinterkopf: egal wie scheußlich das Wetter am Sun-Moon-Lake ist, wir können uns zur Not in die Sauna oder ins Schwimmbad verziehen, mit Blick auf den See und das siehe oben Wetter. Kleine Massage dazu, gefolgt von einer schönen Tea-Time. Wir lassen uns doch nicht von so einem bisschen Wetter davon abhalten, unseren Tag zu genießen.

Kleiner Tipp: Wenn ihr so was plant, denkt eher an Ba-Wü, den Schwarzwald, als an Taiwan.

ba-wue4Das Hotel lag wunderschön, direkt am See. Die Bewohner der Zimmer im dritten Stock, mit Balkon zum See, wurden sogar explizit aufgefordert, die Freuden des Angelns von ihrem Balkon aus zu versuchen.

Unser Zimmer war fürs Angeln ein Stockwerk zu hoch, dafür mit einer großen Glasfront zum See, zwei Sessel davor, Logenplätze sozusagen. Das Bett im Erker war auch klasse, groß und weich und kuschelig. Und das war’s dann leider mit positiv. Im – ebenfalls großen und edel ausgestatteten – Bad musste man sich trotz riesiger Wanne fürs Duschen entscheiden, da die Wanne kein warmes Wasser bekam.

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Das Chef-Menü am Abend

Die Sauna war getrennt nach Geschlechtern, gut, das kann ich akzeptieren, das Schwimmbad lag im Ess- und Barbereich. D.h. deine sportlichen Bemühungen dienten der Unterhaltung der anderen Gäste. Massage war auch nicht. Blieb nur noch der Tee. Die erste Tasse habe ich zurückgehen lassen. Monsieur hat dann die Chefin kommen lassen und die nächste Tasse war wenigstens trinkbar.

Und heute morgen stand ich am Frühstücksbuffet, etwas unentschlossen, da mich keine der chinesischen Spezialitäten so richtig anmachte, als ein englischer Rentner neben mich trat und seufzte: „Makes you miss home, dear, doesn‘t it?“

Wie gesagt, nächstes Mal lieber Ba-Wü.

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