Trends und so

 

Mit den Trends ist das so eine Sache. Ich würde ja jetzt gerne behaupten, dass ich die meisten Trends nicht mitmache, weil ich so alt und stur weise bin, dass ich mich um Trends nicht schere. Das stimmt, aber nur zum Teil. Die Wahrheit ist, dass ich die meisten Trends schlicht und einfach nicht mitbekomme. Und wenn, dann meist nur im Abgesang mit diesem Kopfschütteln: Und was soll das jetzt gewesen sein?

Allerdings ist ein so genannter Trend mit Kopfschüttel-Potential penetrant genug, dass ich ihn wahrnehme. Dieser Tanz um „hyggelig“. Was soll das, bitte schön? Haben die Dänen das erfunden? Nein! Gibt es dafür kein deutsches Wort? Aber sicher doch, selbstverständlich! Wir haben so schöne Wörter für dieses Gefühl, dass z.B. französische Freunde bass erstaunt und auch etwas neidisch sind. Wir haben heimelig, gemütlich, geborgen. Euch fallen sicher noch mehr ein. Das Rheinland hat noch „Gehöchtnis“, Inbegriff des Ortes, an dem du dich geliebt, sicher, geborgen fühlst. Und das nicht nur, weil oder seit eine Frauen- oder Wohnzeitschrift dir rät, mal eine Kerze anzuzünden. Auf die Idee wären wir von selber natürlich nicht gekommen, im November. Dafür brauchen wir den neuen Trend „hyggelig“.

Und trotzdem – muss ich jetzt gestehen – freue ich mich sehr auf die Tage in Kopenhagen. Dass mir da das ein oder andere zum schönen Gestalten dieser dunklen Jahreszeit zulaufen wird, da bin ich mir sicher. Wie ich das dann nennen werde, ist eine andere Sache.

Wir haben ja die Wahl in der deutschen Sprache.

 

 

Ein kleines Start-up

Irgendwo muss er sein. Wir müssen nur in unserer Ahnenlinie weit genug zurückforschen, dann finden wir ihn. Einer unserer ganz, ganz entfernten Vorfahren war ein nordischer Regengott. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass wir den Regen fast magisch anziehen.

Habe ich dies erst einmal akzeptiert, eröffnen sich natürlich Möglichkeiten. Ich denke da so an ein kleines Start-up im Dienstleistungsbereich: Ihr Garten ist schlapp und ausgetrocknet? Laden Sie uns für ein paar Tage ein. Kost und Logis und eine gewisse Aufwandsentschädigung… Oder auf einer anderen Ebene: Sie fürchten die Waldbrandgefahr in Ihrer Region? Wir machen eine Woche Ferien bei Ihnen, zu den gleichen Bedingungen wie oben. Das alles ist jetzt noch sehr unspezifisch, aber wenn wir unsere spezielle Begabung erst einmal wirklich beherrschen, könnten wir noch präzisere Angebote machen. Sie planen eine Hochzeit, eine Familienfeier in Ort A? Wir mieten uns für Sie in Ort B ein und ziehen den Regen dorthin. Ja, ich sehe die Möglichkeiten. Allerdings auch die moralische Verantwortung. Wir würden uns nie, nie hergeben für den Plan, an der Hochzeit der besten Feindin teilzunehmen. Nein, auch nicht für viel Geld! Da haben wir unsere Prinzipien!

Noch lieber wäre uns aber, dass der Regen uns mal in Ruhe lässt. Selbst der schönste Hotelstrand ist bei Dauerregen unattraktiv und der traumhafte Blick durch die Glasfront unseres Zimmers zeigt leider nur allzu deutlich die Misere. Wir packen zum letzte Mal in Zypern und überlegen, ob wir es schaffen, die Koffer in unser auf der anderen Straßenseite geparktes Auto zu laden, ohne von Kopf bis Fuß durchnässt zu werden. Kommen zu dem Schluss: nein.

Selbst die rosafarbenen Pinguine, die plötzlich zur Rechten im Salzsee auftauchen, sind durch den Regen nur als blassrosa Schatten zu erkennen. Sie wirken auch nicht richtig glücklich.

Wir fahren auf den Mietwagenparkplatz und der Regen hört schlagartig auf. War ja klar.

Dafür kommen wir in Genf an und steigen im Trocknen zu unserem Freund ins Auto. Wir wundern uns, sollte der Regen nicht mitbekommen haben, wo wir sind? So etwas wie Hoffnung steigt auf. Sie hält  – bis wir ein paar Kilometer vor unserem kleinen gallischen Dorf in eine massive Regenwand fahren.

„Komisch“, sagt unser Freund, „bis gestern haben wir schönstes Herbstwetter gehabt.“

KLeiner Ausflug nach Ägypten

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„Und? Was gibt es in Paphos so zu sehen?“, fragt Monsieur nach der closing session und schaut seine Reiseplanerin erwartungsvoll an. Bisher hat er nämlich nichts gesehen außer der Strandpromenade. Die Vorträge hören um halb sieben auf. Zu dieser Uhrzeit ist es seit einer Stunde stockfinster und alle Sehenswürdigkeiten seit anderthalb Stunden geschlossen. Bleibt nur der touristische Kram, Spaziergänge entlang der Strandpromenade oder zum Hafen unter Vermeidung der allzu offensichtlichen Touristenfallen. Selbst das ist nicht ganz einfach, denn wir leben sozusagen antizyklisch. Monsieur sitzt von 9 – 18:30 (mehrere kleine Kaffeepausen eingeschlossen) in Vorträgen und freut sich darauf, abends los zu laufen und etwas von der Gegend zu sehen. Ich laufe den ganzen Tag durch die Gegend und freue mich darauf, abends einfach mal still zu sitzen und der Welt beim Welt-sein zuzuschauen. Da gibt es Kommunikationsbedarf.

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Im Falle Paphos ist die Frage aber einfach zu beantworten, da hat die UNESCO schon vorsortiert. Zwei der vier Weltkulturerbe-Stätten in Zypern liegen in Paphos, sozusagen „best of…“ Da ich die Mosaiken am Dienstag schon „gemacht“ habe, kann ich Monsieur die executive summary geben, ohne die abgedeckten Planen oder schon hundert Mal gesehene Ruinen. Da bleibt dann noch Zeit für „Saranda Kolones“, eine Burgruine mit Namen und Anmutung wie direkt aus einem Fantasy-Roman. Die Kreuzritter-Burg hielt nur ein paar Jahre und fiel dann einem Erdbeben zum Opfer. Die namensgebenden 40 Säulen liegen wie ein Riesenmikado zerstreut in den Ruinen und von der ganzen mächtige Anlage stehen nur noch zwei Gewölbebögen. Das ist schon bei Tageslicht ausgesprochen romantisch, wie geheimnisvoll mag das erst bei Mondlicht sein.

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Noch mehr Säulen gibt es dann – knapp außerhalb des Zaunes, aber offiziell noch zum Archäologischen Park gehörend – in der ehemals siebenschiffigen Basilika. Da wird dann auch schnell klar, woher die Kreuzritter ihr Riesenmikado hatten. Im 4. Jahrhundert erbaut, von einem Erdbeben zerstört, im 6. Jahrhundert wieder aufgebaut, von den Sarazenen zerstört, hatten sie irgendwann wohl die Lust verloren. Jedenfalls wirkt die recht kleine byzantinische Kirche auf dem riesigen Säulen-Mikado-Trümmerfeld ziemlich verloren. Vor der nur noch in den Grundmauern erhaltenen gotischen Kirche steht die Paulus-Säule. Wobei die Erklärtafel freimütig zugibt, dass die angebliche Geißelung Paulus‘ an dieser Säule nur in der lokalen Tradition vorkommt und durch keinerlei historische Quellen belegt wird.

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Etwas verstörend finde ich dann die Kombination an dieser Häuserfront in einer Seitenstraße…

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Ein kleiner Ausflug bringt uns nach Ägypten zu den so genannten Königsgräbern. Die aber nie Königsgräber waren, sondern die der Würdenträger der ägyptisch-griechischen Ptolemäer (das habe ich jetzt geradewegs aus Wikipedia abgekupfert). Eine Menge Löcher im Boden mit sehr unterschiedlich elaborierter Ausgestaltung. Ich habe jedenfalls gelernt, was ein „Dromos“ ist, nämlich eine Art Treppe, dass die Gräber ein Atrium und einen Brunnen besaßen, da sich die Lebenden zu Gedenkfeiern mit und bei den Toten zusammenfanden. Die Gräber waren zum größten Teil schon in der Antike geplündert worden, so dass mittelalterliche Squatter nur leere Räume vorfanden. In die sie dann ohne Angst vor Geistern und Gespenstern ihre Wohnstätten errichteten, auch wenn das sprichwörtliche Dach über dem Kopf dann gerne mal zwei Meter massiver Sandstein war. Sieht alles ein bisschen aus wie bei einem Indiana Jones Film und ist mit erheblichem Aufwand bezüglich Treppensteigen über die schon erwähnten „Dromos“ verbunden.

Nach so viel Kultur fällt es uns dann leicht auf Kourion zu verzichten zugunsten der Möglichkeit noch bei Sonnenschein in unserem Strandhotel in Larnaka anzukommen. Schaffen wir auch. Der Blick aus dem Fenster ist grandios. Und das steigert sich ein paar Stunden später noch. Ein guter Abschluss unserer Tage in Zypern.

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Mein lieber Schwan

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Die Konferenzexkursion ist Aphrodite gewidmet, in Zypern fast unausweichlich. Wir fahren zum Heiligtum in Kouklia. Von den über 3000 Jahre alten Tempelanlagen steht nur noch wenig. Die Kreuzritter betrieben ihre eigene Art von Recycling und nutzten die Steine der Tempelruine, um ihre Burg damit zu erbauen. In dieser Burg ist dafür heute ein Museum, das ausschließlich Fundstücke aus dem Tempelbezirk zeigt. Manchmal hat das Leben einen feinen Sinn für Ironie. Der Stolz des Museums sind ein farbig gestalteter Fries auf einem Sarkophag, jener schwarze Aphrodite-Stein und ein Mosaik. c5Den Stein, auf den ich so gespannt war, finde ich ein bisschen enttäuschend. Berühren darf man ihn nicht und es steht auch immer einer da, der aufpasst. Er hat keine „tithiclos“ oder für mich erkennbaren menschlichen Gestaltungsversuche. Vielleicht kommt seine glatte Oberfläche nicht vom Wirken der Wellen, sondern von den Tausenden von Händen, die ihn ehrfürchtig berührt haben, aber für mich springt da nichts über, sehr schade. Es ist ein großer schwarzer Stein, schön sanft gerundet, wie er so zu vielen am Meer liegen kann.

 

Das Mosaik, das ist nun etwas ganz anderes. Es zeigt Leda und den Schwan und gehörte in eines der Häuser beim Tempel. Dort konnte man es nach der Ausgrabung auch in situ besichtigen. Bis zwei Kleinganoven auf die Ideen kamen, es zu klauen. „Liegt ja eh nur da ‚rum“, war wohl der Ansatz. Da Zypern aber eine kleine Insel ist, wussten relativ schnell relativ viele Menschen, dass und auch wer das Mosaik gestohlen hat. Was die Arbeit der Polizei natürlich sehr erleichterte. Heute hängt das Mosaik gerahmt als Prunkstück im Museum und wir können die ebenso prunkvolle Rückenansicht der gerade dem Bade entstiegenen Leda bewundern. Außer einem locker um die Schultern gelegten Schal trägt sie nichts, was die Ansicht stören könnte. Von rechts kommt der lüsterne Schwan angetrappst. Ich kann – will – mir nicht vorstellen, was Leda bei dieser gefiederten Anmache gedacht und gefühlt hat. Und was dann passiert, ist auch nur schwer in Worte zu fassen. Wie soll man es beschreiben, wenn eine Frau mit Vögeln …, jedenfalls bleibt es nicht ohne Folgen. Und nun kommt der Teil, der noch schwerer zu akzeptieren ist: Leda gebiert, legt, bekommt zwei Eier, aus denen schlüpfen, entspringen, kommen – ich finde es wirklich schwierig, die rechten Worte zu finden – drei Kinder. Aus dem einen Ei die Zwillinge Kastor und Pollux und aus dem anderen Helena. Ja, genau die Helena, die später nach Troja heiratete und damit der Grund ist, warum wir in der Schule mit Homers Ilias gequält wurden.

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Am Ausgang der Museumsburg steht dann ein Tisch mit lokalen Produkten. Zum einen ein klarer Tresterschnaps, der von der lokalen Bevölkerung in Konzentrationen von bis zu 90% Alkohol gebraut wird, den sie dann aber auf mindestens 52% verdünnen müssen, um ihn legal verkaufen zu können. Der Schnaps sei angeblich gut für und gegen alles. Zur Not könnte man auch Wunden damit desinfizieren und Fenster putzen. Na danke! Daneben stehen Proben des lokalen Süßweins „Commanderia“ und allerlei Süßes: Nuss-Sesam-Honig-Krokant, etwas Tschutscharella-Ähnliches auf Carob-Basis und Teller mit Nüssen, Mandeln und Rosinen. Der Alkohol wird in winzigen Bechern angeboten, daneben gibt es Gläser mit Wasser für die, die so früh am Nachmittag keinen Alkohol trinken wollen. Doch irgendwie tauchen plötzlich in den Händen der jüngeren Teilnehmer Wassergläser voll Commanderia auf, was den Job der Reiseleiterin, unsere Gruppe wieder zum Bus zu treiben, nicht leichter macht.

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Der nächste Stopp ist am Petra to Romiou, dem Felsen der Aphrodite. Angeblich wurde die Göttin nur mit etwas Schaum bekleidet hier, auf einer Muschel stehend, an Land getrieben, was sie wahrscheinlich zur ersten Surferin der Weltgeschichte macht. In weiser Voraussicht werden wir allerdings nicht an den Strand gelassen, sondern zu einem Aussichtspunkt auf den Klippen oberhalb der Bucht. In sicherer Entfernung erzählt uns dann die Führerin, dass man sich total verjüngt, wenn man dreimal um den Felsen herumschwimmt. Um Mitternacht, gegen den Uhrzeigersinn, bei Vollmond. Nun haben wir fast Vollmond, aber ich möchte das trotzdem nicht. Ich z.B. habe erst relativ spät schwimmen gelernt. Was wäre, wenn mich der Verjüngungsprozess so verjüngt, dass … Ach, da stehe ich lieber zu meinem Alter!

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Am Ende so einer Exkursion gibt es meist zur Belohnung ein gemeinsames Essen. Dieses findet in einer urigen Kneipe in einem bildhübschen Dorf in den Bergen statt. Mezze um Mezze werden aufgetragen, irgendwann erscheinen zwei Musiker und dann bricht zypriotische Lebensfreude über uns herein. Die Musiker sind so mitreißend, dass die fünf jungen Mädels, die eigentlich bedienen sollen, zu tanzen anfangen. Den Kellner passt das natürlich nicht so recht, es gibt Blicke und Worte. Die Mädels aber holen sich Rückendeckung beim Chef, der aufmunternd nickt, und dann Verstärkung aus dem Publikum.

Ich wette, da gibt es jetzt eine Menge Youtube-Videos.

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Bitte schön: das Pferd des Tages

Alles unter Dach und Fach

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Eigentlich erstaunlich, wie schnell sich in Zypern Staus bilden, selbst in kleinen Ortschaften. Meist hinter meinem Auto. Ab und an fahre ich dann links an den Rand und lasse die anderen vorbei. Ganz ehrlich, wenn ich so in Genf vor mir her fahren würde, würde ich mich selbst in den Wahnsinn treiben. Denn entgegen meinen sonst eher französischen Gepflogenheiten fahre ich hier sehr langsam, ganz vorsichtig, halte an jedem Stoppschild und kontempliere die Lage. Linksabbiegen kann ich schon richtig gut, nur mit dem Rechtsabbiegen, das muss ich noch üben. Hier halte ich mich dann an positives Denken und an Dustin Hoffmans Rainman: „Ich bin ein ausgezeichneter Fahrer!“ Insofern ist es schon eine gute Leistung auf der Suche nach kleinen Schätzen durch das Troodos-Gebirge gekommen zu sein. Unbeschadet. Auch wenn das zum Schluss knapp war.

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Die Scheunendach-Kirchen des Troodos-Gebirge sind so etwas wie Mansplaining auf nationaler Ebene. Angeblich sollen die fränkischen Kreuzritter den hiesigen Anwohnern klar gemacht haben, dass man im kalten Wetter des Gebirges, immerhin kommt der Olympos auf knapp 2000 Meter, ordentliche, steile Dächer braucht. Dächer wie zu Hause bei Kreuzritterns halt. Die Einheimischen, die sich wahrscheinlich nicht zu Unrecht sagten, dass man mit einer bis an die Zähne bewaffneten Blechbüchse nicht argumentieren sollte, nickten und begann Dächer zu bauen. Dächer über die Kirchendächer, über die Seitenkapellen, über die Kuppeln. Und wo wir gerade so schön dabei sind, warum dächern wir nicht auch noch den Kirchturm ein?

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So entstehen kleine Kirchlein mit einer ganz besonderen Ausstrahlung. Und einem ausgesprochen positivem Nebeneffekt: Das Dach über dem Dach wirkt wie eine Isolierung und schützt die Fresken im Inneren vor eindringender Feuchtigkeit oder Kondensierungsnässe.

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Die Fresken sind zwar vom Thema her in allen Kirchen sehr ähnlich, aber die Ausführung variiert stark. Es gibt über 1000 Jahre alte, halb verblasste, es gibt „neue“, weil dann doch das Dach des Mittelschiffes eingestürzt war und man nach der Reparatur alles neu ausmalen musste, in diesen modernen leuchtenden Farben des 16. Jahrhunderts.  Es gibt die, deren Künstler eindeutig schon mal in Italien gewesen war und die, bei der der Maler, statt Hintergründe zu malen, einfach kubistische Würfel übereinander stapelte.

Allen gemeinsam: Pferde können sie einfach nicht.

 

Fische scheinen auch nicht zu den Kernkompetenzen gehört zu haben. Ja, ich weiß, der Wal ist kein Fisch. Aber trotzdem: mit Fell? Und schaut Euch mal den kleinen Kerl ganz unten rechts an!

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Die Scheunendach-Kirchen des Troodos-Gebirge heißt aber auch mehrere hundert Kilometer auf kleinsten Straßen, steil in die Hänge des Gebirges gefressen. Was das Gebirge wohl sehr übel nimmt, es schmeißt mit Steinen. Zwar nicht allzu großen, aber so einen mittlerer Steinschlag in einer unübersichtlichen Kurve auf der Fahrbahn vorzufinden, ist unangenehm. Macht mir auch sehr plötzlich klar, dass ich seit einer halben Stunde das einzige Auto auf diesem Sträßchen bin und natürlich keine Ahnung habe, was ADAC auf zypriotisch heißt. Dafür werde ich mit einem querenden Mufflon belohnt, dass genau diese steilen Abhänge einfach hochspringt.

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Diverse Bergspitzen sorgen dafür, dass ich mehrmals den Sonnenuntergang sehen darf, bevor ich im Dunkeln vor der Schranke vor unserem Hotel ankomme. Bis jetzt habe ich es erst einmal geschafft, den Rufknopf zu erreichen, ohne aussteigen zu müssen. Beim ersten Mal habe ich mich der Länge nach flach gelegt. Blöder Linksverkehr! Mit der rechten Hand wie gewohnt die Handbremse angezogen und dabei stattdessen den Hebel zum Sitze-umlegen erwischt. Passiert mir heute Abend nicht, mit links die Handbremse angezogen. Aber wohl nicht fest genug, denn das Auto setzt sich beim Aussteigen in Bewegung und rollt auf die Schranke zu. So schnell bin ich noch nie eingestiegen. Die Motorhaube vor der Schranke haue ich auf die Bremse. So weit kommt es noch! Dem Troodos-Gebirge mit seinen Kurven und Steinschlägen getrotzt und jetzt das Auto an die Schranke setzen.

So, Monsieur hat irgendetwas Offizielles heute Abend und ich schaue jetzt mal, was der Zimmerservice zu bieten hat.

 

 

Garantiert 100% frei von

 

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Kirchen, Tempeln, Säulen und Ruinen…

Eine liebe Freundin schrieb mir gestern: „…, dass Ihr noch alte Kirchen sehen mögt.“ Mögen wir, aber eine Pause ist auf jeden Fall gut.

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Deshalb heute Natur auf der Akamas-Halbinsel und diesmal auch garantiert 100% frei von Jeep-Touristen. Dafür voller Matsch und glitschiger Passagen: der Wolkenbruch am Sonntag hat die Avakas-Schlucht gut durchgespült. Aber wenn man sich erst einmal von dem Gedanken verabschiedet hat, dass Schuhe trocken und Knie und/oder Hosenboden sauber sein sollten, kann man eine Menge Spaß haben. Nur würde ich das jetzt nicht mehr Wandern nennen, Bouldern käme eher hin.

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Es gibt einen Weg in die Schlucht, danach geht es durch Wasser und über Felsbrocken weiter. Wir laufen eine knappe Stunde, klettern eine weitere gute Stunde und verabschieden uns an einem unüberwindbaren Steinchaos von Monsieurs Plan bis zum Marker 48 zu kommen. Keine Ahnung, was oder warum da ein Marker 48 ist, Monsieur hatte sich das so in den Kopf gesetzt. Ich schaue mir die Wände an, von denen immer mal wieder Steinchen herunterkullern, wenn da oben eine Taube startet und finde das Ganze langsam einen Ticken zu eindrücklich. An manchen Stellen wird das Geröll über unseren Köpfen nur von ein paar Wurzeln gehalten. Monsieurs Antwort „Dann brauchen wir uns nie wieder Sorgen zu machen!“ auf meine Frage, ist da nur bedingt hilfreich.

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Nachdem wir gute 20 Minuten an diesem Felssturz herumgeklettert sind, ist er bereit auf seine Frau zu hören. Die da sagt: „Es ist genug!“

Auf dem Rückweg ist der Spaßfaktor noch einen Ticken größer, Hosen und Schuhe sind eh schon eingesaut und so mancher große Brocken, den wir auf dem Hinweg erst im dritten Ansatz geschafft haben, wird einfach runtergerutscht.

 

Natürlich kommen wir völlig verdreckt in der Hotelhalle an. Kein Vergleich mit den adretten und durchgestylten Golfern, die ich hier gelegentlich ein- und ausgehen sehen. Ich glaube allerdings auch  nicht, dass die nur halb so viel Spaß haben wie wir heute.

 

Säulen und ein bisschen Comedy

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Heute gibt es jede Menge Ruinen, Säulen und ein paar Enttäuschungen, weil die schönsten Mosaiken schon unter Planen und zehn Zentimeter Sand winterfest gemacht worden sind.

f4Der Archäologische Park im Paphos ist ein riesiges Gelände, das so unterschiedliche Punkte wie griechische Wohnhäuser, Theater und Mosaiken sowie einen Leuchtturm und die Säule, an der angeblich Paulus gegeißelt wurde, zusammenwürfelt mit den Resten einer riesigen Basilika und einer von Erdbeben zerstörten Kreuzritterburg. Ich bin fast drei Stunden unterwegs gewesen und habe zum Schluss einfach nur noch den Ausgang und nicht noch einen weiteren sehenswerten Punkt gesucht.

Im Haus des Dionysos sind die Mosaiken durch ein Gebäude vor der Witterung geschützt und man kann sein Wissen zur griechischen Mythologie testen. Um die Szenen herum läuft ein Jagdfries, in dem Tiger und Löwen Esel und Ziegen jagen, ihrerseits wiederum von Jägern erlegt werden, die dann anderen Löwen oder wilden Stieren zum Opfer fallen. Vegetarier scheinen in diesem Haus nicht gewohnt zu haben.

Wenn man sich dann mit hohen Erwartungen dem viel gepriesenen Haus des Theseus nähert, sieht man nur einen Zaun. Einen mit einer Plane bespannten Zaun, in die schon andere frustrierte Besucher Gucklöcher hineingebohrt haben. Interessanter wird das Abgedeckte dahinter dadurch auch nicht. Rabatt beim Eintritt gibt es trotzdem nicht.

Dafür ein bisschen Comedy, direkt aus dem Leben, in dem Café, das ich besuche, um mich von zu viel Kultur zu erholen.

Hinter meinem Rücken: Er, besorgt: „Was kann ich denn noch tun, dass du ein bisschen besser gelaunt bist?“ Ein Schnauben. „Sollen wir uns etwas anschauen, möchtest du etwas besichtigen?“ Ein weiteres Schnauben, darauf er: „Es ist doch nicht meine Schuld, dass du den Reiseführer zuhause vergessen hast.“

Am Tisch gegenüber eine deutsche Reisegruppe mit offensichtlich vorbestelltem Essen, ein älterer Herr hält den Kellner an: „My wife eats no fish!“ Darauf der Kellner freundlich: „No problem, we change. What do you want: octopus, calamares, shrimps?“

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